Fußball-WM 2010

DFB-Kicker in der Einzelkritik Verbrennt den blauen Pullover!

Deutschlands Fußballer sind schlechter als die aus Spanien und verpassen das Finale der Weltmeisterschaft. Bundestrainer Joachim Löw muss sich neue Klamotten kaufen. Und irgendwen finden, der Lust auf das Spiel um Platz drei gegen Uruguay hat.

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Aus und vorbei: Manuel Neuer, Philipp Lahm umd Bundestorwarttrainer Andreas Köpke.

(Foto: dpa)

Wer ersetzt Thomas Müller? Und trägt Bundestrainer Joachim Löw wieder seinen blauen Glücks-Pullover? Das waren die beiden drängenden Fragen vor dem Halbfinale der deutschen Mannschaft gegen Spanien. Alles Gelaber. Verbrennt das Teil! Piotr Trochowski ist halt nicht so gut wie das Original und Deutschland ist nicht Spanien. Manchmal gewinnt eben auch bei einer Fußball-Weltmeisterschaft einfach die bessere Mannschaft. Das waren nun einmal die Spanier. Die spielen nun am Sonntag im Finale gegen die Niederlande. Glückwunsch! Und was sagte der deutsche Kapitän Philipp Lahm? "Auf das Spiel um Platz drei habe ich heute überhaupt keine Lust." Dito!

Manuel Neuer: Gutes Omen – dachten wir: Der Schalker trug in seinem elften Länderspiel (Schnapszahl!) wieder sein borussiadortmundgelbes Trikot wie beim 4:0 im Viertelfinale gegen Argentinien. Und dazu – wie gegen Argentinien – seine borussiadortmundgelbe Hose. Vorbei. Und sonst? Rettete gleich nach sechs Minuten souverän gegen David Villa, der nach einem perfekten Pass von Pedro Rodriguez Ledesma plötzlich frei vor dem deutschen Torwart auftauchte. Rettete in der 58. Minute nach einem strammen Schuss – von Pedro Rodriguez Ledesma. Glanzparade. War beim Gegentor machtlos. Und hat auf das Spiel um Platz drei wahrscheinlich auch wenig Lust. Vielleicht ist das die Chance für Tim Wiese – oder Jörg Butt, in der 2. Halbzeit.

Philipp Lahm: Der Kapitän, der auch gerne Kapitän bleiben will, hat, wie eingangs erwähnt, keinen Bock auf sein 72. Länderspiel. War auf der rechten Seite in seinem 71. Länderspiel ein eher schwächerer Teil einer trotz allen Drucks insgesamt aufmerksamen und soliden deutschen Abwehr – gemessen an dem, was er kann und auch schon bei dieser Weltmeisterschaft gezeigt hat. Ungewohnte Ballverluste, kaum Offensivaktionen, verlor einige Laufduelle. Könnte daran liegen, dass er sich vor dem Halbfinale entschieden hat, lieber Michael Ballack zum Duell zu fordern.

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Lust auf's Spiel um Spiel um Platz drei? Per Mertesacker und Marcell Jansen.

(Foto: dpa)

Per Mertesacker: Der Bremer war in der Innenverteidigung in seinem 68. Länderspiel der Turm in der deutschen Abwehr, auch wenn er nicht immer fehlerfrei blieb – aber wer ist das schon gegen so stark aufspielende Spanier? Meist präsent, gutes Stellungsspiel. Bekam meist noch ein Bein dazwischen. Kopfballstark. Ging am Ende noch mit nach vorne. Immerhin.

Arne Friedrich: Der Neu-Wolfsburger wirkte in seiner 78. Partie für Deutschland nicht ganz so souverän wie zum Beispiel beim 4:0 im Viertelfinale gegen Argentinien. Und das nicht, weil er diesmal kein Tor erzielte. Arbeitete daran, das frisch erworbene Diego-Image aus dem Achtelfinale gegen England wieder abzulegen. Oder andersherum: Die Spanier ließen es nicht zu. Vielleicht klappt's ja wieder im Spiel um Platz drei gegen Uruguay. Und vielleicht hat er ja Lust.

Jerome Boateng: Hatte in seinem neunten Länderspiel als ein eher schwächerer Teil einer soliden deutschen Abwehr auf der linken Seite bisweilen doch arge Probleme - insbesondere nach der Pause mit Pedro Rodriguez Ledesma. Auch bei den Vorstößen von Sergio Ramos mag er sich gewundert haben, warum der Rechtsverteidiger plötzlich den Rechtsaußen gibt. Das war aber auch der Klasse von Pedro und Ramos geschuldet. Wurde in der 52. Minute durch den Hamburger Marcell Jansen ersetzt. Sollte den über die rechte spanische Seite immer wieder nach vorne drängenden Sergio Ramos mehr beschäftigen, als das Boateng gelungen war. Nun. Er stoppte Ramos in der 62. Minute mit einer sportlichen Grätsche. Rückte, wie es seine Art ist und wie es Bundestrainer Löw wohl auch beabsichtigt hatte, sehr weit auf. Was Pedro wiederum in der 83. Minute eine große Konterchance eröffnete. Hat aber bestimmt Lust auf das Spiel um Platz drei, wäre immerhin sein dritter Einsatz bei diesem Turnier. Hattrick!

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Er sieht dann doch so aus, als habe er erst einmal keine Lust auf Fußball: Bastian Schweinsteiger.

(Foto: dpa)

Bastian Schweinsteiger: Mal was Neues: Fehlpässe. Im 80. Länderspiel war seine bisher so eindrucksvoll bewiesene Dominanz plötzlich weg. War als dennoch besserer Teil der Doppelsechs erneut Dreh- und Angelpunkt, lief mehr als jeder andere deutsche Spieler, zerrieb sich aber zunächst überwiegend in der Abwehrarbeit. War in Durchgang zwei um mehr Offensivaktionen bemüht, dabei allerdings oft auf sich allein gestellt. Nach dem verlorenen Champions-League-Finale mit dem FC Bayern München und dem verlorenen Europameisterschaftsfinale 2008 gegen, ach ja, Spanien, hat er ganz bestimmt keine Lust auf den Kick um die Goldene Ananas am Samstag. Obwohl er 2006 beim Kick um die Goldene Ananas quasi die Goldene Himbeere gewann.

Sami Khedira: Der Stuttgarter war in seinem 23. Einsatz im DFB-Dress extrem auf Defensivaufgaben konzentriert. Gewann allerdings etliche Bälle. Kleiner Schönheitsfehler: Beim Tor des Abends sprang der Spanier Carles Puyol in der 73. Minute höher als er. Und das war dann irgendwie doch entscheidend. Musste acht Minuten später vom Platz, und Mario Gomez kam. Warum auch immer. Wahrscheinlich, weil Gomez immer noch als Stürmer gilt. Der kam, weil Deutschland zurücklag, zu seinem vierten WM-Kurzeinsatz. Bewirkte nichts, null Torgefahr. Spielt garantiert gerne auch im Spiel um Platz drei.

Piotr Trochowski: Der Ersatz-Müller aus Hamburg gab in seiner 35. Partie für Deutschland nach einer guten halben Stunde den ersten Schuss auf das von Iker Casillas gehütete spanische Tor ab. Aus 30 Metern, und das nicht schlecht. Nach 62 Minuten und dem Beweis, dass er eben – wenn überhaupt – nur ein Ersatz-Müller und damit für den Gegner wesentlich ungefährlicher als das Original ist, war dann Schluss. Für ihn kam Toni Kroos. Der vergab auf ungewohnter Position im rechten Mittelfeld nach 70 Minuten die große Chance zur Führung. Lukas Podolski hatte von der linken Seite in den Strafraum geflankt, Kroos schoss aus neun Metern – genau auf Spaniens Torhüter Iker Casillas. Verhinderte dafür später das 2:0 für Spanien. War dann auch schon egal. Könnte am Samstag gegen Uruguay sein achtes Länderspiel machen.

Mesut Özil: Der Bremer trat in seinem 16. Einsatz nach einer Viertelstunde einen Eckball – die erste ernstzunehmende Offensivaktion der deutschen Mannschaft. Fiel in der Nachspielzeit der ersten Hälfte im Zweikampf mit Sergio Ramos in Spaniens Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn ließ weiterspielen - und lag mit seiner Entscheidung richtig. War diesmal nicht besser als Argentiniens Messi. Aber der hat ja auch nicht mitgespielt. Wirkte in vielen Szenen zu passiv. Kann sich im Spiel um Platz drei am Samstag beweisen. Obwohl er so wirkte, als sei er über eine kleine Spielpause durchaus froh. Andererseits hat er sich die schon gegen Spanien gegönnt.

Lukas Podolski: Wirkte in seinem 79. Länderspiel etwas glücklos. Musste viel nach hinten arbeiten, somit sehr viel laufen und hatte folgerichtig sehr wenige torgefährliche Aktionen. Gab immerhin nach 70 Minuten einer sehr gute Vorlage auf Toni Kroos, der trotzdem nicht die Führung erzielte. Ach, was soll's. Aus und vorbei. Hat ganz bestimmt Lust auf das Spiel am Samstag. Denn danach muss er erst einmal wieder für den 1. FC Köln ran.

Miroslav Klose: Hatte in seinem 101. Länderspiel seine erste Chance nach 61. Minuten, als er nach einer schönen Flanke des eingewechselten Marcell Jansen umringt von drei Spaniern den Ball mit dem linken Fuß per Seitfallzieher direkt schoss – allerdings ziemlich weit über das Tor. Rieb sich wie gewohnt auf. Brennt auf das Spiel um Platz drei am Samstag gegen Uruguay. Ein Tor noch – es wäre sein 15. Treffer bei einer Weltmeisterschaft, und er hätte den Brasilianer Ronaldo in der ewigen WM-Torschützenliste eingeholt.

Quelle: ntv.de