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Beach-Duo spielt nicht in Katar Coach unterstützt Streik wegen Bikini-Verbot

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Borger und Sude sind konsequent.

(Foto: imago images / Beautiful Sports)

Karla Borger und Julia Sude haben Prinzipien und die brechen sie auch nicht für ihre Arbeit. Weil ihre Arbeitskleidung in Katar unerwünscht ist, tritt das deutsche Beachvolleyball-Duo dort nicht zum Turnier an. Für ihren Trainer ist das vollkommen legitim.

Der Startverzicht der deutschen Beach-Volleyballerinnen Karla Borger und Julia Sude beim World-Tour-Turnier im März in Katar hatte laut Trainer Thomas Kaczmarek zwei Gründe. "Auf der einen Seite hat es politische Gründe, dass Karla und Julia aus Weltanschauungsgründen als Frauen sich solchen Forderungen nicht unterwerfen wollen", sagte der 35-Jährige der "Bild". "Auf der anderen Seite hat es sportliche Gründe, da wir eine längere Vorbereitungszeit nutzen und erst viel später in der Saison ins Turniergeschehen einsteigen wollen."

Die katarischen Behörden hatten für die Wettkämpfe festgelegt, dass Spielerinnen in Shirts und knielangen Hosen starten sollen statt wie sonst üblich im Sport-Bikini. Der Weltverband FIVB unterstützt diese Regel, weil man die "Kultur und Traditionen des Gastgeberlandes respektiere".

"Wir wollen das nicht mittragen", hatten Borger und Sude dem "Spiegel" gesagt. "Es geht gar nicht um wenig anhaben oder nicht. Es geht darum, dass wir in unserer Arbeitskleidung nicht unsere Arbeit machen können", sagte Sude. Beachvolleyball sei "verdammt anstrengend", meinte Borger: "Wir passen uns in jedem Land an, wo wir können. Wir sind dazu auch bereit. Aber du bist da in der Hitze nur am Triefen." Im März kann es in Doha bis zu 30 Grad Celsius warm werden.

"Mit voller Überzeugung"

Die Nicht-Teilnahme sei eine Teamentscheidung gewesen, "die ich zu hundert Prozent mittrage und mit voller Überzeugung dahinterstehe", sagte Kaczmarek. Auch der Deutsche Volleyball-Verband hatte mit Verständnis reagiert. "Wir haben Respekt vor der Entscheidung von Karla und Julia und können diese absolut nachvollziehen", sagte ein Verbandssprecher dem "Spiegel".

Besonders ärgerte das Duo, dass mit zweierlei Maß gemessen werde. "Bei der Leichtathletik-WM 2019 sind die Sprinterinnen auch in ihrer normalen Arbeitskleidung zu ihrem Job angetreten", sagte Sude. Auf Nachfrage habe es geheißen, dass es damals eine Sondergenehmigung vom Königshaus gab. Borger und Sude haben ihr Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio über die Rangliste so gut wie sicher. "Wir konnten uns entscheiden, und wir haben uns dagegen entschieden", sagte Sude. Borger meinte: "Klar, wenn es meine ersten Spiele wären, würde ich vielleicht alles unterwerfen. Aber irgendwo gibt es auch gesellschaftliche Grenzen."

Für das mit 300.000 Dollar dotierte Turnier in Doha (8. bis 12. März) haben vier deutsche Duos gemeldet - darunter auch Olympiasiegerin Laura Ludwig mit ihrer Partnerin Margareta Kozuch. Der Weltverband hat in diesem Jahr erstmals ein Turnier in Katar auch für Frauen in den Kalender aufgenommen. Bisher durften dort nur Männer spielen.

Quelle: ntv.de, ara/dpa