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Sportvideos für die Quarantäne "Das ist ja wie Dieter Baumann!"

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Völlig entfesselt zieht Jan Fitschen der Konkurrenz auf der Zielgeraden davon.

(Foto: imago/Belga)

Der Live-Sport steht still, die Coronavirus-Krise stoppt die Ligen, Wettkämpfe sind abgesagt. Auf Sport aus dem TV muss trotzdem niemand verzichten, schließlich gibt es Aufzeichnungen von historischen Ereignissen. Heute: Als Läufer Jan Fitschen auf den Spuren von Dieter Baumann sprintet.

"Jan Fitschen gewinnt Gold!" Ein Satz, den selbst der Protagonist nicht bei einer Europameisterschaft erwartet hätte. Drei Titel hatte der Läufer im Jahr 2006 schon gewonnen - bei Deutschen Meisterschaften. Bei der Leichtathletik-EM in Göteburg hat ihn über 10.000 Meter niemand auf der Favoritenliste. Doch der damals 29-Jährige liefert am 8. August 2006 das Rennen seines Lebens.

Dabei sieht es zunächst gar nicht danach aus. Die ARD-Kommentatoren Ralf Scholt und Willi Hark unterstellen ihm für einen kurzen Moment sogar ein kleines Tief. Fitschen aber hält wie der zweite deutsche Teilnehmer, André Pollmächer, immer den Anschluss an die Spitzengruppe. Und dann: "600 Meter vor Schluss war ich plötzlich Vierter, da habe ich gedacht: 'Das ist ein doofer Platz.' Ich habe noch einmal alles mobilisiert und einfach alle überholt", erklärt Fitschen damals seinen Sieg. "Ich habe schon von einer Medaille geträumt. Das war heute genauso ein Rennen, wie es mir passt."

"Das wäre eine Sensation, wenn er hier eine Medaille macht!" und "Lauf, Junge, das kann dein Rennen werden!" Die Kommentatoren trauen ihren Augen kaum, als die letzte Runde anbricht.

Wahnsinnige 2:30 Minuten braucht Fitschen für den letzten Kilometer, setzt die Favoriten aus Spanien mit einem brillanten Endspurt schachmatt. Es wirkt, als würden sie einfach aufhören zu laufen, dabei wird Fitschen einfach nur immer schneller. "Das ist ja wie Dieter Baumann!", brüllen Hark und Scholt völlig entfesselt. So wie 1992 in Barcelona, als Baumann über 5000 Meter Olympiasieger wurde - und sich eben im Schlussspurt durchsetzte. Aber 10.000-Meter-Gold, das gewann selbst Dieter Baumann nie.

28:10,94 Minuten braucht der Athlet des TV Wattenscheid für die 25 Runden bis ins Ziel, es ist seine persönliche Bestzeit. Erster Gratulant ist Pollmächer, der am Ende guter Siebter wird. Anschließend fällt der EM-Sieger erst seinem Trainer Tono Kirschbaum und anschließend Bundestrainer Detlef Uhlemann in die Arme. Der brüllt ihm mit weit aufgerissenen Augen entgegen: "Bist du wahnsinnig?!"

Weit staatsmännischer sagte es der damalige Verbandspräsident Clemens Prokop: "Ein Lauf mit historischer Bedeutung." Fitschen war erst der dritte Europameister aus Deutschland auf dieser Strecke. Und er ist bis heute der letzte.

Quelle: ntv.de