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Groteskes Hygienekonzept der BBL Ein völlig sinnloses Spiel!

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Basketball ist schon schön, aber nicht um jeden Preis.

(Foto: imago images/isslerimages)

Basketball-Deutschland schlägt sich fast kollektiv mit der Hand auf die Stirn. Die BBL hat ihr Sicherheitskonzept für das geplante Finalturnier veröffentlicht - und damit bewiesen, dass ein Abbruch der Saison die einzig richtige Entscheidung gewesen wäre.

Ja, die Basketballvereine kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Die Corona-Krise geht auch an den Korbjägern nicht spurlos vorüber. Es geht um Existenzen. Um Geld. Und ein Stück weit auch um Schadensbegrenzung. Zumindest auf finanzieller Ebene. Wie groß der Imageschaden jedoch sein wird, wenn die Basketball-Bundesliga (BBL) ihr Finalturnier mit zehn Teams im Münchener Audi-Dome durchzieht, ist derweil noch nicht auszumachen.

Fakt ist: Das von der Basketball-Bundesliga präsentierte Hygienekonzept wirkt dermaßen mit der heißen Nadel gestrickt, dass es schwerfällt, ihm mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu begegnen. Während die Regeln vor dem Turnier relativ plausibel erscheinen, sind die Vorschriften während des Turniers mitunter hanebüchen.

Bevor es losgeht, sollen sich die Spieler "unter strengen Auflagen" in häusliche Quarantäne begeben. So weit, so nachvollziehbar. Zwei Corona-Tests sind wöchentlich vorgesehen. An dieser Stelle wirkt das Konzept noch schlüssig. Aberwitzig wird es aber ab dem Punkt, wenn das Turnier tatsächlich genehmigt wird. So sollen die Teams in einem Hotel quasi hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt werden. Kontakte zu Freunden und Familie sind strikt untersagt - und die Spieler werden ausnahmslos in Einzelzimmern untergebracht. Drei Wochen Einzelhaft für einen sportlichen Wettbewerb, der keinen Wert hat.

Ja, bei Welt- und Europameisterschaften sind viele Athleten auch wochenlang von ihren Familien getrennt. Zumindest räumlich. Aber: Quarantäne ist absolut! Bei einem großen Turnier besteht trotzdem die Möglichkeit, seine Familie vor Ort zu haben - wenn auch nicht im gleichen Hotel.

Und was ist mit Türklinken?

Das groteske BBL-Konzept schreibt zudem vor, dass Fahrstuhlknöpfe nicht berührt werden dürfen. An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein: Aber Treppengeländer und Türklinken, deren Hygiene auch vor Corona schon mehr als einmal als Bakterienherd stigmatisiert worden sind, dürfen angefasst und benutzt werden? Mit Verlaub, aber das liest sich wie die Gebrauchsanweisung einer Mikrowelle, in der steht, dass Hamster während des Betriebs nicht in der Mikrowelle "spielen" dürfen.

Und sollte während einer Partie der Ball einen bestimmten Sicherheitsbereich (zwei Meter) verlassen, muss er vor Wiederaufnahme der Partie desinfiziert werden. Streng genommen müsste der Ball also eigentlich vor jeder Übergabe eines Schiedsrichters, vor jedem Pass desinfiziert werden. Denn, das gehört zum Sport dazu, die Spieler schwitzen. Die Unparteiischen auch. Und der Schweiß wird sich am Ball wiederfinden. Wo Sportler schwitzen, kann kein steriles Umfeld entstehen.

Ein vogelwildes Kaderspiel

Es gibt wenige Fans, die uneingeschränkt hinter der Saison-Fortsetzung stehen. "Ja, wir lieben diesen Sport. Aber bitte, seid doch einfach vernünftig." So lässt sich der innere Zwiespalt mit einfachen Worten wohl am treffendsten beschreiben. Schon Anfang April, als die Gerüchte über die alternative Fortführung der Saison konkreter wurden, bemerkte Michael Koch, neuer Manager der Gießen 46ers, dass er die Möglichkeit der Wettbewerbsverzerrung sieht.

Viele Teams haben ihre Leistungsträger mit Beginn der Pandemie zu ihren Familien in die Heimat gelassen. Verträge wurden aufgelöst - und vor dem ungewissen Hintergrund, ob die Spielzeit beendet werden würde, schrumpften einige Kader akut zusammen. Und genau diese Tatsache stellt die Vereinsverantwortlichen jetzt vor massive Probleme.

Der FC Bayern Basketball hat sein Team nach wie vor beisammen. Gleiches gilt für Oldenburg und Alba Berlin. Bei den übrigen sieben Teams hat das Werben um neue Arbeitskräfte längst begonnen. Ziel ist es, überhaupt ein wettbewerbsfähiges Team auf die Beine zu stellen. Zwei Nachverpflichtungen pro Team erlaubt die BBL. Immerhin. Dennoch werden einige Mannschaften nur noch rudimentäre Ähnlichkeit mit dem ursprünglich zusammengestellten Team haben.

"Da nicht alle Spieler, die in dieser Saison bei uns im Kader standen, für das Turnier in München zur Verfügung stehen werden, haben wir nach Möglichkeiten gesucht, dies zu kompensieren. Dabei lag der Fokus auf Akteuren, die ich bereits kenne und die schon für mich gespielt haben", sagt Johan Roijakkers, Coach der BG Göttingen, über die Verpflichtung zweier Niederländer. Bemerkenswert dabei: Göttingen hat mit Jito Kok beispielsweise einen Center verpflichtet, der in der Saison 2016/17 lediglich als Trainingsspieler gelistet wurde. Ein deutliches Indiz dafür, wie groß die Personalsorgen mancherorts aktuell sind.

Die einzige Hoffnung bei diesem irrsinnigen Szenario rund um die Basketball-Bundesliga ist, dass die Münchener Behörden dem Turnier ihre Zustimmung verweigern. Am Ende auch, um den Basketball vor sich selbst zu schützen - und den Schaden für alle so gering wie möglich zu halten.

Quelle: ntv.de