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Wankende Weltstars England droht Blamage

Nach Unentschieden in den ersten beiden Gruppenspielen steht das Fußball-Mutterland bei der WM in Südafrika mit dem Rücken zur Wand. Und allmählich verlieren die englischen Fans die Geduld mit ihren Three Lions, denen das erste Vorrunden-Aus seit 1958 droht.

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Zahnlose Bulldogge: Wayne Rooney.

(Foto: AP)

Das Kap der Guten Hoffnung wird zum Kap der Angst. Selbst der zuletzt als Heilsbringer gefeierte Fabio Capello wirkte ratlos. "Uns fehlte es an allem", klagte der englische Coach nach der unansehnlichen Nullnummer gegen Algerien, mit dem sich das als Mitfavorit ins Turnier gestartete Mutterland des Fußballs in arge Bedrängnis brachte.

Ohne einen Sieg im letzten Spiel der Gruppe C gegen Tabellenführer Slowenien am Mittwoch droht den Three Lions das erste Vorrunden-Aus bei einer WM seit 52 Jahren - und jede Menge Ärger. Inständig hofft Capello, die Blamage noch abwenden zu können. "Das ist nicht das England, das ich kenne. Ich habe keine Leidenschaft gesehen."

Erschreckend harmlose Weltstars

Die möglichen Auswirkungen eines frühen Scheiterns bekam das erschreckend harmlose Team um Weltstars wie Wayne Rooney, Frank Lampard und Steven Gerrard schon im Anschluss an die zweite WM-Partie zu spüren. In den Dauerlärm der Vuvuzelas mischten sich Pfiffe der englischen Anhänger. Zum Unmut von Rooney, der sich an der Seitenlinie ein heftiges Wortgefecht mit seinen verärgerten Landsleuten lieferte. "Es ist toll, wenn die eigenen Fans dich ausbuhen. So sieht bedingungslose Unterstützung aus - verdammt noch mal", soll er dabei geschimpft haben. Ein wütender Anhänger folgte den Profis - vorbei an den Sicherheitskräften - gar bis in die Kabine und konnte erst vom verletzten David Beckham besänftigt werden.

Ebenso kritisch wie die Fans reagierten die Medien auf den zweiten indiskutablen WM-Auftritt ihrer Mannschaft, die schon beim 1:1 gegen die USA den Nachweis ihrer Klasse schuldig geblieben war. "Kap der Angst. Englands WM-Traum hängt am seidenen Faden", titelte "The Sun". "Capellos Flops verdienen es nicht, dieses Trikot zu tragen", hieß es im "Mirror". Und der "Guardian" schrieb von einem "lächerlichen England". Vor allem das harmlose Offensiv-Spiel gab mächtig zu denken. Angreifer Rooney, spottete die Kapstädter Zeitung "Argus", sei "so gefährlich wie eine zahnlose Bulldogge" gewesen.

Verständnis für die harsche Kritik

Die meisten Profis zeigten Verständnis für die harsche Kritik. "Für diese Leistung gibt es keine Entschuldigung. Das war nicht unser Niveau", bekannte Kapitän Gerrard. Mehr und mehr bestätigt sich, dass Franz Beckenbauer mit seinen Äußerungen über den Rückfall der "Three Lions" in alte Kick and Rush-Zeiten trotz aller Empörung der Engländer nicht ganz falsch gelegen hat. Nach einer ermutigenden Phase mit stetigen Fortschritten unter Capellos Regie und einer der WM-Ausscheidung sind Rückschritte unverkennbar. "Das ist unglaublich, wenn man sich die Fähigkeiten der Spieler ansieht" befand Capello, dem die Partylaune an seinem 64. Geburtstag gründlich vergangen war.

Mit zwei mageren Zählern liegt sein Team in der Gruppe C hinter den punktgleichen USA nur auf dem dritten Platz und steht nun gegen Tabellenführer Slowenien (4 Punkte) vor einem Endspiel. "Wir haben jetzt mehr Druck", sagte Gerrard. Als wären die Sorgen nicht groß genug, muss Trainer Capello angesichts der Gelb-Sperre von Jamie Carragher zum bereits dritten Mal die Abwehr umstellen. Zuvor waren Rio Ferdinand und Ledley King verletzungsbedingt ausgefallen. Gleichwohl glaubt Capello weiter an ein Happy End: "Ich hoffe, dass wir am Mittwoch das wahre England sehen, und dass die Spieler nach einer guten Vorstellung wieder die Köpfe frei haben."

Algerier hingegen sind zufrieden

Anders als der englische Coach fand sein Gegenüber Rabah Saadane Gefallen an den dürftigen Darbietungen. In der ersten Freude über den unerwarteten Punktgewinn geriet der algerische Trainer gar ins Schwärmen. "Das war ein Spektakel beider Mannschaften mit vielen Torchancen hüben und drüben", kommentierte er voller Stolz über den größten WM-Erfolg Algeriens seit dem 2:1 gegen Deutschland 1982. Mit dem 0:0 verbuchten die Nordafrikaner den ersten Zähler und entgingen damit dem vorzeitigen Knockout. "Es ist wieder alles offen", sagte Saadane mit Blick auf das letzte Gruppenspiel gegen die USA.

Quelle: ntv.de, Heinz Büse und Christian Hollmann, dpa