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Absurde Australian-Open-Quali Das bitterste Break des jungen Tennisjahres

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Elliot Benchetrit kassierte das eine Break zu viel. Oder zu früh. Jedenfalls kassiert er keine 22.000 Euro.

(Foto: imago images/Xinhua)

Die Qualifikation für das erste Großereignis des Tennisjahres läuft. Doch statt in Australien, kämpfen sich die Profis gerade in Asien durch die Qualifikation für die Australian Open. Dort kassiert ein Spieler ein Break zur absoluten Unzeit. Das sorgt für Ärger und kostet viel Geld. Dabei kam es einfach nur zu früh.

Denis Kudla sah sich schon einen Schritt weiter auf dem langen Weg nach Melbourne. Jetzt noch ein Break, dann wäre es geschafft. Und tatsächlich: Der 28 Jahre alte Tennis-Profi aus den USA, Nummer 114 der Weltrangliste, gewann sein Qualifikations-Match gegen den Marokkaner Elliot Benchetrit klar mit 6:4, 6:3. Zu den Australian Open wird der gebürtige Ukrainer trotzdem nicht reisen können. Er musste nach seinem Pyrrhussieg umgehend in Quarantäne. Corona.

Das Virus führt im Tennis-Zirkus schon vor dem ersten Grand Slam des Jahres (ab 8. Februar) zu absurden Fällen, denn: Kudla erfuhr erst beim Stand von 5:3 im zweiten Satz, dass sein Test einen positiven Befund ergeben hatte. Das folgende Spiel durfte er dennoch absolvieren. Und weil ihm ein Break zum Sieg gelang, hat nun auch Benchetrit keine Chance mehr, zu den Australian Open zu kommen. Hätte er seinen Aufschlag zum 4:5 durchgebracht, wäre das Match zu seinen Gunsten abgebrochen worden - und der Marokkaner wäre in der zweiten Runde gewesen. Neben der Chance auf den Einzug ins Hauptfeld, geht Benchetrit durch das Break zur Unzeit auch noch eine Menge Geld verloren: Für den Einzug in die zweite Qualifikationsrunde kassiert jeder Spieler rund 22.000 Dollar.

Das Qualifikationsturnier, so viel muss noch erwähnt werden, findet aufgrund der strengen Hygieneregeln in Australien in der katarischen Hauptstadt Doha statt. Und dort scheint es mit dem Testen der Spieler nicht sonderlich gut zu klappen. So monierte etwa der deutsche Profi Dustin Brown, dass die Ergebnisse nicht rechtzeitig vor den ersten Matches vorgelegen hätten. Die Wartezeit sei den Spielern mit 8 bis 14 Stunden angegeben worden, sagte er, "das traf in den meisten Fällen nicht zu". Er habe 26 Stunden auf seinen Befund warten müssen.

Fünf Stunden Freigang pro Tag

Der offensichtlich frustrierte Benchetrit, Nummer 211 im ATP-Ranking, griff die Tester ebenfalls an. Vor der Reise nach Doha habe jeder Spieler einen negativen Test vorlegen müssen, auch nach der Ankunft in Katar sei ein Abstrich genommen worden, berichtete er dem Portal Tennis Majors und mutmaßte, Kudla habe sich im Hotel angesteckt, wo Mitarbeiter angeblich denselben Aufzug nutzten wie die Spieler. Positiv getestet wurde auch Francisco Cerundolo (Argentinien) - das Ergebnis lag immerhin vor seinem Match gegen Mario Vilella Martinez (Spanien) vor.

Um die äußerst strengen Corona-Regeln in Australien einhalten zu können, finden die Qualifikationsturniere in Doha (Männer) und Dubai (Frauen) statt. Von dort und anderen Orten werden die Spieler und Betreuer auf Kosten von Tennis Australia nach Melbourne geflogen. Turnierdirektor Craig Tiley sagte, die Organisatoren der Australian Open hätten 1270 Plätze auf 18 Charterflügen gebucht, um die Beteiligten nach Down Under zu bekommen. Vor Ort müssen die Spieler zunächst 14 Tage in Quarantäne. Pro Tag sind nur fünf Stunden Freigang für Training erlaubt. Es brauche ein "kleines Wunder", damit alles glatt gehe, sagte Tiley dem tennis Channel, "aber wir versuchen es."

Quelle: ntv.de, ter/sid