Fußball-WM 2010

Vom WM-Fan zur Stammkraft Sami Khedira übernimmt

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Sami Khedira gibt sich selbstbewusst: "Natürlich traue ich mir die Aufgabe zu."

(Foto: REUTERS)

Sami Khedira soll zusammen mit Bastian Schweinsteiger das Ballack-Loch im Mittelfeld stopfen. Das WM-Aus für den Kapitän ist seine große Chance - und er möchte sie nutzen.

Manchmal spielt der Fußball verrückt: Vor vier Jahren stand Sami Khedira beim Sommermärchen noch als Deutschland-Fan im Stadion - jetzt ist der Deutsch-Tunesier über Nacht zu einem Hoffnungsträger der Nation geworden. Das WM-Aus von Michael Ballack ist für den 23-Jährigen die große Chance, auch wenn der Stuttgarter nicht als Profiteur der bitteren Verletzung des Kapitäns dastehen möchte: "Erst einmal war ich schockiert, dass es so schlimm ist."

Auf der Massagebank erfuhr Khedira im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf Sizilien vom Ballack-Pech - seitdem ist für ihn alles anders geworden. "Aber ich habe mich dadurch nicht verändert", versicherte der U 21-Europameister, der nun an der Seite des Münchners Bastian Schweinsteiger vor der Herkules-Aufgabe steht, das riesige Ballack-Loch im Mittelfeld stopfen zu müssen. "Natürlich traue ich mir die Aufgabe zu", erklärte Khedira selbstbewusst: "Wenn sich die Chance ergeben sollte, möchte ich sie nutzen."

Keine Zweifel bei den Verantwortlichen

Noch vor einem halben Jahr schien für Khedira ein Stammplatz bei der WM so weit weg wie die Erde vom Mond. Doch ein "Sechser" nach dem anderen fiel aus. Erst erlitt der Leverkusener Simon Rolfes einen Knorpelschaden im Knie. Dann musterte Joachim Löw den Bremer Routinier Torsten Frings aus. Und Khediras VfB-Kollege Thomas Hitzlsperger verschwand nach seinem Wechsel von Stuttgart zu Lazio Rom in der Versenkung.

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104 Spielminuten in drei Länderspielen hat Khedira bisher in der Nationalelf absolviert.

(Foto: REUTERS)

Khedira kam einem WM-Platz immer näher, auch wenn er im März wegen einer Knie-Blessur selbst kurzzeitig um den Südafrika-Trip zittern musste. "Mir war bewusst, dass Michael Ballack und Basti Schweinsteiger gesetzt sein würden", schätzte Khedira seine Ausgangsposition zu Beginn der WM-Vorbereitung realistisch ein. Jetzt verspürt er "eine Vorfreude" auf die große Herausforderung, die ihn erwartet.

"Khedira ist ein junger Spieler mit viel Potenzial", hatte Bundestrainer Löw gleich nach dem schmerzlichen Ausfall von Kapitän Ballack gesagt. "Er hat das Spiel der deutschen Mannschaft geprägt", weiß auch Khedira. Ob er das auch schon kann, nach insgesamt nur 104 Spielminuten in drei Länderspielen, ist die große Frage. Zweifel versuchen die Verantwortlichen zu zerstreuen: "Sami Khedira ist U 21-Europameister geworden und in Stuttgart auch ein Führungsspieler", hob Teammanager Oliver Bierhoff auf Sizilien hervor.

Alles muss schnell gehen

Auf jeden Fall muss jetzt alles ganz schnell gehen. "Wir wissen alle, dass zwei Wochen nicht lang sind, speziell, wenn man noch nicht zusammengespielt hat", sagte Khedira zur vorgesehenen Partnerschaft mit Schweinsteiger im zentralen defensiven Mittelfeld. Schweinsteiger wird erst nach dem Champions-League-Finale zum DFB-Team stoßen, gerade noch rechtzeitig vor den Testspielen in Ungarn und gegen Bosnien. "Ich denke, es wird relativ schnell klappen", glaubt Khedira: "Wir bringen beide taktisches Verständnis mit."

Ersetzen soll er ab sofort Ballack, sein Vorbild aber ist Xavi, "das Herz" des FC Barcelona und des spanischen Europameister-Teams. "Xavi interpretiert die Position am besten. Er spielt unspektakulär, aber total effektiv, abgeklärt und torgefährlich. Die Ballverluste tendieren bei ihm gegen Null", schwärmte Khedira über den Spanier.

In Südafrika will auch er im Blickpunkt stehen, schließlich hat ihn das WM-Fieber schon seit Jahren gepackt. "2006 war ich beim Spiel der deutschen Mannschaft um Platz drei in Stuttgart im Stadion. Das war eine Wahnsinns-Atmosphäre, da herrschte Gänsehaut-Stimmung. Da habe ich noch einmal gemerkt: Wenn man da einmal dabei ist, ist das etwas ganz Besonderes." Am 13. Juni gegen Australien ist es soweit.

Quelle: ntv.de, Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa

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