Fußball-WM 2019

Superstar verliert die Nerven Marta droht mit Brasilien der WM-Knockout

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"Ich habe jetzt auch 16 Tore geschossen, genau wie euer Klose. Das hättet ihr auch mal fragen können": Marta.

(Foto: imago images / Fotoarena)

Nach dem leichtfertig verspielten Vorsprung gegen Australien könnte die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich für die unvergleichliche Marta und ihre Kolleginnen früher zu Ende sein als gedacht. Das Team scheint überaltert, zudem zeigen die Brasilianerinnen, dass sie ganz schlecht verlieren können.

Das Ende der goldenen Generation um Superstar Marta scheint eingeläutet. Brasiliens Fußballerinnen müssen nach dem unnötigen 2:3 (2:1) in Montpellier gegen WM-Geheimfavorit Australien um den Einzug in die K.-o.-Runde bangen. Und die sechsmalige Weltfußballerin erwies sich als schlechte Verliererin, als sie nicht nur die Schweizer Schiedsrichterin Esther Staubli kritisierte, sondern auch den deutschen Videoschiedsrichter Bastian Dankert für die Niederlage mitverantwortlich machte.

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WM-Rekordhalterin: Formiga.

(Foto: imago images / Norbert Schmidt)

Einmal in Fahrt, bekam auch der ZDF-Reporter nach dem Schlusspfiff sein Fett weg. Als dieser sich schon bedankt und das Interview eigentlich schon beendet hatte, ergriff die grummelnde 33-Jährige plötzlich Initiative. Der Übersetzer musste nochmals ran. "Sie hat am Ende gesagt: "Mein Gott, wie konntet ihr das vergessen? Ich habe jetzt auch 16 Tore geschossen, genau wie euer Klose. Das hättet ihr auch mal fragen können." Mit ihrem Führungstreffer per Elfmeter (27.) hatte Marta ihre Torausbeute bei Weltmeisterschaften auf 16 geschraubt, den Rekord des ehemaligen Nationalstürmers Miroslav Klose eingestellt und als erste Spielerin bei fünf Weltturnieren getroffen.

Doch selbst der 2:0-Vorsprung durch Cristianes viertes WM-Tor nach ihrem Dreierpack beim 3:0 gegen Jamaika reichte Brasilien nicht zum zweiten Sieg in der Gruppe C. Die Australierinnen drehten das Spiel durch Caitlin Foord (45.+1) und Cloe Logarzo (58.). Den K. o. besorgten die Südamerikanerinnen mit einem Eigentor von Monica (66.). Beim 3:0 gegen die von Bob Marleys ältester Tochter Cedella gesponserten Reggae Girlz hatte die angeschlagene Marta noch gefehlt. Gegen die Matildas war die Nummer 10 zunächst Dreh- und Angelpunkt, blieb zur zweiten Spielhälfte aber - wohl vorsichtshalber - in der Kabine. Prompt verlor ihr Team die Kontrolle, zumal auch die 41-jährige WM-Rekordhalterin Formiga bei ihrer siebten WM-Teilnahme ausgewechselt wurde.

Letzte Titelchance für die Routiniers

Der Zorn richtete sich neben Schiedsrichterin Staubli - eine der weltweit Besten ihrer Zunft - auch auf Fifa-Referee Dankert, der sich als Videoschiedsrichter mehrfach eingeschaltet hatte. "Wir sind enttäuscht, weil wir stark angefangen, dann aber zugelassen haben, dass der Gegner das Spiel gedreht hat", klagte Marta und schimpfte, weil sie ihr Team benachteiligt sah: "Enttäuscht auch, weil einige technische Fehler passiert sind. Zum Schluss hätten wir einen klaren Elfmeter bekommen müssen. Wenn man diese technischen Möglichkeiten hat, sollte man sie auch nutzen, auf beiden Seiten."

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"Der Videobeweis kann Fehler minimieren und den Fußball besser machen": Vadao.

(Foto: REUTERS)

Selecao-Coach Vadao verzichtete hingegen auf Kritik: "Der Videobeweis kann Fehler minimieren und den Fußball besser machen." Höchstwahrscheinlich muss die hoch gelobte Spielerinnen-Generation um Formiga, Marta und Cristiane ohne großen Titel abtreten. Bei der WM 2007 in China verloren die Brasilianerinnen, die gerne mal provozierend zum Anpfiff tänzeln, das Finale gegen die DFB-Elf um Torhüterin Nadine Angerer mit 0:2.

Vor vier Jahren in Kanada unterlagen sie im Achtelfinale Australien mit 0:1. Und bei ihrem Olympia-Heimturnier 2016 in Brasilien verlor der Favorit erst das Halbfinale im Elfmeterschießen gegen Schweden und kassierte dann im Spiel um Bronze eine nicht minder bittere 1:2-Pleite gegen Kanada. Zum Vorrundenabschluss müssen die Ball-Künstlerinnen am Dienstag in Valenciennes gegen die unangenehm zu spielenden Italienerinnen ran. Die Australierinnen, die nicht nur Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zum Kreis der Titelanwärterinnen zählt, gelten gegen WM-Neuling Jamaika als hoher Favorit. Es droht das Vorrunden-Aus. Brasiliens WM-Kader ist über seinen Zenit hinaus. Acht Spielerinnen sind 30 Jahre oder älter. Es ist die letzte Titelchance für die Routiniers - sonst bleiben sie die Unvollendeten.

Quelle: n-tv.de, Ulli Brünger und Stephan Köhnlein, dpa

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