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Hamburg folgt München Das ist kein Nein zu Olympia

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Das Thema ist durch: Olympische Spiele in Hamburg wird es nicht geben.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Die Hamburger wollen nicht um Olympia werben - der Sport reagiert beleidigt. Dabei haben die Menschen gute Gründe. In Zeiten von Skandalen und Korruption ist das einzig Gesunde ihr Misstrauen. Kleingeistig ist das nicht.

Sie haben nicht Nein gesagt zu Olympia. Sie haben nicht Nein gesagt zum größten Sportfest der Welt. Sie haben Nein gesagt zu denen, die das Ganze organisieren. Sie haben den Olympia-Funktionären deutlich gesagt, was sie von ihnen halten - nämlich nichts.

Und deswegen sind die 51,6 Prozent der 651.589 Hamburger, die sich am Sonntag an dem Referendum beteiligten, auch keine kleingeistigen Verweigerer, nur weil sie sich dagegen ausgesprochen haben, dass sich ihre Stadt für die Olympischen Sommerspiele 2024 bewirbt. Die 335.638 Neinsager - also eine deutliche Mehrheit - trauen den Verwaltern des Sports nicht mehr. Und sie sind der Meinung, dass es Wichtigeres gibt. Auch die Tatsache, dass zurzeit Hunderttausende von Flüchtlingen nach Deutschland kommen und um Hilfe bitten, mag da eine Rolle gespielt haben.

Doch die Ursachen für die Ablehnung liegen im organisierten Sport selbst. An seiner schlechten Reputation hat er jahrelang hart gearbeitet. Wenn auch das Ergebnis des Referendums als Überraschung gilt: Ein Wunder ist es nicht. Der Sport steckt nicht erst seit gestern in einer Glaubwürdigkeitskrise. Und er sollte damit beginnen, diese Signale ernst zu nehmen. Wobei das Votum in Hamburg eher einem Tiefschlag gleicht. Viel spricht allerdings nicht dafür, dass die gescheiterten Olympiafreunde die Wähler ernst nehmen. Dabei ist die Haltung der Hamburger nicht neu. Bereits vor zwei Jahren haben sich die Bürger in München und Garmisch-Partenkirchen gegen die Winterspiele in ihren Städten ausgesprochen.

Das einzig Gesunde ist das Misstrauen der Bevölkerung

Wir erleben Zeiten, in denen Funktionäre des Weltfußballverbandes ins Gefängnis müssen und gesperrt werden; Zeiten, in denen selbst der angeblich so saubere DFB seine Affäre hat; Zeiten, in denen Skandale, Korruption und Vetternwirtschaft die Verbände verseuchen; Zeiten, in denen russische Leichtathleten nicht mehr mitmachen dürfen, weil sie über Jahre flächendeckend und organisiert gedopt haben. In diesen Zeiten ist das einzig Gesunde das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber sportlichen Megaveranstaltungen.

Gerecht ist es nicht, dass Olympia die Quittung dafür bekommt, was zum Beispiel der Fußball alles falsch gemacht hat. Und vielleicht wären die Spiele in Hamburg eine Chance gewesen, der Welt zu zeigen, wie es auch geht. Ökologisch, nachhaltig, mit einem vernünftigen Etat. Damit zumindest hatten die Befürworter geworben. Bis zum Schluss war allerdings unklar, wie viel die von den veranschlagten 7,4 Milliarden Euro die Hamburger dafür zahlen. Und wie viel der Bund übernimmt. Ganz zu schweigen davon, ob es bei diesen Kosten geblieben wäre - in Zeiten, in denen Hamburgs Elbphilharmonie die Steuerzahler nun mutmaßlich 789 Millionen Euro kostet statt kalkulierter 77 Millionen; in Zeiten, in denen für die Sanierung des Alten Elbtunnels nun plötzlich mehr als 70 Millionen statt 17 Millionen Euro fällig werden.

Das Thema Olympische Spiele in Deutschland hat sich für absehbare Zeit erledigt. Erst München, Garmisch-Partenkirchen, Ruhpolding und Königssee - nun Hamburg und Kiel. Das ist vor allem für die Sportler keine gute Nachricht. Viele hatten davon gesprochen, dass sich mit den Spielen in Deutschland ein Traum ihrer Kindheit erfüllen würde. Doch anstatt die Menschen, die Nein gesagt haben, als Verweigerer zu diskreditieren, wäre es eine gute Idee, sie ernst zu nehmen. Und nun in Ruhe darüber nachzudenken, warum sie so gestimmt haben, wie sie gestimmt haben. Ein Nein zum Sport, ein Nein zu Olympia war das nicht.

Quelle: n-tv.de

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