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Von Brady persönlich rekrutiert Ein Ex-Rentner dominiert im Super Bowl

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Gronkowski und Brady.

(Foto: USA TODAY Sports)

2019 der Rücktritt, 2020 der Rücktritt vom Rücktritt, 2021 Super-Bowl-Champion: Rob Gronkowski hat eine bemerkenswerte Zeit hinter sich. Für den Football-Superstar ist der Titelgewinn mit den Tampa Bay Buccaneers mehr als nur ein sportlicher Erfolg.

An einen erholsamen Lebensabend im Rentnerparadies Florida verschwendete Rob Gronkowski nicht eine Sekunde. Der Tight End war einerseits viel zu sehr damit beschäftigt, den beeindruckenden 31:9-Triumph seiner Tampa Bay Buccaneers im 55. Super Bowl zu feiern. Und andererseits war dieser Erfolg der Abschluss einer Reise, an deren Anfang das (zwischenzeitliche) Karriereende der Football spielenden Naturgewalt gestanden hatte.

Im März 2019 verkündete der damals 29-Jährige, fertig zu sein mit American Football. Zwar galt er auf seiner Position weiterhin als das Beste, was die NFL je gesehen hatte. Aber nach zahlreichen Operationen, nach Verletzungen an Rücken, Knie, Knöchel und Arm, nach Gehirnerschütterung und Lungenquetschung war der Spaß am Profisport verschwunden. "Football macht Spaß, wenn du dich gut fühlst", sagte Gronkowski damals, "aber er ist schrecklich, wenn du das nicht tust."

Nicht nur wegen seines vierten Super-Bowl-Sieges ist der Spaß an der Arbeit ganz offensichtlich zurückgekehrt bei dem 1,98 Meter großen Gronkowski, den alle nur "Gronk" nennen. Als "beste Entscheidung, die ich je getroffen habe" beschrieb er seine 13 Monate lange Auszeit, die er mit der Vertragsunterzeichnung in Tampa Bay im April 2020 beendet hatte. Und das "nicht nur, was meine Karriere angeht, sondern auch für meine Gesundheit und mein Wohlbefinden".

Das anstrengendste Kind

Gronk könnte nun als vierfacher Meister abtreten, diesmal sogar endgültig, das Leben nach dem Football genießen. Er könnte sich ein Zuhause im warmen Florida suchen, wie es seine Mutter getan hat, die er nach seinem Wechsel zu den Buccaneers so oft besuchte wie selten in den Jahren zuvor. "Es ist großartig, so viel Zeit zu zweit mit ihm verbringen", erzählte Diane Walters im Gespräch mit ESPN, die ihn als anstrengendstes ihrer fünf Kinder sieht: "Selbst wenn ich die anderen vier zusammennehme, war er immer noch der Schlimmste."

Gar nicht, weil er so viel Mist gemacht hätte. Viel mehr, weil er einfach nie müde zu werden schien. So wirkt der 120 Kilogramm schwere Passempfänger auch dem Footballfeld: Wie jemand, dessen Energie bisweilen unbegrenzt erscheint. Dass er wie der ewig junge Tom Brady noch mindestens eine Saison bei den Buccaneers dranhängt, scheint beschlossene Sache. Schon allein, um der besonderen Geschichte mit dem 43 Jahre alten Quarterback ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.

Mit zwei Pässen auf Gronkowski machte Brady aus dem 0:3-Rückstand eine 14:3-Führung gegen die Kansas City Chiefs, die Vorentscheidung. Zum 13. und 14. Mal hieß es damit in den NFL-Playoffs: Tom Brady passt, Rob Gronkowski fängt, Touchdown, keine Kombination gab es in den K.-o.-Spielen der National Football League öfter. Nach drei gemeinsamen Meisterschaften bei den New England Patriots nun also der erste Titel mit den zuvor chronisch erfolglosen Tampa Bay Buccaneers. Beim ersten Touchdown lief Gronkowski nach kurzem Pass ungehindert und unberührt in die Endzone, beim zweiten entwischte er seinem leichteren und deshalb vermeintlich agileren Gegenspieler mit einer Körpertäuschung, die man einem fast zwei Meter großen und 120 Kilogramm schweren Mann kaum zutraut.

Körper und Kopf spielen wieder mit

Brady persönlich hatte Gronkowski von der Rückkehr überzeugt und mit dem Erfolg über den Titelverteidiger aus Kansas City gelang den beiden, was zu Saisonbeginn kaum jemand für wahrscheinlich gehalten hatte: aus der einstigen Lachnummer einen Champion zu machen. Auch Leonard Fournette und Antonio Brown, die für die anderen beiden Tampa-Touchdowns verantwortlich zeichneten, kamen im Saisonverlauf auf persönliche Einladung von Brady ins Team. Der Super Bowl war zugleich auch Sinnbild für die Anziehungskraft, die der 43-Jährige, der den rechtsextremen ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump einen "guten Freund" nennt, auch im hohen Sportleralter besitzt.

"Gronk ist unglaublich", huldigte der fast asketisch lebende Brady seinem Teamkollegen, von dem es fast so viele legendäre Partyvideos wie Touchdown-Catches gibt und der einst über sich selbst sagte, dass Feiern ihn zu einem Footballprofi mache, weil "du rausgehst und erfrischt wiederkommst und dann Bock hast, alles zu geben".

Diese Motivation hatte Gronkowski zwischenzeitlich verloren, das gab er ganz offen zu. Das war untypisch für den Ausnahmesportler, der neben seinen Leistungen - die Associated Press bezeichnete ihn als "Goldstandard" auf seiner Position - für seine extrovertierte und mitreißende Fröhlichkeit bekannt war und bewundert wurde. ESPN schrieb sogar, dass "es sich so anfühlt, als sei der Tight End erfunden worden für seine außergewöhnliche Begabung, die einzigartige Verbindung aus Kraft und Grazie".

Gronkowski zeigt diese Fähigkeiten nun nicht nur wieder auf der größtmöglichen Bühne des Super Bowl. Er absolvierte auch erstmals seit 2011 wieder alle 16 Partien der regulären Saison und stellte mit 20 Einsätzen inklusive der Playoffs eine neue Karrierebestleistung auf. Weil der Körper dank eines Jahres abseits der Quälerei, die so eine NFL-Saison erfordert, wieder mitspielt, weil der Kopf wieder bereit ist. "Ich bleibe auf jeden Fall bei 'nicht zurückgetreten'", erklärte der 31-Jährige bei ESPN: "Ich wüsste nicht, warum ich nicht zurückkommen sollte." Vielleicht ist die Rückkehr dieser Gewissheit sogar der noch größere Erfolg.

Quelle: ntv.de

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