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Huberts Tod ist eine Warnung "Es ist verheerend. Gott segne deine Seele"

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Anthoine Hubert wurde nur 22 Jahre alt.

(Foto: dpa)

Die absolute Sicherheit wird es im Formel-Sport nicht geben. Der Tod des 22 Jahre alten Anthoine Hubert erschüttert die Motorsportwelt und sensibilisiert die Fahrer für das Risiko, das sie bei jedem Rennen eingehen. Doch auch nach der Tragödie gilt: "business as usual". Zumindest in der Formel 1.

Lewis Hamilton starrte vor den Kameras der BBC entsetzt auf den Monitor, wo die schrecklichen Bilder des Formel-2-Unfalls nichts Gutes verhießen. "Oh Gott, ich hoffe, die Jungs sind okay", sagte der Weltmeister, und er ahnte wohl, dass das nicht der Fall war. Wenig später bestätigte die Fia, was das fast unheimliche Schweigen über der Rennstrecke von Spa längst verkündet hatte: "Der Fahrer des Wagens Nummer 19, Anthoine Hubert, ist seinen Verletzungen erlegen."

Die große Tragödie hat den Formel-Sport fünf Jahre nach dem letzten tödlichen Unfall des Franzosen Jules Bianchi beim Formel-1-Rennen in Suzuka wieder eingeholt. "Wenn ein Einziger von euch, der diesen Sport verfolgt und genießt, nur eine Sekunde lang denkt, dass das, was wir tun, sicher ist, dann irrt er sich gewaltig", schrieb Hamilton bei Instagram: "Es ist verheerend. Gott segne deine Seele, Anthoine."

Hubert, Protege der Renault Drivers Academy und eines der Top-Talente des französischen Motorsports, hatte im asphaltierten Auslauf der Eau-Rouge-Senke eingangs der Highspeed-Passage Raidillon die Kontrolle über sein Auto verloren. Bei dem Versuch, seinem langsamer werdenden Konkurrenten Giuliano Alesi auszuweichen, geriet er ins Schleudern und löste damit eine fatale Kettenreaktion aus.

Correas Zustand ist "ernst, aber stabil"

Der nachfolgende Juan Manuel Correa aus den USA hatte keine Chance mehr auszuweichen, mit etwa 270 Stundenkilometern raste er in Huberts Auto. Die Überlebenszelle des Fahrers wurde an der linken Seite zerfetzt, Hubert mit ungeheurer Wucht über die Strecke geschleudert. Um 18.35 Uhr erklärten die Ärzte im Medical Center ihn für tot. Correa war die ganze Zeit ansprechbar, er erlitt Brüche an beiden Beinen, eine leichte Verletzung der Wirbelsäule und wurde noch am Samstagabend im Krankenhaus in Lüttich operiert. Die Fia beschrieb seinen Zustand am Sonntag als "ernst, aber stabil".

Die Diskussion um die Sicherheit im Motorsport wird nach der Tragödie von Spa wieder Fahrt aufnehmen. "Die Autos werden immer sicherer, aber 100 Prozent wird man nicht erreichen", sagte der frühere Formel-1-Pilot Juan Pablo Montoya: "Unser Sport ist riskant, und daran wird sich nichts ändern." Fia-Präsident Jean Todt, ein erklärter Verfechter der Risikominimierung, wird die Kommission leiten, die Huberts Unfall untersucht. In seiner Stellungnahme sprach Todt von "grenzenloser Trauer".

Und dennoch geht die Formel 1 in Spa an den Start. "Heute fahren wir ein Rennen. Wir machen das mit schweren Herzen und tragen die Erinnerung an Anthoine in uns", hieß es in der Rechtfertigung auf dem offiziellen Twitter-Account. Eine Absage oder Verschiebung des Rennens kam trotz der Ereignisse am Vortag nicht infrage. Weiter hieß es in dem Tweet: "Genau wie für Anthoine, ist Racing unsere Passion und unser Traum. Es definiert uns. Also fahren wir heute für Anthoine. Heute und für immer werden wir ihn ehren." Vor dem Rennen gab's eine gemeinsame Schweigeminute von Fahrern und Teamchefs aller Serien in Spa. Unter anderem nahmen Sebastian Vettel und Charles Leclerc teil. Vor dem Halbkreis standen die Mutter und der Bruder von Hubert, die dessen Helm hielten.

Unfälle wie den von Hubert wird auch das beste Sicherheitskonzept nicht verhindern können. Kohlefaser-Monocoques und der aus Titan gefertigte Schutzbügel Halo über dem Cockpit können einem frontalen Aufprall mit fast 300 Stundenkilometern kaum standhalten. "Wir sind wieder mal brutal daran erinnert worden, wie gefährlich unser Sport ist", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: "Ferrari wird seinen Teil dazu beitragen, das Risiko so weit wie möglich auszuschalten."

"Alle Fahrer setzen ihr Leben aufs Spiel"

Ganz geht es nicht, glaubt Hamilton. "Alle Fahrer setzen jedes Mal ihr Leben aufs Spiel, wenn sie auf die Strecke gehen, und die Leute müssen das zu würdigen wissen", sagte der Mercedes-Frontmann, der im freien Training selbst einen spektakulären Ausrutscher heil überstand. "Ich bin nur ein Mensch", hatte Hamilton danach seinen Abflug in einer schnellen Rechtskurve erklärt: "Menschen machen Fehler."

Die extremen Geschwindigkeiten der Wagen, die immer kürzere Reaktionszeit, dazu Streckenabschnitte wie die Eau Rouge/Raidillon-Passage in Spa, die zu den spektakulärsten und gefährlichsten im Motorsport gehört - in dieser Konstellation ist der Mensch der schwächste Faktor. "Grausam" könne der Motorsport sein, twitterte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Quelle: n-tv.de, tno/sid/dpa

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