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Flattermann erhält Flugerlaubnis "Domenator" Prevc darf jetzt abheben

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Domen Prevc hat von seinem Trainer die Flugerlaubnis erhalten.

(Foto: REUTERS)

Sie lassen ihn fliegen, den tollkühnen Slowenen. Domen Prevc, jüngster der drei Skisprung-Brüder, wird in Oberstdorf erstmals von einer ganz großen Schanze segeln. Die Sanitäter werden bei ihm aber besonders aufmerksam sein.

Runter, so weiß der Volksmund, kommen sie immer. Das gilt für Skispringer im Allgemeinen wie für Domen Prevc im Speziellen. Doch ob Sloweniens tollkühner Teenager auch in einem Stück landet, wenn er am Wochenende in Oberstdorf erstmals von einer Flugschanze losgelassen wird, erscheint selbst Experten nicht gesichert. Den Verantwortlichen treiben die Prevc'schen Möglich- und Fähigkeiten Sorgenfalten auf die Stirn.

"Ich verstehe schon, dass sich die Trainer Sorgen um meine Gesundheit machen", sagt der 17-Jährige vor den beiden Wettbewerben auf der frisch umgebauten Heini-Klopfer-Schanze am Samstag (16 Uhr) und Sonntag (15 Uhr), "aber ich werde keine unnötigen Risiken eingehen."

Aber wie es nunmal mit Versprechungen von Minderjährigen so ist: Wirklich beruhigen können sie nicht - zumal Prevc 2.0 anders als sein großer Bruder Peter, den derzeit formschwachen Skiflug-Weltmeister, nur mit eigenbautem Angriffs-Modus ausgeliefert worden ist. Halbgas? Nicht mit Domen! Am Freitag segelte er bereits in der Probe auf 221,0 Meter und ließ die Qualifikation aus - die Jury atmete leicht durch.

Angst vor schweren Unfällen

"Wir haben Angst um ihn, weil er keine Angst hat", sagt FIS-Renndirektor Walter Hofer. Der Österreicher hat Generationen von Skispringern von der Schanze gelassen, diese oberkrainische Mixtur aus Dreikäsehoch und Teufelskerl ist aber auch für ihn neu. Der jüngste Prevc-Bruder springt mit unfassbarer Chuzpe in eine nicht fassbare Vorlage. So entsteht ein Traumflug - oder eine höchst wackelige Angelegenheit.

Weil Goran Janus um diese Fragilität weiß, hatte Sloweniens Chefcoach seinem Eleven bislang Welpenschutz verordnet, was die ganz großen Schanzen anbetraf. Nun aber das Umdenken. Prevc darf alles, soll alles probieren - obwohl er derzeit in der ersten schwierigeren Phase seiner Karriere steckt.

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Der Kopf hängt bei Domen Prevc fast unter dem Ski - so stürzt er sich die Schanzen hinab.

(Foto: imago/Eibner)

Prevc ist die Selbstverständlichkeit abhandengekommen, mit der er in den ersten Winterwochen die Weltcup-Welt aus den Angeln gehoben hatte. Damals erlaubte sich der viermalige Saisonsieger bei aller Unbekümmertheit keine Fehler, kam dann als Favorit zur Vierschanzentournee - und fing beim Auftakt in Oberstdorf an, Fehler zu machen. Seitdem ist der "Domenator" eine menschliche Lotterie. Zuletzt in Willingen zeigte sich, auf welchem schmalen Grad Prevc wandelt. Seine Sprünge von der Mühlenkopfschanze, der größten Sprungschanze der Welt, waren ein Abenteuer, das Phänomen wurde zum Flattermann, Domen wackelte in der Luft wie ein Lämmerschwanz. Nun also wieder Oberstdorf, nach der größten Sprungschanze die zweitkleinste Flugschanze. Eine überschaubare Steigerung? "Skifliegen ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer", sagte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster.

Die Extrem-Variante des Schanzensports ist nicht ungefährlich, dies liegt in der Natur der Sache: Höhere Geschwindigkeit, längere Luftzeit, dadurch größere Windanfälligkeit. Schwere Unfälle waren in den vergangenen Jahren dennoch selten. Der Österreicher Lukas Müller stürzte im Vorjahr im Rahmen der Flug-WM am Kulm fürchterlich, kämpft sich nach Lähmungen langsam wieder ins Leben zurück.

Sein Crash war allerdings nicht dem Fliegen geschuldet, hätte genau so auch von einer Sprungschanze passieren können. Ob es eine erneute Diskussion um die Sicherheit des Skifliegens geben wird, hängt nun auch von Domen Prevc ab. Das Beste für ihn und den Sport wäre: Runterkommen, und zwar in einem Stück.

Quelle: n-tv.de, Christoph Leuchtenberg, sid

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