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Saisonstart an Weihnachten? Die DEL zieht erneut die Notbremse

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Vorerst gilt: keine DEL-Action.

(Foto: imago images/osnapix)

Die Deutsche Eishockey Liga verschiebt den Saisonstart nach einem abgelaufenen Ultimatum zum zweiten Mal. Auch im November wird es nichts, die Klubs hoffen auf einen Auftakt um Weihnachten. Derweil hat die DEL ein durch die Pandemie ausgelöstes Finanzloch von 60 Millionen Euro ausgemacht.

Auch die Drohkulisse half nichts, die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat nach einem gescheiterten Ultimatum zum zweiten Mal die Notbremse gezogen und den Saisonstart erneut verschoben. Ziel sei es nun, "in der zweiten Hälfte des Dezembers" loszulegen, sagte Geschäftsführer Gernot Tripcke am Freitag nach einer mehrstündigen Telefonkonferenz mit den Verantwortlichen der 14 Klubs.

Eigentlich hätte es am 13. November losgehen sollen, die DEL hatte diesen Termin aber an verbindliche Zusagen aus der Politik über Finanzhilfen bis zu diesem Freitag (2. Oktober) geknüpft. Diese blieben aus, auch wenn die Politik Verständnis für die missliche Lage der Eishockeyklubs zeigte.

Und so blieb Tripcke keine Wahl, das Warten geht weiter. "Wir haben stets sehr deutlich und transparent kommuniziert, dass wir unter den aktuellen Vorgaben sowie mit der Unsicherheit, ob und in welchem Umfang die nötige finanzielle Unterstützung für die Klubs kommt, nicht in die Saison starten können", sagte der Ligaboss: "Daran hat sich bis heute leider nichts geändert. Von daher war diese Entscheidung alternativlos, auch wenn sie uns sehr schwer fällt."

"Vernunft kommt vor Spaß"

"Vernunft kommt vor Spaß", betonte Tripcke im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst. Nachdem wegen der großen wirtschaftlichen Probleme durch die Coronakrise schon der ursprünglich geplante Auftakt (18. September) nicht gehalten werden konnte, geht es nun im besten Fall rund um Weihnachten los. Bis spätestens Mitte November sollen weitere Entscheidungen zum Saisonablauf getroffen werden.

Daniel Hopp setzt auf Vernunft: "Wir fliegen auf Sicht, können den Autopiloten nicht einschalten", sagte der Gesellschafter von Adler Mannheim: "Wir werden nicht sehenden Auges an die wirtschaftliche Wand fahren. Das machen wir nicht." Philipp Walter, Geschäftsführer der Kölner Haie, erklärte: "Es ist eine Zeit, die von vielen Fragen und großer Ungewissheit geprägt ist. Die Geduld unserer Fans, Spieler und Partner wird sehr strapaziert."

Tripcke blickt nach vorn: "Es gilt nach wie vor, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Klubs in die Lage zu bringen, dass sie verantwortungsbewusst Eishockey spielen können", sagte der Ligachef. Geht es wie erhofft Mitte oder Ende Dezember weiter, wäre eine volle Saison allerdings nicht mehr durchführbar, auch würden die Play-offs dem Modus wohl zum Opfer fallen. Eine komplette Absage der Saison ist aber noch kein Thema.

"Bürokratisches Monster"

Die DEL hat ein durch die Pandemie ausgelöstes Finanzloch in Höhe von 60 Millionen Euro ausgemacht. Die neue Regelung einer maximal 20-prozentigen Auslastung der Hallen hilft nicht, die Vereine leben bis zu 80 Prozent von den Einnahmen aus Heimspielen. Eine zeitnahe Aufstockung auf gewünschte 50 bis 60 Prozent ist aufgrund gestiegener Corona-Fallzahlen höchst unwahrscheinlich.

Für den im Konjunkturpaket beschlossenen Ausgleich von bis zu 800.000 Euro gebe es auch "noch keine verbindlichen Bescheide", sagte Tripcke. Andre Hahn, Obmann der Linken, kritisierte in der Sportausschuss-Sitzung am Mittwoch das komplizierte Antrags- und Vergabeverfahren als "bürokratisches Monster". SPD-Politiker Mahmut Özdemir versprach Nachbesserungen - doch konkrete Zusagen gab es keine.

Auch der Blick in andere Länder lässt die DEL-Klubs nahezu verzweifeln. In Österreichs Topliga wird dank einer Art staatlichen Vollkaskoversicherung wieder um Punkte gekämpft. Auch Schweden, Finnland und die Schweiz konnten den Spielbetrieb aufgrund deutlich besserer TV-Verträge wieder aufnehmen.

Quelle: ntv.de, Jörg Soldwisch & Uli Schember, sid