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"Ich möchte mich entschuldigen" Charr klärt Pass-Verwirrspiel auf

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Manuel Charr wurde am 10. Oktober 1984 in der libanesischen Hauptstadt Beirut geboren.

(Foto: dpa)

Manuel Charr ist der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling. Behauptet der 33-Jährige zumindest, ehe er sich in Widersprüche verstrickt. Nun gesteht er, dass er doch keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Er will sich aber darum bemühen.

Manuel Charr fingerte eifrig seine Geldklammer hervor, schließlich war er vorbereitet. Ein deutscher Führerschein, eine Kreditkarte, sogar eine ADAC-Mitgliedschaft: All das zog der Box-Weltmeister mit breitem Grinsen hervor. Er wollte ein für alle Mal aufräumen mit dem Wirbel um seine Nationalität, seinen Anspruch auf den Titel "erster deutscher Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling" unterstreichen. Doch das entscheidende Dokument blieb der 33-Jährige weiter schuldig.

Seit seinem Sieg im WM-Kampf der WBA gegen Alexander Ustinow am vergangenen Samstag beherrschte das Verwirrspiel um die Nationalität Charrs die Medien. Am Abend beendete er die Spekulationen. Er habe keinen deutschen Pass und derzeit auch keinen beantragt. "Ich möchte mich beim deutschen Volk entschuldigen. Ich habe mich in den letzten zwei Jahren auf die Arbeit und Aussagen meiner Anwälte verlassen, die sich um das Verfahren kümmern wollten", sagte Charr dem Kölner "Express". "Dass ich jetzt einen neuen Antrag stellen muss und auch werde, versteht sich von selbst."

Zuvor hatte sich Charr immer wieder in Widersprüche verstrickt. Einmal erklärte er, den Pass nur auf dem Amt abholen zu müssen. Ein anderes Mal sagte er, das Einbürgerungsverfahren liege auf Eis. Die Version heute: Laut "Express" habe der Kölner 2015 einen Antrag gestellt, dieser sei aber abschlägig beschieden worden. Seitdem habe Charr keinen neuen Antrag mehr gestellt. "Ich fühle mich vom Herzen her schon lange als Deutscher und möchte auch alle staatlichen Vorgaben erfüllen, um dieses Stück Papier endlich in den Händen halten zu dürfen", sagt Charr.

"Es ist wie eine Zugfahrt"

Kämpfen musste der vor 28 Jahren aus dem Libanon geflüchtete Charr schon als Kind in Essen-Katernberg. Damals um Anerkennung. "Ich bin mit fettigen Haaren und zerrissenen Hosen in die Schule gegangen und wurde ausgelacht. Du hattest ein Pausenbrot, ich hatte keins", sagte Charr. "Man muss sich das mal vorstellen, ich habe meinen Mitschülern ihr Pausenbrot geklaut."

Diese Vergangenheit hat er hinter sich gelassen. Wie auch die falschen Freunde, die sich über Jahre in seinem Umfeld rumtrieben. "Es ist wie eine Zugfahrt. Ich bin der Zug und fahre zu einem Ziel. Wie viele Leute sind unterwegs ausgestiegen, wie viele Schwarzfahrer haben mich begleitet. Mit der Zeit habe ich viele Schwarzfahrer aussortiert."

Nun hat er neben dem WM-Titel auch privat sein Glück gefunden. Stolz berichtete er am Dienstag im Interview mit Sky Sport News HD, wie er seine große Liebe Ceydar zurückgewann. "Zu dieser Frau muss ich wirklich sagen 'Hut ab'. Was sie in den letzten Jahren durchgemacht hat. Leider waren wir ein Jahr getrennt. Das geht auf meine Kappe. Ich war beratungsresistent in Sachen Beziehungen." Die Hochzeit soll im nächsten Jahr folgen. Genau wie Charrs erste Titelverteidigung gegen den Puerto Ricaner Fres Oquendo.

Quelle: n-tv.de, Florian Krebl, sid

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