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Durant-Verletzung löst Beben aus Eine Achillessehne verändert die ganze NBA

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Eine Verletzung, die die NBA verändert: Kevin Durant reißt sich seine Achillessehne und bringt damit nicht nur seine Golden State Warriors in Schwierigkeiten.

(Foto: dpa)

Es soll ein Märchen-Comeback werden: Kevin Durant will die Golden State Warriors beim Stand von 1:3 im NBA-Finale noch zum Titel werfen. Doch mit einem falschen Schritt reißt sich der Megastar die Achillessehne. Eine Verletzung, die nicht nur die Finalserie umwälzt, sondern die ganze NBA.

Swish. Swish. Swish. Es geht fast zu gut los für Kevin Durant und seine Golden State Warriors in Spiel fünf der NBA-Finals. Der Basketball-Superstar hat einen Monat wegen einer Wadenverletzung nicht gespielt, steht erstmals wieder auf dem Parkett und trifft gleich seine ersten drei Dreipunkte-Würfe. Die Warriors spielen beim Stand von 1:3 in der Best-of-Seven-Serie gegen die Toronto Raptors mit dem Rücken zur Wand, eine Niederlage in Kanada und der Traum von Titel-Three-peat (drei Titel in Folge) ist ausgeträumt. Durant springt in der Bresche, wie nur er es kann: Elf Punkte in seinen ersten zwölf Minuten Spielzeit. Beim Aufwärmen streut er noch extra ein Dunking ein, um der ganzen Welt - wohl aber auch sich selbst - zu zeigen, dass die Wade wieder funktioniert.

Die Welt sieht auch: Golden State ist anderes Team mit Kevin Durant auf dem Court. Ein besseres. In drei der jüngsten vier Spiele gegen die aggressiven Raptors hatten die Warriors trotz Superstar Stephen Curry kaum eine Chance, jetzt führen sie schnell zweistellig. Durant ist aufgrund seiner Größe, Spannweite und seinen fast grenzenlosen Fähigkeiten einfach nicht zu verteidigen. Vor seiner Verletzung legt er einen noch nie dagewesenen Playoff-Lauf hin: 35,4 Punkte pro Spiel, 52 Prozent getroffene Würfe, 43 Prozent von der Dreierlinie und über 90 Prozent von der Freiwurflinie. Er wird als bester Spieler der Welt gefeiert. Dann eine Körpertäuschung in diesem Spiel fünf gegen die Raptors, ein einfaches Dribbling gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Serge Ibaka. Durant geht schmerzverzerrt zu Boden. Diagnose: Achillessehnenriss.

Wer hat Schuld an Durants Verletzung?

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Kurz feiern die Zuschauer, wissen sie doch, dass ihre Chance auf den NBA-Titel ohne Durant als Gegner meilenweit größer ist. Die Spieler der Toronto Raptors realisieren aber sofort, was hier passiert ist: Sie gestikulieren dem Publikum, nicht zu jubeln. Dann merken auch die Zuschauer: Die Verletzung ist eine äußerst schlimme. Als Durant in die Katakomben humpelt, bekommt er stehende Ovationen, die komplette Arena ruft seinen Spitznamen: "KD, KD, KD". Verletzungen ohne Fremdeinwirkung sind immer die Schlimmsten, das weiß jeder Sportler. Der Top-Scorer wird bis zu einem Jahr ausfallen. Ob er jemals in dieser Welt-Form zurückkommt? Die Statistik dürfte ihn nicht positiv stimmen, besonders weil Durant im September 31 Jahre alt wird. Schon einige NBA-Stars haben einen Achillessehnenriss erlitten, fast keiner kehrte in der alten Verfassung zurück. ESPN-Analyst Max Kellermann glaubt: "KD hat den Rest seiner Blütezeit und seine Karriere aufs Spiel gesetzt, er wird vielleicht nie wieder so gut sein wie zuvor."

Hätte Durant überhaupt spielen dürfen? In den USA wird die Frage diskutiert, wer die Schuld an der Verletzung trägt. Gleich nach dem Sieg über Toronto stellt sich Bob Myers, der General Manager der Warriors, den Medien und kämpft mit den Tränen. "Wenn man jemanden beschuldigen muss, dann bin ich das", sagt er. Ex-Superstar und ESPN-Experte Jalen Rose hatte schon vor dem Spiel gewarnt, dass Durant im Training nicht gut auf ihn wirkte und lieber nicht spielen solle. Dabei hatten mehrere Ärzte, das komplette medizinische Team und die Trainer der Warriors den Superstar als spielfähig erklärt. Aber konnte man wirklich nicht ahnen, dass eine nicht komplett stabile Wade die Achillessehne in Gefahr bringen würde? Warriors-Coach Steve Kerr sagt, in einem solchen Fall hätte man Durant niemals spielen lassen. Einige beschuldigen die Medien, zu viel Druck ausgeübt zu haben. Der sagt via Instagram, er haben spielen wollen, weil "Basketball meine größte Liebe ist". Charles Barkley aber, Hall-of-Fame-Spieler und heutiger TNT-Experte, verurteilt Golden State: "So eine Entscheidung kann man niemals einem Spieler überlassen. Es ist unfair, einen Mann, der einen Monat nicht Basketball gespielt hat, in das Spiel fünf der Finals zu werfen. Die Warriors haben Schuld an KDs Verletzung."

Verletzung verändert die NBA

Die NBA-Finals schienen mit Kevin Durant noch einmal spannend zu werden. Ohne die elf Punkte des Superstars in Spiel fünf wären die Raptors wohl schon Meister. Seine Kollegen wollen nun Spiel sechs (in der Nacht zum Freitag ab 3 Uhr unserer Zeit) für ihren Superstar gewinnen, gerade weil es das letzte in ihrer Oracle Arena ist, bevor es nächstes Jahr in eine neugebaute Halle in San Francisco geht. Aber es darf bezweifelt werden, dass die Warriors wirklich zweimal hintereinander das starke Toronto besiegen können.

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Durants Achillessehne verändert aber nicht nur den Verlauf der Finals, sondern die komplette NBA. Der Superstar wollte Golden State im Sommer eigentlich verlassen und sich mit einem Maximumvertrag (der höchstmögliche Vertrag, den ein Spieler nach den NBA-Regeln unterschreiben kann) einem anderen Verein anschließen. Von dem größten "free-agent-domino" war die Rede und von einem Wechsel-Sommer, der die ganze NBA-Landschaft verändern würde. Nun wird Durant die kommende NBA-Saison wahrscheinlich komplett verpassen und trotzdem wollen die meisten interessierten Teams ihm den Max-Deal mit 164 Millionen US-Dollar für vier Jahre anbieten. Dennoch beginnt der Free-Agent-Sommer mit völlig neuen Voraussetzungen.

Besonders die New York Knicks dürften bei der Achillessehnenverletzung aufgeschrien haben. Seit zwei Jahren bauen sie ihren Kader genau in dem Maße um, das eine Verpflichtung Durants und eines weiteren Superstars mit Max-Vertrag erlaubt. Ob ein zweiter Star (Point Guard Kyrie Irving wurde immer wieder mit Durant in Verbindung gebracht) geködert werden kann, wenn Durant ein bis zwei Jahre braucht, um seine Form wieder zu erlangen, ist nun fraglich. Auf jeden Fall ist die Möglichkeit, über den Sommer von einem der schlechtesten Teams zum Titelanwärter aufzusteigen, vom Tisch. Die Los Angeles Lakers um LeBron James könnten dafür jetzt bessere Karten haben, Kyrie Irving zu verpflichten, weil dieser mit einem weiteren Superstar zusammen spielen will. Auch die Los Angeles Clippers hatten gute Chancen, Durant unter Vertrag zu nehmen - oder Toronto Raptors Superstar Kawhi Leonard. Sollte dieser nun doch in Toronto bleiben oder ein anders Team finden, gehen die Clippers zumindest für ein Jahr leer aus. Leonard ist aufgrund von Durants Verletzung nun ohnehin der am stärksten umworbene Free Agent.

Die Durant-lose NBA wird spannend

Überhaupt: Durants Achillessehne könnte der Grund sein, dass viele Teams nun aggressiver auf dem Wechselmarkt agieren, um im nächsten Jahr gute Chancen auf den Titel in der Durant-losen NBA zu haben. Sollte der Superstar eigentlich ein Team zum neuen Powerhouse der Liga machen, so wird er nun durch seinen Ausfall zumindest den Westen wieder spannend machen. Nach dieser Saison wird es in der NBA also einen Machtwechsel geben und die Warriors-Dynastie samt ihrer fünf Jahre langen Dominanz wird zerfallen.

Die schwere Verletzung von Kevin Durant begräbt wohl die Titelträume der Golden State Warriors. Und sie macht es ungleich schwerer, vorauszusagen, wer in der neuen Saison das Team ist, das es zu schlagen gilt.

Quelle: n-tv.de

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