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Grgic zeigt nicht, was er kannDHB-Youngster ist sauer über seinen Start in die EM

16.01.2026, 20:37 Uhr
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Grgic ist genervt von seinem eigenen Auftritt. (Foto: IMAGO/Maximilian Koch)

Marko Grgic erlebt eine Karriere im Schnelldurchlauf: Nie in einer Jugend-Nationalmannschaft, dann mit 20 Jahren zu den Olympischen Spielen, dort Gewinner der Silbermedaille. Es folgen WM und jetzt EM. Doch genießen kann der Rückraumspieler den Auftaktsieg gegen Österreich nicht.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat einen neuen Spieler, der mit sich unzufrieden ist - und das in aller Öffentlichkeit kundtut: Marko Grgic. Der hadert nach dem Auftaktspiel bei der Europameisterschaft gegen Österreich (30:27) kräftig mit sich. "Ich durfte auf Halblinks anfangen, wollte unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen. Doch dann schleichen sich Fehler ein, die ich eigentlich so nicht von mir kenne", sagte der mit 22 Jahren jüngste Spieler im Kader von Bundestrainer Alfred Gislason verärgert.

Lange Zeit hatte Spielmacher Juri Knorr diese nicht gestellte Aufgabe übernommen, mit sich gehadert, sich zerfressen in seinem Ärger. Bei der EM 2024 hatte er nach dem Halbfinal-Aus gesagt: "Das Gefühl, in solch einem großen Spiel nicht alles rausgehauen zu haben, enttäuscht mich so. Es tut einfach weh, nicht alles gegeben zu haben." Zur Wahrheit gehört auch, dass Knorr dennoch ins All-Star-Team des Turniers gewählt worden war. Zudem hatten nur zwei Spieler mehr Tore erzielt als der Deutsche.

Seit der 25-Jährige aber zum dänischen Klub Aalborg gewechselt ist und damit etwas raus ist aus dem Rampenlicht Bundesliga, scheint der reflektierte Grübler mehr in sich zu ruhen. Stattdessen erleben er, die Teamkollegen und die Öffentlichkeit nun, dass ein Anderer sich selbst runtermacht.

Hohe Anforderung an sich selbst

In der Tat hat Grgic nicht das beste Spiel gemacht. In der ersten Halbzeit erzielte er nur einen Treffer, warf weitere drei Mal daneben, leistete sich zudem einen Fehlplass. Als Lukas Zerbe, der nominelle Siebenmeterschütze Nummer eins von der Linie mit einem Strafwurf an Österreichs Torhüter Constantin Möstl gescheitert war, übernahm Grgic, verwarf jedoch ebenfalls. In der zweiten Halbzeit kam er nur noch sehr wenig zum Einsatz.

Für Grgic ist es die erste EM, sein Debüt im DHB-Team hatte er im Mai 2024 gegeben. Er war überraschend von Gislason für die Olympischen Spiele nominiert worden und hatte Silber gewonnen. Grgic hat nie in einer Jugend-Auswahl des DHB gespielt - und ist dennoch eines der größten Talente, diesem Status aber im Eiltempo entwachsen. Längst ist er gestandener Bundesliga-Profi, holte im vergangenen Jahr noch im Trikot des ThSV Eisenach die Trophäe als bester Torschütze.

Im Sommer wechselte er mit viel Trara und Ärger zum Topklub SG Flensburg-Handewitt, zahlte einen Teil seiner Ablösesumme selbst, weil er vor Ende seines Vertrags aus Thüringen wegwollte. Beim aktuellen Bundesliga-Zweiten ist er nach ein wenig Eingewöhnungszeit eine feste Größe im Kader, konnte sich durchsetzen. Grgics Ansprüche an sich selbst sind riesig. In der ARD-Dokumentation "Generation Goldjungs" sagt er selbstbewusst, dass er der beste Spieler der Welt werden möchte.

Nur beim Nationalteam, da hapert es irgendwie. "Ich bekomme den Knoten nicht auf, den ich in der Nationalmannschaft habe. Das macht mich sehr sauer. Und ich muss sagen: Das enttäuscht mich sehr."

Er stellte in der ARD aber auch fest: "Es geht nicht um mich, es geht nicht um die Einzelperson, es geht darum, dass wir als Nation erfolgreich sind." Und so war es auch beim Sieg gegen Österreich. Weil etwa Miro Schluroff einen sehr guten Tag erwischte, fiel die ausbaufähige Leistung von Grgic fürs DHB-Team nicht weiter ins Kontor.

Quelle: ntv.de, ara

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