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Mehr Gold, weniger Medaillen DOSB redet sich Olympia schön

Der Absturz wurde verhindert, doch die Probleme bleiben: Vor dem Erlöschen der olympischen Flamme im Nationalstadion in Peking strotzten die Verantwortlichen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bei der Bilanz-Pressekonferenz vor Zufriedenheit. An die Mindestvorgabe, wie in Athen 49 Mal Edelmetall zu holen, erinnerte niemand mehr.

Stattdessen wurde auf die 16 goldenen der insgesamt 41 Medaillen verwiesen und darauf, dass Deutschland in der Nationenwertung sich um einen Platz auf Rang fünf vorgeschoben hat. Doch bei aller positiven Interpretation der Peking-Ergebnisse wissen auch die DOSB-Funktionäre, dass die Diskussion um den Leistungssport in Deutschland gerade erst begonnen hat.

Medaillenzahl rückläufig

Seit 1992 geht die Zahl der olympischen Medaillen für deutsche Sportlerinnen und Sportler zurück. Dennoch stellte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper fest: "Die Gesamtbilanz unseres Auftretens in Peking und unseres sportlichen Ergebnisses ist mehr als zufriedenstellend. Wir haben unsere Ziele erreicht. Wir haben den Abwärtstrend gestoppt." Auch DOSB-Präsident Thomas Bach zog ein "sehr positives Fazit". Sportdirektor Bernhard Schwank kam zu dem Schluss: "Wir haben des Ergebnis von Athen nicht nur bestätigt, sondern sogar übertroffen." Dies sei eine gute Basis für London 2012. Auch dann will sich der DOSB unter die ersten Fünf einreihen.

Doch das wird schwer. Die internationale Konkurrenz wird immer härter. Die dominierenden Sportnationen China und USA sind enteilt, dahinter geht es eng zu: In Peking gingen die Medaillen an 87 Länder, in Athen waren es nur 74. Immer mehr Nationen investieren in den Spitzensport, weil sie ihn als Chance zur positiven Selbstdarstellung nutzen.

In der Breite stabiler geworden

"Es wird hier sehr deutlich, dass so viele Ressourcen in den Leistungssport fließen wie nie zuvor", meinte Bach. Dieser Trend der wesentlich höheren Investitionen in anderen Ländern und die "dramatisch verschärfte Konkurrenzsituation" müssen bei der Analyse der Spiele und der Zukunftsplanung berücksichtigt werden. "Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte darüber, was uns der Spitzensport wert ist", forderte Vesper. "Der Staat und die Wirtschaft müssen Hand in Hand arbeiten.

Warum für die deutsche Mannschaft dennoch alles prima war im heißen Peking-Klima, versuchte Schwank mit Zahlenbeispielen zu erklären: In 12 Sportarten seien Goldmedaillen gewonnen worden, in Athen habe es 13 Olympiasiege in acht Disziplinen gegeben. "Wir sind in der Breite stabiler geworden", dozierte er. Zu den 16 goldenen, 10 silbernen und 15 bronzenen Medaillen kamen 14 vierte Ränge in 302 Entscheidungen. Insgesamt erreichten deutsche Athleten 139 Platzierungen zwischen den Rängen vier und zehn.

Nur Randsportler überzeugen

Ein bedenklicher Trend der vergangenen Spiele in Athen oder Sydney setzte sich aber in Peking fort: Erfolge gab es vor allem in den Disziplinen, die sich nur alle vier Jahre medialer Aufmerksamkeit erfreuen wie Judo, Gewichtheben, Triathlon oder Moderner Fünfkampf. In den olympischen Prestige-Sportarten waren die Deutschen zumeist Statisten: Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen schönte das Debakel der Schwimmer, Speerwerferin Christina Obergföll war mit Bronze einziger kleiner Lichtblick bei den Leichtathleten.

Auch in den Ballsportarten lief es alles andere als wunschgemäß: Nur im Hockey holten die Herren-Weltmeister gegen Spanien Gold, die Damen blieben medaillenlos, standen aber wenigstens im Spiel um Bronze. Die Fußball-Weltmeisterinnen erreichten immerhin Rang drei. Dagegen waren die Handball-Frauen und -Männer, die Basketball-Herren um Superstar Dirk Nowitzki und die Volleyball-Herren schon in der Vorrunde gescheitert, die Wasserballer wurden Zehnte. Auch die Beachvolleyballer vergruben ihre Medaillenchancen im Sand.

Fokus auf London 2012

Nach den Spielen ist vor den Spielen: Nach der Rückkehr aus Peking beginnt die große Analyse. Im Fokus stehen dabei nicht nur Schwimmer und Leichtathleten, sondern auch die enttäuschenden Boxer, Ruderer und Straßenradfahrer. Erste Schritte wurden schon vor dem Sportfest in China eingeleitet. Gelder sollen nicht mehr nach Erfolg, sondern als Hilfe an die Verbände gehen. Vesper: "Die Arbeit für London 2012 beginnt am Montag."

Quelle: ntv.de

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