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Jansrud gewinnt Streif-Super-G Dreßen fährt sich "Scheißdreck" zusammen

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Mit seiner Leistung im Super G war Thomas Dreßen überhaupt nicht zufrieden.

(Foto: dpa)

Der Super G in Kitzbühel endet für die deutschen Ski-Asse mit einer gewaltigen Enttäuschung. Einzig Andreas Sander besorgt sich mit einem Top-Ten-Ergebnis viel Selbstvertrauen für die legendäre Abfahrt am Samstag. Den Sieg feiert ein eigentlich formschwacher Norweger.

Thomas Dreßen war komplett bedient. Doch der Kitzbühel-Sieger schimpfte nach seiner völlig verpatzten Renn-Rückkehr auf die Streif nicht auf das Material oder die berühmt-berüchtigte Piste, sondern nur auf sich selbst. "Einen Scheißdreck" sei er beim Super-G in Österreichs Ski-Mekka zusammengefahren, "einfach in der Weltgeschichte umeinander" und eben nicht auf der Ideallinie. Platz 17 war vor der Abfahrt ein herber Dämpfer.

Den musste auch der schwer geschlagene Vorjahressieger Josef Ferstl mit Platz 36 hinnehmen. "Da waren wir jetzt mal nicht auf der Höhe der Zeit, das müssen wir ganz klar eingestehen", sagte DSV-Alpinchef Wolfgang Maier ernüchtert. Einzig der gute achte Rang von Andreas Sander, den bei seiner besten Saisonleistung 0,99 Sekunden von Triumphator Kjetil Jansrud trennten, hellte seine Stimmung auf: "Der Andi ist ein wirklich gutes Rennen gefahren."

Ganz schön viel Murks

Dreßen (+1,51 Sekunden) schüttelte nach seiner verkorksten Fahrt enttäuscht den Kopf. Schon beim Seidlalmsprung, wo es mehrere spektakuläre Stürze gab, sei er zu weit gesprungen, danach sei es "eine Kettenreaktion" gewesen. Bei der Anfahrt auf die Mutprobe Hausbergkante habe er sogar "schauen müssen, dass ich nicht in das Red-Bull-Transparent reinrausche". Nur das Schlussstück habe "gepasst".

Was das für das Saisonhighlight am Samstag bedeutet? "Heute ist Super-G gewesen, morgen ist Abfahrt", sagte Dreßen trotzig, "ich weiß auf alle Fälle, dass ich da schnell bin." In der Tat: 2018 hatte er auf der Streif sensationell triumphiert, nach seiner unfreiwilligen Pause 2019 wegen eines "Totalschadens" im Knie gehört der 26-Jährige diesmal wieder zu den Favoriten. "Wenn du hier schon mal gewonnen hast, weißt du, was zu tun ist", meinte Dreßen. Maier ergänzte, der schwache Super-G sei "kein Beinbruch - die Abfahrt ist seine Disziplin".

"Ich habe gewusst: Scheiße, das war's"

Während Dreßen schnell neuen Mut fasste, haderte Sander noch. "Eigentlich", sagte der 30-Jährige, müsse er "sehr, sehr happy sein", doch seine Miene verriet eine andere Gefühlslage. "Ein bisschen Ärger ist da, weil mehr drin gewesen wäre", gestand Sander, doch vor dem Lärchenschuss habe er "die Kampflinie rausgenommen - mehr, als ich wollte". Danach habe der Speed für mehr gefehlt. Aber, sagte Sander, die Platzierung sei "sehr, sehr gut".

Ganz anders Ferstl, der mit Startnummer 1 laut Maier "Kanonenfutter" war. Dass der Athlet, der das Rennen in Kitzbühel eröffnet, wie Ferstl im Vorjahr gewinnt, "passiert bei 1000 Starts einmal", sagte der Alpinchef. Zu der ungünstigen Ausgangslage kam ein "Ausritt" bei der Einfahrt zur Traverse. "Ich habe gewusst: Scheiße, das war's", sagte Ferstl (31) über seinen Patzer, der symptomatisch war für seine enttäuschende Saison. Die erlebte bislang auch Jansrud. Nur eine Podestfahrt war dem Norweger zuvor in diesem Winter gelungen - viel zu wenig für die hohen Ansprüche des Sotschi-Olympiasiegers. Doch als sich die zeitgleichen Matthias Mayer aus Österreich und Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen schon feiern ließen, stieß sie der 34-Jährige noch vom Kitz-Thron.

Sein erster Dank galt dem knapp geschlagenen Landsmann. "Aleks hat mir einen perfekten Rapport hochgefunkt", berichtete er, "es ist wunderbar, solche Teamkollegen zu haben." Jansrud gehört nun dem illustren Kreis derer an, die am Hahnenkamm Abfahrt und Super-G gewannen. Dreßen kann dieses Kunststück als neuntem Fahrer gelingen - aber erst 2021.

Quelle: ntv.de, tno/dpa