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Ukraine erleichtert DBS begrüßt Paralympics-Aus für Russland

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Friedhelm Julius Beucher m Dezember 2021.

(Foto: imago images/Joachim Sielski)

Unter dem Druck zahlreicher nationaler Verbände revidiert das Internationale Paralympische Komitee eine äußert umstrittene Entscheidung. Die russischen und belarussischen Athleten werden von den Paralympics ausgeschlossen. Das sorgt auf der einen Seite für Erleichterung, für Empörung auf der anderen.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) begrüßt die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), die russischen und belarussischen Athleten nun doch von den Paralympics in Peking auszuschließen. "Es ist eine wunderbare Kehrtwende", sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher: "Uns, den Athletinnen und Athleten, aber auch den meisten Nationalen Paralympischen Komitees ist eine unwahrscheinliche Last abgefallen."

Auch DOSB-Chef Thomas Weikert sieht die Kehrtwende als "einzig mögliche Reaktion auf die weltweiten Proteste. Die Weltgemeinschaft sendet klare Botschaften in Richtung der russischen und weißrussischen Aggressoren." Der internationale Sport müsse in der Verurteilung des Angriffs auf die Ukraine "ebenso eindeutig auftreten" wie die UN-Vollversammlung mit ihrem Schulterschluss am Mittwoch, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Das IPC hatte keine 24 Stunden nach seiner umstrittenen Entscheidung zur Zulassung der Sportler unter neutraler Flagge beschlossen, die Teams aus Russland und Belarus nicht an den Start gehen zu lassen. Zuvor hatten mehrere Mitgliedsverbände gedroht, nicht anzutreten.

Russland prüft Gang zum CAS

"Wir wollten diese Entscheidung nicht verstehen, dass hier zeitgleich ukrainische Athleten um ihre Familien bangen, die in Luftschutzkellern sitzen, und sie hier mit Athleten aus den Ländern, die ihr Land überfallen haben, in einen friedlichen Wettkampf gehen sollen", sagte Beucher. Die IPC-Entscheidung sei "einfach nur schön".

Es sei in den Paralympischen Dörfern eine "Spannung zu spüren", sagte Chef de Mission Karl Quade. Der Ausschluss Russlands und Belarus werde aber "den Krieg in der Ukraine nicht verhindern, deswegen kommt auch keine große Freude auf", betonte Quade, der die Kehrtwende "in dieser Form nicht erwartet" hatte.

Beucher übte jedoch auch scharfe Kritik am Gastgeber der Paralympischen Winterspiele. "China ist ebenso wenig ein Land, wo Weltspiele hingehören, wie auch eine Fußball-WM nicht nach Katar gehört. Es hat nun schon öfter Austragungsländer gegeben, in denen Freiheitsrechte nicht oben stehen oder in denen es Umweltfrevel gegeben hat", sagte der DBS-Präsident.

Unterdessen prüft das Russische Paralympische Komitee (RPC) juristische Mittel gegen den Ausschluss seiner Athleten und Athletinnen. Der vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) auferlegte Bann sei "unbegründet" und widerspreche dem "unpolitischen Charakter des Behindertensports", heißt es in einem Statement des RPC. Die Athleten würden als "Straftäter" im politischen Konflikt dargestellt. Man stufe die Entscheidung als "illegal" ein und prüfe deshalb juristische Schritte bis hin zum Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Für Ukraine ist Teilnahme ein "Wunder"

Der ukrainische Verbandspräsident Valeri Suschkewitsch sieht die Teilnahme seines Teams an den Paralympics als "Wunder" an. "Der einfachste Weg für uns wäre gewesen, nicht zu den Paralympics zu fahren. Aber wir konnten nicht aufgeben und nicht kommen", sagte der 67-Jährige auf einer Pressekonferenz des Internationalen Paralympischen Komitees: "Für uns ist es eine Frage des Prinzips, hier zu sein, es ist ein Symbol, das zeigt, dass die Ukraine lebt."

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Viele der 20 Sportler und Sportlerinnen seien beim Einmarsch Russlands nur knapp den Bomben entkommen, er selbst habe tagelang auf dem Boden eines Busses geschlafen. "Eine Supermacht will mein Land zerstören. Und unsere Anwesenheit hier bei den Paralympischen Spielen ist nicht nur eine Anwesenheit. Sie ist ein Zeichen dafür, dass die Ukraine ein Land war, ist und bleiben wird", sagte Suschkewitsch weiter.

Die Solidarität anderer Nationen in den paralympischen Dörfern sei enorm. Die gerade in den Langlauf- und Biathlonwettbewerben starke Mannschaft werde auch für die durch den Angriffskrieg der Russen gebeutelte Heimat kämpfen. "Es gibt im Moment zwei Fronten. Die eine ist in der Ukraine für unsere Soldaten. Und eine ist hier in Peking", sagte der Chef des Nationalen Paralympischen Komitees der Ukraine.

Quelle: ntv.de, sue/sid

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