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Nach Ablauf von Wada-Ultimatum Dopingjäger fordern Bestrafung Russlands

Es ist keine große Überraschung: Russland lässt das Ultimatum der Welt-Anti-Doping-Agentur verstreichen. Dass die Wada daraus keine Konsequenzen zieht, entsetzt Anti-Doping-Kämpfer rund um die Welt: "Die Situation ist ein totaler Witz und peinlich für die Wada", heißt es.

Das Ultimatum ist abgelaufen, die Dopingjäger zürnen - und Russland muss erneut Sanktionen fürchten. Die Aufarbeitung des aufsehenerregenden russischen Dopingskandals ist um ein groteskes Kapitel reicher, der Druck auf die ohnehin in die Kritik geratene Welt-Anti-Doping-Agentur Wada steigt weiter.

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Russland lasse Wada-Chef Craig Reedie "wieder mal wie einen Trottel aussehen", urteilt der Guardian.

(Foto: picture alliance / Jean-Christop)

"Aus unserer Sicht hat der russische Sport die Forderungen der Wada nicht erfüllt", teilte die deutsche Anti-Doping-Agentur Nada mit. Sie gehe davon aus, dass die Wada nun "konsequent" handele und die russische Anti-Doping-Agentur Rusada als nicht Wada-Code-konform erkläre: "Zum Schutz der sauberen Athletinnen und Athleten weltweit und für einen dopingfreien Sport ist diese klare Positionierung der Wada unerlässlich."

Denn der Plan der Wada und deren Präsident Craig Reedie ist gescheitert. Die Wada hatte bis zum 31. Dezember 2018 Zugang zum Moskauer Kontrolllabor und dessen sogenanntem Laboratory Information Management Systems (LIMS) gefordert. Dies war eine Auflage für die im September erfolgte Aufhebung der Rusada-Suspendierung.

Geschehen ist bisher: nichts. Die Frist verstrich, ohne dass das eingesetzte Expertenteam der Wada die Datensammlung bekam. Der offizielle Grund: Das technische Equipment der Wada-Ermittler sei nicht nach russischem Recht zertifiziert. Das Team reiste kurz vor Weihnachten mit leeren Händen aus Russland zurück.

"Bin bitter enttäuscht"

"Die jetzige Entwicklung ist naturgemäß Wasser auf die Mühlen der Kritiker der Wada. Wenn diese jetzt nicht konsequent handelt, ist ein weiterer Vertrauensverlust unvermeidbar", sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Ich bin bitter enttäuscht, dass die Datenübergabe nicht innerhalb der Frist erfolgt ist. Die Wada hat unablässig mit den russischen Behörden daran gearbeitet, dass die Frist eingehalten wird, was im Interesse eines sauberen Sports gewesen wäre", sagte Reedie selbst.

Er sieht sich seit Längerem Kritik ausgesetzt. Die umstrittene Wiederaufnahme hatte der Schotte immer wieder verteidigt und den 31. Dezember als "harte" Frist bezeichnet. Direkte Folgen hat das Verstreichen des Ultimatums für Russland aber erst einmal nicht. Erst am 14. und 15. Januar soll das zuständige Gremium über mögliche Folgen beraten.

In einem gemeinsamen Statement betonten insgesamt 16 nationale Anti-Doping-Agenturen, darunter auch die deutsche Nada, die Wada solle "ohne Verzögerung" eine Entscheidung treffen. "Die Wichtigkeit der Situation rechtfertigt nicht, Russland zwei weitere Wochen Zeit zu geben", hieß es darin: "Russland hat die Auflagen nicht erfüllt. Nach mehr als drei Jahren Überprüfung, Unentschlossenheit und Kompromissen als Antwort auf den größten Dopingskandal der Geschichte ist es nun Zeit, zu zeigen, dass weder ein Individuum noch eine Nation vom Welt-Anti-Doping-Code ausgenommen ist."

"Peinlich für die Wada"

International hagelt es ohnehin Kritik. "Die Situation ist ein totaler Witz und peinlich für die Wada und das globale Anti-Doping-System", teilte US-Antidoping-Chef Travis Tygart, der einst Lance Armstrong überführte, mit: "Niemand ist überrascht, dass die Frist ignoriert wurde, und es ist Zeit für die Wada, sich nicht mehr zum Spielball der Russen machen zu lassen, sondern sie sofort für 'nicht regelkonform' zu erklären." Die englische Tageszeitung The Guardian titelte: "Russland lässt Craig Reedie wieder mal wie einen Trottel aussehen".

Der LIMS-Datensatz ist bei der Aufklärung des russischen Dopingskandals von grundlegender Bedeutung. Darin enthalten sind alle Doping-Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015, in diesem Zeitraum sollen systematisch positive Tests vertuscht worden sein. Ende 2017 hatte die Wada offenbar durch einen Whistleblower eine Kopie des LIMS erhalten. Wenig später berichtete die ARD, eine erste Auswertung habe 9000 auffällige Proben, die geschätzt 4500 Sportler betrafen, ans Tageslicht befördert. Mit den Originaldaten sollen individuelle Verfahren gegen russische Athleten möglich sein.

Quelle: n-tv.de, Dominik Kortus, sid

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