Fußball-WM 2010

Bestürzung und Tränen in Holland Nur Beatrix bewahrt Haltung

Bestürzung, Tränen, Fassungslosigkeit: In der 116. Minute senkt das Tor des Spaniers Andrés Iniesta auf Hollands Fanmeilen die Stimmung auf den Nullpunkt. Allzu lange dürfte die Erschütterung der Niederländer über ihre dritte Niederlage in einem WM-Finale allerdings nicht anhalten. Immerhin wird Königin Beatrix die Oranje-Elf zu einer Huldigung empfangen.

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Oranje am Boden: Gute Stimmung in Amsterdam.

(Foto: REUTERS)

Zum dritten Mal sind die Niederlande nun Fußball-Vizeweltmeister - das wurde zwar durchaus noch ein wenig gefeiert, aber deutlich verhaltener als noch vor kurzem der Sieg im Halbfinale gegen Uruguay. Von Groningen im Norden über Amsterdam, Den Haag und Rotterdam bis Maastricht im Süden schien - trotz einiger Autokorsos und Oranje-Gesänge - die Enttäuschung darüber zu überwiegen, dass es die Elftal wieder nicht bis aufs oberste Treppchen geschafft hat.

Ausgelassener jubelten zahlreiche spanischen Fans. Unter anderem im Restaurant "Pata Negra" in Amsterdam feierten sie laut singend den Sieg - und stießen auch auf das Tintenfisch-Orakel Paul in Deutschland an, der den Triumph der Spanier korrekt vorhergesagt hatte. Was man von den Niederländern auf dem Spielfeld nicht immer erlebte, erwiesen in Amsterdam einige Oranje-Fans den feiernden Spaniern - sportliche Fairness. Vor dem "Pata Negra" verbeugte sich ein als orangener Löwe verkleideter Mann und rief: "Ihr wart die Besseren!".

Na ja, immerhin mal wieder im Finale

Viele niederländische Fans trösteten sich damit, dass ihr Team immerhin zum ersten Mal nach 32 Jahren wieder in einem WM-Finale gekämpft und nur knapp verloren hatte. Unweit der größten Fanmeile des Landes - am Museumsplein in Amsterdam - mit mehr als 100.000 Besuchern gingen ein paar Feuerwerkskörper hoch. Hier und da wurden noch orangene Vuvuzelas geblasen, von denen so manche vorher noch als Biertrichter verwendet worden waren. Aber das war dann auch schon fast alles an Freudenäußerungen über den Vize-Weltmeistertitel.

Nahezu untröstlich war die Stimmung im südniederländischen Meerssen, dem Heimatort von Oranje-Trainer Bert van Marwijk. Rund 2000 Einwohner der Gemeinde hatten das Finale auf dem Marktplatz auf einer Videowand verfolgt. Gleich nach dem Abpfiff löste sich die Menge auf. "Wir haben nichts zu feiern", sagte ein Gast in Van Marwijks Stammlokal "Café de Keizer".

Kronprinz Willem-Alexander desolat

Dennoch gingen Kommentatoren davon aus, dass die Niederländer sich rasch von dem Schock, wieder kein WM-Gold erreicht zu haben, erholen und zu ihrem Oranje-Team stehen würden: Immerhin ging Königin Beatrix mit gutem Beispiel voran - und bügelte damit den ziemlich desolaten Eindruck aus, den ihr Sohn Kronprinz Willem-Alexander vor laufenden Fernsehkameras auf der Tribüne des Stadions Soccer City in Südafrika machte.

Am Dienstag werden Van Marwijk und sein Oranje-Team in Amsterdam zur öffentlichen Huldigungsfeier erwartet. Kurz vorher empfängt sie am selben Tag die Königin. Bis dahin dürften alle Fan-Tränen getrocknet und der Kummer darüber überwunden sein, das sich das Oranje-Team als eine Art "ewiger WM-Zweiter" erweist. Trotz der Niederlage werden in Amsterdam Zehntausende Fans erwartet. Der große Bootskorso über Amsterdams Grachten fällt allerdings aus - den hätte es nur gegeben, wenn die Spieler den WM-Pokal mitgebracht hätten.

Quelle: ntv.de