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Erstmals Pleite seit 3129 Tagen? Die deutsche Ironman-Dominanz wackelt gefährlich

Triathlon-Superstar Jan Frodeno wird in Utah nicht am Start sein.

Triathlon-Superstar Jan Frodeno wird in Utah nicht am Start sein.

(Foto: Marco Garcia/AP/dpa)

3129 Tage: So lange ist es her, seit es bei der Ironman-WM der Herren letztmals keinen deutschen Sieger gab. Nach den Ausfällen von Jan Frodeno und Patrick Lange bröckelt die deutsche Dominanz. Sebastian Kienle soll die Siegesserie retten, doch er fühlt den "Zahn der Zeit".

"Am Ende gewinnen immer die Deutschen" - diese alte Fußballweisheit von Gary Lineker beschreibt auch die Kräfteverhältnisse bei der Ironman-WM in Perfektion. Sebastian Kienle, Jan Frodeno und Patrick Lange erklommen im Südsee-Paradies Hawaii seit 2014 abwechselnd den Triathlon-Thron, vor satten 3129 Tagen gab es bei den Herren letztmals keinen deutschen Sieger - doch nun könnte die schwarz-rot-goldene Regentschaft bröckeln.

Mit Frodeno und Lange fehlen die beiden aussichtsreichsten Trumpfkarten bei der Weltmeisterschaft im Ausweichort St. George im US-Bundesstaat Utah verletzt, Kienle wähnt sich über dem Leistungszenit. Bei den Frauen stehen die Chancen für Samstag (14.15 und 14.20 Uhr/HR) mit Titelverteidigerin Anne Haug zwar besser, doch auch da muss die positiv auf Corona getestete Siegkandidatin Laura Philipp passen.

2014er Champion Kienle sieht sich nicht mehr als Top-Anwärter auf Gold. "Es wird sehr schwierig, die deutsche Serie aufrechtzuerhalten. Ich glaube nicht, dass ich die Bürde tragen kann", sagte der 37-Jährige im Interview mit dem "Sport-Informations-Dienst" (SID): "Ich sehe mich nicht im Bereich der Favoriten, sondern eher hinter sieben, acht anderen Athleten." Und doch verfolge er vehement seinen vagen Traum.

Kienle spürt "Zahn der Zeit"

"Realistischerweise kann ich mir jedes Ziel setzen - außer zu gewinnen. Deshalb gehe ich mit einer Prise Unrealismus rein", sagte er mit breitem Grinsen: "Ich starte, um das Rennen zu gewinnen. Auch wenn mir klar ist, dass das sehr schwer wird." Für Kienle wäre es eine späte Krönung seiner Laufbahn, für das Jahr 2023 hatte er bereits im November sein Karriereende angekündigt.

"Es gibt im Profisport für jeden Athleten ein Verfallsdatum. Ich habe gemerkt, dass mein Verfallsdatum in Sachen Leistung bald erreicht ist", sagte der Badener: "Wenn man jeden Morgen aufsteht und erst mal Schmerzen hat, verliert man so ein bisschen den Glauben, dass man unzerstörbar ist. Und diesen Glauben braucht man ab einem gewissen Punkt. Den habe ich leider verloren."

Doch auch wenn er "den Zahn der Zeit" spüre, habe ihm sein Körper in der unmittelbaren WM-Vorbereitung "gar nicht so wenig" angeboten, frohlockte Kienle. Selbst der zehn Monate alte Sohnemann habe ihn kaum vom Training abgehalten. "Ich habe das Recht auf Schlaf, solange ich mit meinem Körper Geld verdienen kann", sagte er laut lachend.

Haug hofft auf Titelverteidigung

Angesichts der neuen WM-Strecke und der langen Pause empfinde er trotz aller Erfahrung "eine Mischung aus Nervosität, Vorfreude, eine kleine Prise Angst und auch Unsicherheit". Ähnlich geht es Haug, die nach coronabedingter Absage und Verlegung nach 938 Tagen endlich ihren Titel verteidigen darf - die Rolle der Gejagten macht ihr zu schaffen.

"Natürlich macht man sich Gedanken, dass alles andere als ein Sieg Versagen wäre oder sowas. Aber so darf man nicht rangehen. Jede WM und jedes Rennen startet von null", sagte die 39-Jährige dem "SID": "Alle anderen sind keine Osterhasen, sondern Profiathleten". Und am Ende müssen nicht immer nur die Deutschen gewinnen.

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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