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Pechvogel Schmid stürzt Ein Häufchen Elend statt Medaillenheld

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Alexander Schmid stürzte bei besten Medaillenaussichten im Riesenslalom.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Es wäre die zweite Riesenslalom-Medaille jemals gewesen für die deutschen Skirennläufer, die erste seit 36 Jahren: aber auf dem Weg zum Podest kommt Alexander Schmid gehörig vom Kurs ab. Ein "sehr bitterer" Sturz stoppt ihn kurz vor Schluss, jetzt braucht er "Zeit zum Verdauen".

Alexander Schmid kauerte am Pistenrand, schockiert und wie ein Häufchen Elend. Eine Medaille vor Augen hatte der Allgäuer sein Herz in beide Hände genommen, doch auf dem Weg zu einer weiteren Sensation kam der Pechvogel der deutschen Mannschaft vom Kurs ab. "Sehr bitter", sagte Schmid, als er im Zielgelände angekommen war mit traurigem Blick: "Das braucht eine Zeit zum Verdauen." Zuvor hatte er als Vierter im Parallelrennen schon einmal eine Medaille verpasst. Als Trost bleibt ihm immerhin Bronze mit der Mannschaft.

Als Dritter des ersten Laufs war Schmid in das Finale gestartet, prima eingestellt und noch mal angefeuert von seinem Trainer Hannes Wallner mit den rustikalen Worten: "Eier in die Hand nehmen - und gemma!" Bei der ersten Zwischenzeit lag er noch auf Kurs, doch nur wenige Augenblicke später verschnitt es ihm den linken Ski, der Schnee staubte - und das nächste Tor war nicht mehr zu erreichen. "Du musst volles Hemd riskieren", sagte der am Ende siebtplatzierte Stefan Luitz und zeigte sein Mitgefühl für Schmid: "Mir tut der Alex unglaublich leid, er hat es drauf gehabt."

Als kurz darauf auch der große Favorit und mit einem beruhigenden Vorsprung in Führung liegende Alexis Pinturault am Pistenrand zum Stehen kam, war das Rennen endgültig auf den Kopf gestellt: Pinturaults französischer Landsmann Mathieu Faivre stützte sich nach seiner zweiten Goldmedaille nach jener im Parallelrennen fassungslos auf die Knie, dann fiel er dem nicht minder glücklichen Luca de Aliprandini (Italien/+0,63 Sekunden) um den Hals. Auch Kombinations-Weltmeister Marco Schwarz (+0,87) konnte kaum fassen, dass er Bronze gewonnen hatte.

"Ein paar Tage Ruhe"

Niemand wollte Schmid danach vorwerfen, dass er vielleicht zu viel riskiert hatte - auch er sich selbst nicht. "Es ist Weltmeisterschaft", sagte er, "es zählen bloß die Medaillen. Man muss was riskieren, damit man etwas gewinnt. Entweder es geht auf - oder nicht." Wäre es aufgegangen, Schmid hätte wahrhaft historisches vollbracht: Nur Markus Wasmeier hat bislang bei Weltmeisterschaften eine Medaille im Riesenslalom der Männer für Deutschland gewonnen - vor mittlerweile 36 Jahren siegte der Doppel-Olympiasieger von 1994 mit einem wilden Ritt in Bormio.

Schmid sehnte sich nach dem bitteren Ende seiner WM erst einmal nach "ein paar Tagen Ruhe" daheim im Allgäu, er reist dorthin mit gemischten Gefühlen. "Natürlich", sagte er, "nehme ich eine Medaille mit heim", darüber sei er auch "super happy". Bronze mit dem Team sei eine "kleine Genugtuung" gewesen nach dem vierten Platz im Parallelrennen - und "eine Medaille ist eine Medaille". Aber der 26-Jährige räumte ein: Eine Einzel-Medaille sei "mehr wert". Doch er tröstete sich: "Nächstes Mal sieht es schon wieder anders aus."

Das gilt auch für die deutsche Mannschaft. Nach dreimal Silber durch Romed Baumann im Super-G, Kira Weidle und Andreas Sander in den Abfahrtsrennen sowie eben Bronze im Team Event bleibt noch eine realistische Chance, wie zuletzt bei der WM 1978 in Garmisch-Partenkirchen auf fünf Medaillen zu kommen: am Sonntag durch Linus Straßer im Slalom.

Quelle: ntv.de, dbe/sid