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"Eigentlich sehr stolz" DHB-Team hat sich nicht um alles gebracht

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Bundestrainer Alfred Gislason nimmt aus einem anstrengenden, enttäuschenden Handball-Abend auch Positives mit.

(Foto: imago images/Bildbyran)

Die deutschen Handballer müssen bei der WM auf ein kleines Wunder hoffen, um doch noch ins Viertelfinale einzuziehen. Grundvoraussetzung dafür sind zwei Siege in den verbleibenden beiden Hauptrundenspielen. Bei allem Ärger über das verlorene Spiel gegen Spanien gibt es auch positive Töne.

Johannes Bitter wusste genau, was nun zu tun ist. Mit all seiner Erfahrung wollte der Torhüter der deutschen Handballer nicht lange hadern, sondern die Mannschaft noch spät in der Nacht in ihrem Hotel im Osten Kairos wieder aufrichten. "Das ist dann eben die Aufgabe von den Erfahrenen, die Jungs mitzunehmen und heute Abend, wenn das Gröbste verdaut ist, auch wieder Lockerheit reinzubringen", sagte der 38 Jahre alte Routinier nach der 28:32-Niederlage im ersten WM-Hauptrundenspiel gegen Europameister Spanien. "Denn wir haben zwei Spiele zu gewinnen."

Den angepeilten Viertelfinal-Einzug beim Turnier in Ägypten hat die DHB-Auswahl nun aber nicht mehr in der eigenen Hand. Siege gegen Brasilien am Samstag sowie gegen Polen am Montag sind die Grundlage dafür, die Minimalchance auf die K.o.-Runde zu wahren. Außerdem muss die deutsche Mannschaft auf Schützenhilfe hoffen. "Man sagt ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Realistisch gesehen, müssen wir schon sehr viel Glück haben", sagte Bundestrainer Alfred Gislason.

"Bringen uns selbst um die Chance"

Rückraumspieler Kai Häfner dagegen glaubte im ersten Moment, dass ein Viertelfinal-Einzug gar nicht mehr möglich sei. Rein rechnerisch lebt die Chance aber weiter. Und es gibt Dinge, die Hoffnung machen. Das Aufbäumen nach der Pause zum Beispiel, als die DHB-Auswahl gegen den Europameister zwischenzeitlich mit drei Toren führte. In diesen Minuten war die Chancenverwertung nahezu perfekt - aber eben nur in diesen Minuten. Auch die phasenweise starke Leistung von Bitter könnte ein Mutmacher sein. Andererseits durchlebte die "1a-Lösung" im Tor, Andreas Wolff, erneut einen schwarzen Abend. Lediglich vier von 18 Würfen der Spanier wehrte der Keeper bis kurz vor der Halbzeit ab, anschließend ersetzte Gislason ihn durch Bitter.

Das größte Manko aber war die Chancenverwertung. Von Kapitän Uwe Gensheimer bis Rückraumspieler Kai Häfner wurden teils beste Gelegenheiten vergeben. Die Spanier bestraften diese Nachlässigkeiten letztlich gnadenlos. "Ich bin eigentlich sehr stolz auf die Jungs", sagte Gislason. "Aber ich ärgere mich schwarz, weil wir bringen uns selbst um diese Chance." Am Ende fehlte auch die Cleverness. "Wir laufen in ein paar Fallen rein, die sie uns bauen", so Gislason: "Das kommt mit der Erfahrung, aber das ist bitter, das zu sehen." Dennoch sei er "unglaublich stolz" auf seine Mannschaft.

In seinem Ärger über die Niederlage dachte der 61-Jährige ganz kurz sogar an Weltklasse-Abwehrspieler wie Hendrik Pekeler oder Patrick Wiencek, die ihm bei diesem Turnier coronabedingt fehlen. "Mit ein bisschen Routine, bisschen Glück und vielleicht dem ein oder anderen Abwehrspieler mehr bin ich ziemlich sicher, dass wir eventuell ohne Punktverlust hier stehen würden", sagte der Isländer. Dann ging der Blick nach vorne. Schon am Samstag (20.30 Uhr/ZDF) geht es gegen die Brasilianer weiter. Darum sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: "Die Mannschaft wird jetzt aufgerichtet und nicht hingerichtet."

Quelle: ntv.de, ter/sid