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"Atmosphärische Bedingungen" schuld? "Deflate-Gate" überschattet den Super Bowl

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"Meine Bälle sind perfekt": New Englands Star-Quarterback Tom Brady bestreitet jede Manipulation am Spielgerät.

AP

Die Affäre um zu schwach aufgepumpte Bälle hält die amerikanische Football-Profiliga NFL vor dem Super Bowl weiter in Atem. New Englands Coach Bill Belichick bestreitet jede Verwicklung, er führt die Physik als Erklärung an. Dennoch droht eine hohe Strafe.

Bill Belichick, Headcoach des NFL-Klubs New England Patriots, bestreitet weiterhin einen Betrugsversuch im Playoff-Halbfinale gegen die Indianapolis Colts. Stattdessen führte der Coach physikalische Erklärungen für die nicht vorschriftsgemäß befüllten Bälle an. Der Grund dafür, dass es am Sonntag im Spiel gegen die Indianapolis Colts (45:7) Probleme mit dem Luftdruck gegeben habe, seien "atmosphärische Bedingungen".

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Patriots-Coach Bill Belichick hat eine ganz eigene Erklärung für die zu schwach aufgepumpten Bälle.

(Foto: AP)

"Es ist genau wie beim Auto. Man steigt ein, und die Lampe zeigt an, dass der Reifendruck zu niedrig ist, weil der Wagen die ganze Nacht draußen auf der Straße stand. Dann lässt man ihn an, fährt los, und die Lampe geht aus. So ist es bei dieser Sache auch", sagte Belichik in einer Pressekonferenz.

"Wir haben alle Regeln befolgt"

Die NFL hatte am Freitag nach einer Untersuchung bekannt gegeben, dass die von den Patriots in der ersten Hälfte des Championship Game der American Football Conference (AFC) eingesetzten Bälle fast alle mit zu wenig Druck befüllt waren. Bei elf von zwölf Bällen war der Druck zu gering. Weichere Bälle bieten den Profis besseren Grip, das Kunststoff-Ei lässt sich für den Quarterback leichter werfen und auch einfacher fangen.

New England ist sich in der als "Deflate-Gate" bezeichneten Affäre aber keiner Schuld bewusst. Belichick betonte erneut: "Wir haben alle Regeln befolgt." Zuvor hatte er bereits beteuert, nichts von den zu schwach aufgepumpten Bällen gewusst zu haben: "Ich habe niemals mit Spielern oder Offiziellen über den Luftdruck bei Bällen gesprochen. Wir vertrauen darauf, dass die Bälle vor dem Spiel geprüft werden, und dann spielen wir mit dem, was da draußen ist."

Strittig ist weiterhin, welchen Effekt die zu schwach aufgepumpten Bälle hatten. Sie lassen sich theoretisch zwar besser werfen und fangen. Allerdings war das Ergebnis beim Seitenwechsel noch recht offen. Die Patriots führten lediglich mit 17:7 und spielten erst in den beiden Schlussvierteln den 45:7-Kantersieg heraus.

Strafmaß völlig offen

Seitens der NFL droht New England dennoch eine empfindliche Strafe. Einige Experten gehen davon aus, dass sie ähnlich hoch ausfallen könnte wie 2007. Damals hatte ein Assistenztrainer heimlich Trainingsspiele der New York Jets gefilmt, um die Defensivsignale auszuspionieren. Das sollte es Patriots-Quarterback Tom Brady offenbar erlauben, die Verteidigungsstrategien des Gegners frühzeitig zu erkennen. Die Gesamtstrafen beliefen sich damals auf 750.000 US-Dollar, zudem verloren die Patriots einen Erstrunden-Draftpick.

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Spekuliert wird zudem über eine Sperre für New Brady, der jede Verwicklung in die Angelegenheit allerdings am Freitag bestritten hatte: "Ich habe nichts an den Bällen verändert." Er sorge stets selbst dafür, dass sie vor der Kontrolle durch die Schiedsrichter in Ordnung seien. "Wenn ich die Bälle aussuche, sind sie perfekt. Und ich will nicht, dass sie danach irgendjemand anfasst, abwischt, Luft einfüllt oder ablässt", sagte der 37-Jährige. Aufgefallen war ihm der niedrige Luftdruck in den Bällen im Spiel aber offenbar nicht.

Als ausgeschlossen gilt, dass New England der Platz im Super Bowl gegen Titelverteidiger Seattle Seahawks aberkannt werden könnte. Dafür war das Ergebnis von 45:7 deutlich, das räumte auch Indianapolis-Profi Dwayne Allen bei Twitter ein. Dort schrieb er: "Sie hätten auch mit Seife statt Bällen spielen können und uns auch dann geschlagen. Einfach das bessere Team."

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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