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"Überwältigende Beweise" Dieser Doping-Freispruch erzürnt die WADA

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Alex Schwazer ist zufrieden mit dem Urteil.

(Foto: imago/Xinhua)

Er ist Olympiasieger im Gehen, er ist aber auch zweifacher Doping-Betrüger - bis jetzt: Ein italienisches Gericht spricht den Italiener Alex Schwazer des Dopings frei. Die positive Probe sei ihm untergeschoben worden, urteilt der Richter. Die Welt-Anti-Doping-Agentur reagiert entsetzt.

Gut fünf Jahre nach einem positiven Doping-Test hat das Landesgericht Bozen ein Strafverfahren wegen Sportbetrugs gegen Geher-Olympiasieger Alex Schwazer eingestellt, die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat darauf mit Bestürzung reagiert. "Die WADA ist entsetzt über die zahlreichen rücksichtslosen und unbegründeten Anschuldigungen des Richters gegen die Organisation und andere Parteien in diesem Fall", hieß es in einer Stellungnahme der Organisation. Die Kritik des Bozener Richters Walter Pelino an der Doping-Sperre wies die WADA zurück und behält sich rechtliche Schritte vor.

Das Landesgericht Bozen hatte die strafrechtliche Untersuchung gegen den Leichtathleten mit der Begründung eingestellt, es gebe deutliche Beweise, dass Schwazers Urinprobe manipuliert worden sei. "Ich bin sehr glücklich, dass nach langem Warten endlich der Tag kommt, an dem Gerechtigkeit geschehen ist", zitierte die Nachrichtenagentur ANSA Schwazer aus einem von seiner Managerin Giulia Mancini übermittelten Statement. "Dieser Richterspruch ist jedoch eine Entschädigung für all das, was ich in diesen Jahren erlitten habe."

Schwazer trainiert für Olympia

Der Geher-Olympiasieger über 50 Kilometer der Sommerspiele 2008 war am 1. Januar 2016 im Auftrag des Leichtathletik-Weltverbandes getestet worden. In seiner Urinprobe waren anabole Steroide festgestellt worden. Schwazer, der den Doping-Vorwurf immer zurückgewiesen hatte, wurde für acht Jahre gesperrt. Denn er galt als Wiederholungstäter, Schwazer war bereits 2012, kurz vor den Sommerspielen in London, positiv auf EPO getestet worden.

Richter Pelino sagte in einem Gerichtsdokument, der heute 36-Jährige habe die zweite Tat 2016 nicht begangen. Es sei mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Proben verändert wurden, um den Sportler zu diskreditieren. Zudem kritisierte Pelino die Arbeit der WADA und des Leichtathletik-Weltverbandes.

Im Verlauf der Verfahren habe die WADA "überwältigende Beweise" unabhängiger Experten vorgelegt, welche die Richter für deren Theorien aber abgelehnt hätten, hieß es von der WADA. Man stehe zu den Beweisen und weise die "diffamierende Kritik" aufs Schärfste zurück.

Mit dem Erfolg vor dem Zivilgericht im Rücken fühlt sich Schwazer bestärkt, weiter für die Spiele in Tokio in diesem Sommer zu trainieren: "Ich möchte meine Karriere so beenden, wie ich das will. Nicht, wie andere es wollen."

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid