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Erste Trans-Athletin in Tokio Die Gewichtheberin, die Olympia spaltet

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Laurel Hubbard ist ziemlich sicher als erste Transgender-Athletin bei den Olympischen Spielen dabei.

(Foto: REUTERS)

Laurel Hubbard will Geschichte schreiben: Als erste Transgender-Athletin wird sie wohl an den Olympischen Spielen teilnehmen. Die als Mann geborene Gewichtheberin senkt für Tokio ihre Testosteronwerte, wird ein wichtiges Zeichen setzen - und für Kontroverse sorgen.

Die neuseeländische Gewichtheberin Laurel Hubbard ist auf dem besten Weg, die erste Transgender-Athletin bei Olympischen Spielen zu werden. Die 43-Jährige, die als Mann geboren wurde, aber 2012 zur Frau wurde, steht kurz davor, die Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) unter den angepassten Covid-19-Qualifikationsregularien zu erreichen.

"Das NZOC kann bestätigen, dass die überarbeiteten Qualifizierungssysteme des Internationalen Verbandes sehr wahrscheinlich dazu führen werden, dass eine Reihe von neuseeländischen Gewichthebern, darunter auch die Transgender-Athletin Laurel Hubbard, einen Quotenplatz für Tokio 2020 erhält", erklärte das neuseeländische Olympische Komitee. Ein Insider des Internationalen Verbandes bestätigte auch dem englischen "Guardian", dass die Gewichtheberin teilnehmen wird.

Hubbard wurde zugelassen, im Gewichtheben der Frauen anzutreten, nachdem sie Testosteronwerte unterhalb der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geforderten Schwelle aufweisen konnte. Ihr Ziel ist es, in den neuseeländischen Kader für die Olympischen Spiele in Tokio zu kommen, um in der Gewichtsklasse über 87 Kilogramm zu starten. Derzeit steht die WM-Silbermedaillengewinnerin von 2017 auf Platz 16 der Weltrangliste.

Fortschritt oder unfairer Vorteil?

Bei den Spielen in Tokio wäre Hubbard die älteste Gewichtheberin, dennoch könnte sie eine echte Chance auf eine Medaille habe, denn mit ihren Qualifikations-Ergebnissen liegt sie auf dem vierten Platz unter den 14 bereits qualifizierten Gewichtheberinnen in der Superschwergewichtsklasse über 87 Kilogramm. Kontroverse scheint vorprogrammiert. Hubbards Selektion könnte die Meinungen stark spalten: zwischen denen, die sie als enormen Fortschritt für Trans-Athleten ansehen, und anderen, die darauf bestehen, dass sie von einem unfairen Vorteil profitiert. Das NZOC hatte sich in der Vergangenheit bereits stark für Hubbards Recht eingesetzt, an Wettkämpfen teilzunehmen, und erklärte, dass alle für Tokio ausgewählten Athleten seine Unterstützung erhalten würden. "Das neuseeländische Team hat eine starke Kultur der Fürsorge, der Inklusion und des Respekts für alle", hieß es.

Der australische Gewichtheberverband versuchte 2018, sie von den Commonwealth-Spielen an der Gold Coast auszuschließen mit dem Argument, dass sie unabhängig vom Testosteronspiegel einen körperlichen Vorteil gegenüber als Frauen geborenen Athletinnen genieße. "Aus unserer respektvollen Sicht haben die aktuellen Kriterien und ihre Anwendung das Potenzial, das Gewichtheben von Frauen zu entwerten und Athletinnen davon abzuhalten, den Sport in Zukunft auf einem Elite-Level zu betreiben", hieß es. Hubbard durfte dennoch starten, führte nach dem Reißen und musste schließlich wegen einer Ellenbogenverletzung aufgeben.

Im Jahr darauf gewann sie bei den Pazifikspielen in Samoa zwei Goldmedaillen, jeweils vor einheimischen Sportlerinnen. Die lokale Presse war tagelang voll von entsetzten Kommentaren, Premierminister Tuilaepa Sailele Malielegaoi erklärte: "Ich glaube wirklich nicht, dass er - sie - jemals an diesem Turnier teilnehmen sollte, aber mir ist klar, dass wir inklusiv sein müssen und diese Menschen nicht ausschließen können." Gold im Stoßen blieb Feagaiga Stowes aus Samoa nur, weil Hubbard einen Fehlversuch hatte - den das Publikum stürmisch bejubelte.

"Ich finde es wichtig, dass das Thema offen und wertfrei angegangen wird", sagte Präsident Florian Sperl vom Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) am Donnerstag dem SID. Und "absolut", räumte er ein, wäre seiner Sportart, der aufgrund zahlreicher Dopingfälle sowie Vertuschung und Untreue auf höchster Ebene der Olympia-Ausschluss für Paris 2024 droht, durch einen Start Hubbards in Tokio einige öffentliche Aufmerksamkeit sicher.

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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