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NHL feiert 100. Geburtstag Eine Liga zwischen Spektakel und Drama

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Eine von zahlreichen Spieler-Statuen der NHL-Hall of fame.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Sie bringt Legenden hervor, gilt als beste Eishockey-Liga der Welt und ist finanziell wohlgepolstert - seit ihrer Gründung 1917 hat sich die NHL in den USA aus dem Schatten anderer Sportarten längst herausgespielt. Der Beginn war jedoch etwas weniger glamourös.

Für "The Great One" Wayne Gretzky ist der 26. November 2017 ein ganz besonderes Datum. Denn an diesem Tag jährt sich die Geburtsstunde der nordamerikanischen Profiliga zum 100. Mal. Im edlen Windsor Hotel von Montreal mit einem billigen Trick ins Leben gerufen, hat sich die NHL im Schatten des American Footballs (NFL), des Basketballs (NBA) und Baseballs (MLB) zu einem Global Player entwickelt und steht besser da denn je. Als Jahrhundert-Botschafter der NHL ist der wohl größte Eishockey-Spieler das Gesicht des großen Jubiläums. "So vieles, was ich in meinem Leben habe, verdanke ich dem Eishockey und der National Hockey League", sagt er nicht nur pflichtgemäß. 

Die Deutschen in der NHL

Stanley-Cup-Champion Pittsburgh Penguins um den deutschen Nationalspieler Tom Kühnhackl hat in der NHL einen Heimsieg gefeiert - mit 5:2 (3:0, 1:1, 1:1) gegen die Tampa Bay Lightning. Tobias Rieder verlor mit den Arizona Coyotes gegen die Vegas Golden Knights mit 2:4 (0:0, 0:3, 2:1). Die Anaheim Ducks mit Verteidiger Korbinian Holzer verloren bei den Los Angeles Kings mit 1:2 (1:0, 0:0, 0:1, 0:1) nach Penaltyschießen. Für den 29-jährigen Holzer war es der neunte Spiel-Einsatz in dieser Saison. Die Washington Capitals gewannen bei den Toronto Maple Leafs 4:2 (2:0, 1:0, 1:2). Der deutsche Nationaltorhüter Philipp Grubauer kam dabei nicht zum Einsatz. Die New York Islanders feierten ebenfalls ihren dritten Sieg hintereinander - gegen die Ottawa Senators mit 2:1 (0:0, 1:0, 1:1). Torhüter Thomas Greiss und Verteidiger Dennis Seidenberg spielten nicht.

Im edlen Windsor Hotel von Montreal mit einem billigen Trick ins Leben gerufen, hat sich die NHL im Schatten des American Footballs (NFL), des Basketballs (NBA) und Baseballs (MLB) zu einem Global Player entwickelt und steht besser da denn je. Heute wird der kanadische Nationalsport wird längst unter den Palmen Floridas und in der Wüste Arizonas gespielt, seit dieser Saison auch mit erstaunlichem Erfolg im Zockerparadies Las Vegas.

Europa ist für die NHL ein wichtiger Markt geworden, nicht nur, aber auch weil inzwischen gut 30 Prozent der Spieler (7 Deutsche) vom alten Kontinent stammen. Asien, vor allem China, soll noch erobert werden. Als sich die Gründerväter um den ersten NHL-Präsidenten Frank Calder 1917 in Montreal trafen, hatten sie aber nichts Historisches im Sinn. Nach 15 Jahren Profi-Eishockey in Kanada wollten sie sich eigentlich nur eines ihrer zahlreichen Probleme entledigen. Weil die Klubbesitzer aus Montreal, Ottawa und Quebec sich mit dem Eigner aus Toronto verkracht hatten, gründeten sie kurzerhand ohne ihn eine neue Liga.

Eishockey-Liga erlebt Glanzzeit wie in den 80ern

Vor wenigen Tagen kehrten die Manager der NHL-Teams mit Liga-Boss Gary Bettman an den Gründungsort zurück, enthüllten zur Erinnerung eine Ehrentafel. "Das ist der Kern unserer Geschichte, hier schlägt der Puls unseres Spiels", sagte der Commissioner, der die NHL zukunftsfähig gemacht und finanziell in neue Sphären geführt hat. 4,1 Milliarden US-Dollar setzte die Liga in der Saison 2016/17 um, damit liegt sie deutlich über den Zahlen der Fußball-Bundesliga, aber hinter der englischen Premier League.

Das wertvollste Team sind auf Basis der Spielzeit 2015/16 die New York Rangers, die vom Wirtschaftsmagazin Forbes auf 1,24 Milliarden Dollar taxiert werden, vor den Montreal Canadiens (1,12) und den Toronto Maple Leafs (1,1). Innerhalb der letzten gut zehn Jahre hat die NHL ihr finanzielles Volumen dank neuer TV-Verträge und Sponsoren um 80 Prozent gesteigert. Das Interesse hat spürbar angezogen. Ein Verdienst Bettmans, der dennoch etwa wegen der Olympia-Absage für Pyeongchang in der Kritik steht. Im May hatte Bettman darauf bestanden, die Saison 2017/18 nicht pausieren zu lassen und somit sämtlichen Teams der NHL eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Südkorea verunmöglicht. Dafür wird er bei Feierlichkeiten nun regelmäßig herzhaft ausgepfiffen.

Die NHL hat in ihren 100 Jahren viele Legenden hervorgebracht, unvergessliche Momente. All das feiert sie in diesen Tagen. Aber auch Tragödien gehören dazu. Etwa die teils mysteriösen Todesfälle einiger Spieler, die wohl hervorgerufen wurden durch die Spätfolgen zahlreicher Gehirnerschütterungen. Bis heute halten wie in der NFL Diskussionen und juristische Auseinandersetzungen zu dem Thema an. Dennoch erlebt die beste Eishockey-Liga der Welt gerade ihre vielleicht beste Phase seit der Glanzzeit in den 1980er Jahren mit den Superstars Gretzky und Mario Lemieux.

Nach dem Gang nach Vegas beheimatet die Liga jetzt 31 Teams, sieben davon im Eishockey-Mutterland, das Gros in den USA. Der finanzielle Zustand ist von wenigen Sorgenkindern abgesehen überwiegend solide, eine weitere Expansion in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen.

Quelle: n-tv.de, sra/sid

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