Sport

"Kann nicht in Kopf gucken" Bach distanziert sich mühsam von Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin (l.) und der IOC-Präsident Thomas Bach unterhalten sich während der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi.

Die Beziehung soll erkaltet sein.

(Foto: dpa)

IOC-Präsident Bach steht heftig in der Kritik, Regime zu hofieren und Missachtung von Menschenrechten zu ignorieren. Russlands Machthaber Putin ist einer der wenigen Staatschefs bei der Olympia-Eröffnungsfeier in Peking. Doch das Verhältnis sei nicht mehr so gut wie früher, beteuert Bach.

IOC-Chef Thomas Bach müht sich um Distanz zum lange von der Sportwelt hofierten Kremlchef Wladimir Putin. Man rede schon "seit einigen Jahren" nicht mehr wirklich miteinander, versicherte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees in einer Medienrunde. "Ich kann nicht in seinen Kopf schauen", sagte Bach zu Fragen nach den Motiven Putins für Russlands Invasion in die Ukraine und den Bruch des noch bis 20. März geltenden olympischen Friedens. "Ich kann keine Erklärung geben", beteuerte Bach.

Der IOC-Chef sagte, er habe zuletzt nicht mit Putin telefoniert und über die Maßnahmen des Sports gegen Russland gesprochen. Am Montag hatte das IOC allen internationalen Verbänden empfohlen, Sportlerinnen und Sportler aus Russland und von seinem Verbündeten Belarus von Wettbewerben auszuschließen. Allerdings ließ das IOC auch eine Hintertür. "Sollte dies unter sehr extremen Umständen aus organisatorischen oder rechtlichen Gründen kurzfristig nicht möglich sein, überlässt es die IOC-Exekutive der jeweiligen Organisation, einen eigenen Weg zu finden, um das oben beschriebene Dilemma effektiv zu lösen", so das IOC in seiner Handlungsempfehlung.

So kam es nun, dass das Internationale Paralympische Komitee (IPC) die Athletinnen und Athleten beider Länder unter neutraler Flagge starten lässt - was Bach unterstützt: "Dieser Beschluss ist im Einklang mit den übergreifenden Empfehlungen. Wir haben vollen Respekt für diese Entscheidung."

"Keine echten Diskussionen mehr möglich"

Bach wies zudem die Möglichkeit ab, das Russische Olympische Komitee vom IOC auszuschließen. Man könne "nur diejenigen zur Verantwortung ziehen, die für diesen Krieg verantwortlich sind. Dies ist die russische Regierung", sagte der 68-Jährige.

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Noch am 4. Februar war Putin Tribünengast bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Peking gewesen. In der Vergangenheit hatte es immer wieder auch Treffen zwischen Bach und dem russischen Staatschef gegeben, unter anderem bei der Fußball-WM 2018 in Russland und während der Europaspiele im belarussischen Minsk. Schon 2001 hatte das IOC Putin den olympischen Orden in Gold verliehen, der ihm nun wieder aberkannt wurde.

Zu Verstimmungen mit Putin sei es bereits im Zuge der Strafen für Russland wegen des staatlich organisierten Dopings bei den Winterspielen in Sotschi 2014 und der Manipulation von Labordaten gekommen, sagte Bach. Während der Untersuchungen habe es mehrere Hacker-Angriffe gegeben, fügte der 68-Jährige hinzu. Seither seien mit Putin "keine echten Diskussionen mehr möglich" gewesen.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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