Handball-Angstgegner entzaubertEM-Favorit prallt an 16 deutschen Riesen und einem Titanen ab

Vier Tage vor dem EM-Auftakt gegen Österreich testen Deutschlands Handballer gegen ihren Angstgegner. Nach einer medaillenreifen ersten Halbzeit agieren vor allem Andreas Wolff und die Abwehr in Topform.
Deutschlands Handballer starten mit großer Zuversicht in ihre EM-Mission in Dänemark – nicht zuletzt wegen ihres Prunkstücks Abwehr. "Das ist unsere Stärke – dass wir nicht nur einen oder zwei Spieler haben, die überragend decken, sondern 15, 16 Spieler, die teilweise sogar in der Mitte decken und sich in der Abwehr den Allerwertesten aufreißen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen", sagte Torhüter Andreas Wolff nach der furiosen Generalprobe gegen Vizeweltmeister Kroatien (33:27) in Hannover.
Wie schon beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Mitfavoriten (32:29) war am Sonntag die Deckung vor dem glänzenden Torhüter Wolff, der wie sein Positionskollege David Späth drei Tage zuvor in Zagreb glänzte, der Schlüssel zum Erfolg. Für Bundestrainer Alfred Gislason ist das vor dem EM-Start am Donnerstag (20.30 Uhr/ARD und im Liveticker bei ntv.de) gegen Österreich kein Zufall.
Mehr Breite, mehr Pausen
In der Abwehr habe man im Vergleich zum Vorjahr "deutlich mehr Breite", sagte der 66-Jährige in der ARD. So habe man bei der WM 2025, wo im Viertelfinale gegen Portugal das frühe Aus kam, im Innenblock "kaum" auf Kapitän Johannes Golla oder Julian Köster verzichten können. "Einer von beiden musste immer auf dem Feld stehen. Heute sieht das anders aus. Wir können ihnen mehr Pausen geben", sagte Gislason.
Mit Tom Kiesler vom VfL Gummersbach oder dem Berliner Matthes Langhoff bieten sich zwei Turnier-Debütanten als Alternativen an. Und dann gibt es ja auch noch gestandene Spieler wie den Hannoveraner Justus Fischer oder Jannik Kohlbacher von den Rhein-Neckar Löwen. "Wir haben da wirklich ein Bollwerk stehen", sagte Kohlbacher. Und Gislason war "extrem zufrieden, wie die Neuen reingekommen sind – mit welcher Leidenschaft und Aggressivität. Die machen den Eindruck, als wären sie schon jahrelang dabei."
Ein Profiteur von dem vielseitigen Defensivspiel ist Golla, der nun mehr Pausen auf der Bank zum Durchschaufen bekommt. "Das spricht für uns als Mannschaft - für den deutschen Handball. Es macht auch Spaß, die Jungs von außen zu sehen. Es freut mich, dass es so gut läuft", sagte der Flensburger: "Die Abwehr in Verbindung mit den Torhütern sieht richtig gut aus. Das war unser Ziel in den wenigen Tagen, die wir hatten - das zu stabilisieren. Das haben wir geschafft und freuen uns jetzt auf das Turnier."