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Derbysieg, Stille, Mindestlohn Die irritierendste Saison der DEL-Historie

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Ein Hauch von Normalität.

(Foto: imago images/Eibner)

Pappkameraden auf den Rängen, Stimmung vom Band: Mit dem ersten Geisterspiel ihrer Geschichte startet die Deutsche Eishockey Liga in die verkürzte Corona-Spielzeit - in der größten Arena Europas. 284 Tage nach dem Abbruch der Vorsaison gewinnt die Düsseldorfer EG das rheinische Derby.

Bei aller Freude über die DEL-Rückkehr nach neun Monaten Zwangspause: Etwas entscheidendes fehlt. Und so wirkten Spieler und Trainer nach dem Start in die notgedrungen etwas seltsame Saison der Deutschen Eishockey auch irritiert. Wie ein Derby fühlte sich das 4:5 (1:1, 1:1, 2:2) der Kölner Haie gegen die Düsseldorfer EG nach Penaltyschießen nämlich nicht an.

"Sehr, sehr gewöhnungsbedürftig", fand DEG-Trainer Harold Kreis die Umstände des Saisonstarts und des wahrscheinlich ungewöhnlichsten der bislang 228 rheinischen Derbys, die sonst so emotions- und energiegeladenen sind. "Da brauchen wir uns nicht drüber unterhalten: So ein Derby ohne Zuschauer ist halt komisch und anders mit wenig Emotionen", sagte Düsseldorfs Kapitän Alex Barta nach dem Auftaktsieg in der leeren Arena, die normalerweise 18.600 Zuschauern Platz bietet. Wahrscheinlich wird jede Partie der 38 statt normal 52 Hauptrunden-Spieltage dieser Pandemie-Saison ohne Zuschauer stattfinden.

"Froh dass wir überhaupt wieder spielen"

Lange hatten die 14 Klubs wegen ihrer enormen Abhängigkeit von den Ticket-Erlösen gezaudert, ob sie überhaupt in die Saison starten sollen. Nur rund 300.000 Euro erhält jeder Klub an TV-Geldern pro Saison. Die vergangene Saison war wegen der Corona-Krise im März vor den Playoffs abgebrochen und der Start in die neue Spielzeit zweimal verschoben worden. Nun spielt die Liga bis Mitte März fast täglich. Gehaltsverzicht der Spieler, Staatshilfen sowie Sponsoren- und Gönnermittel machten es möglich.

"Ich bin erstmal froh, dass wir hier nach neun Monaten wieder Eishockey spielen. Das ist das eigentlich Positive, was wir heute mitnehmen", sagte Kölns Kapitän Moritz Müller. "Letztendlich ist es schön, dass die Saison endlich gestartet ist", sagte auch Barta. Nur wird die 27. DEL-Saison eben nicht nur wegen des Verzichts auf Zuschauer und des ungewohnten Modus' mit verkürzter Hauptrunde, nahezu täglichen Spielen und der Unterteilung in Nord- und Südgruppe anders sein. "Man hört halt einfach viel mehr Gequatsche auf dem Eis", sagte Haie-Coach Uwe Krupp zur ungewohnten Akustik.

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Hinzu kommt das - zumindest am Anfang noch - überschaubare sportliche Niveau. "Man hat noch einiges gesehen, was wir besser machen können", sagte Kölns Müller. "Man hat auch gesehen, dass die Kraft irgendwann nicht mehr gereicht hat. Die Vorbereitung war natürlich anders." Die Teams sind auch personell nicht so aufgestellt wie in einer normalen Saison.

Wegen des Sparzwangs sind bei den meisten Klubs üppige, qualitativ stark besetzte Kader nicht drin. So hatte beispielsweise die Haie-Mannschaft zuletzt der Verpflichtung von Mike Zalewski zustimmen müssen. Der US-Stürmer spielt nun für den Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde. Bei den Kölnern standen auch der 16 Jahre alte Leo Hafenrichter und der 17-jährige Kevin Niedenz notgedrungen auf dem Eis. Zur Freude von Haie- und Nationalmannschafts-Kapitän Müller. "Schade, dass das erst Corona veranlasst", sagte Müller. "Die bringen frischen Nachwuchs-Wind in die Liga. Das ist genau das, was wir machen müssen, die Jungs heranführen an das Level. Damit haben wir den Kreis der potenziellen Nationalspieler wieder erhöht."

Quelle: ntv.de, tno/dpa

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