Wunschkonzert

WM-Wunschkonzert auf n-tv.de Warum Holland es schaffen kann

Zugegeben – die glorreichen Zeiten mit Johan Cruyff liegen Jahrzehnte zurück, der letzte Titel auch: Der Gewinn der Europameisterschaft 1988 ist bislang der einzige der Niederländer. Weltmeister waren sie noch nie – dann wird’s jetzt Zeit. Und sie können es schaffen!

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Europameister 1988: Kanzler Helmut Kohl gratuliert Ruud Gullit.

(Foto: AP)

Die niederländische Nationalelf war schon bei der WM-Qualifikation sehr überzeugend – sie holte sich erstmals das WM-Ticket ohne Niederlage, mit nur zwei Gegentoren. Und: dank sieben Siegen in den ersten sieben Spieltagen war sie auch noch als erstes europäisches Team qualifiziert! Auch beim Testspiel gegen Mexiko legte sie einen souveränen 2:1-Sieg hin und zeigte: Die Elftal ist gut in Form.

Das Oranje-Team hat aber auch tolle Spieler! Echte Asse wie Wesley Sneijder, Robin van Persie, Klaas Jan Huntelaar, Rafael van der Vaart – und natürlich Arjen Robben. Der ist zwar verletzt (Muskelfaserriss), aber es sieht gut aus. Nachdem es erst hieß, sein Einsatz in den ersten beiden WM-Partien (gegen Dänemark am 14. Juni und gegen Japan am 19. Juni) sei so gut wie ausgeschlossen, kam am 10. Juni die gute Nachricht des Tages: Robben wird bald wieder fit sein - wenn auch vielleicht nicht schon gegen Dänemark.

Van Marwijk glaubt nicht an Wunder

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Arjen Robben, Fußballgott.

(Foto: REUTERS)

Überbracht wurde sie von seinem etwas eigenwilligen, 77 Jahre alten Physiotherapeuten Dick van Toorn. Der ist von seinen Heilkräften überzeugt, legt sich damit aber mit Nationaltrainer Bert van Marwijk an. Der glaubt wohl nicht an Wunder – und immerhin hat ja Robben nun eine Weile nicht trainiert ... "Ich aber sage: Fit ist fit. Wenn Arjen keine  Schmerzen mehr hat, dann ist er fit. Und dann muss er auch spielen", spricht van Toorn. So van Marwijk will, setzt er ihn ein – aber auch wenn er ihn wie angekündigt wegen des Trainingsrückstands noch ein wenig schont, haben die Oranjes einen herausragenden Kader. Sie konnten es sich sogar leisten, Ruud van Nistelrooy zu Hause zu lassen, weil sie so viele Klassespieler haben und aus dem Vollen schöpfen können.

Die große Stärke der Niederländer: ihre Offensive, mit Dirk Kuyt,  Robin van Persie, Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder stark besetzt. Und wenn dann noch Arjen Robben mitspielt ... Und dass ihre Abwehr nicht mehr so schwach ist wie bisher, haben sie ja wohl in der Qualifikation mit nur zwei Gegentoren bewiesen. Ansonsten muss gelten: Angriff ist die beste Verteidigung.

Keine großen Hürden

Die Gruppenphase sollte also kein Problem sein, die Tabellenführung in Gruppe E auch nicht: Dänemark, Japan und Kamerun sind keine wirklichen Hürden für die Elftal. Auch die potenziellen Achtelfinal-Gegner wie Paraguay oder die Slowakei lassen einen nicht erzittern. Und selbst wenn es Italien werden sollte: bei der EM 2008 haben die Oranjes die Azzuri in der Vorrunde mit 3:0 souverän geschlagen. Also auch kein Angstgegner.

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Die Farbe Orange gilt in der Psychologie als stimulierend; sie symbolisiert Optimismus und Lebensfreude. Mit diesem Fanblock kann also eigentlich nichts mehr schiefgehen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die warten dann schon eher ab dem Viertelfinale. Dann muss sich zeigen, ob die Niederländer, wie so oft, zwar traumhaft schön spielen, aber dann die wichtigen Spiele doch verlieren. Wie zuletzt bei der EM 2008: erst Italien und Frankreich haushoch besiegt, dann von Russland (ausgerechnet mit dem Ex-Trainer der Niederlande, Guus Hiddink) im Viertelfinale geschlagen. "In Schönheit sterben" nennt man so was.

"Chance, zu gewinnen"

Aber so wird es diesmal nicht! Die Mannschaft hat dazugelernt, sie glaubt an sich (Rafael van der Vaart: "Wenn wir in die richtige Form kommen, haben wir definitiv die Chance, den Titel zu gewinnen"), die Fans stehen hinter ihnen wie eine Eins. Mit royaler Beteiligung: Der niederländische Kronprinz Willem-Alexander und 10.000 Oranje-Fans werden die Elftal bei  ihrem Auftaktspiel am Montag gegen Dänemark unterstützen. Und auch bei allen anderen Spielen erwartet der Fußballverband der Niederlande rund 10.000 niederländische Zuschauer und damit reichlich lautstarke und orangefarbene Unterstützung.

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Sylvie van der Vaart wird diesmal nicht im Stadion dabei sein - aber sie wird bestimmt mal anrufen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nur die Spielerfrauen sind nicht dabei. Nachdem der irakische Geheimdienst einen Al-Kaida-Terroristen festgenommen hatte, der einen Anschlag beim WM-Spiel zwischen Oranje und Dänemark am Montag in Johannesburg geplant hatte, entschieden die niederländischen Spieler (und auch die vieler anderer Mannschaften) übereinstimmend, ihre Frauen nicht mit zur WM zu nehmen. So wird Rafael van der Vaarts Ehefrau, die als Tanzmaus erfolgreiche Sylvie, stattdessen in Deutschland für RTL als "Expertin" arbeiten. (Allerdings: "In Sachen Fußball ist von mir nicht so viel zu erwarten. Abseits erklären werde ich im Fernsehen sicher nicht", so Sylvie van der Vaart.)

Oranje-Fußball-Fahrradklingel

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(Foto: Andrea Beu)

Aber daran wird es nicht scheitern! So können sich die Jungs mehr aufs Spiel konzentrieren, ihre Teamqualitäten auch nach dem Spiel pflegen und nachts Kräfte für den nächsten Tag sammeln. Um dann dem Slogan auf ihrem WM-Bus gerecht zu werden: "Let niet op de grote 5, maar pas ob voor den  oranje 11 (Fürchte nicht die großen 5 - pass auf die 11 in Orange auf!)" (Die großen Fünf bzw. "Big Five" – damit waren früher die fünf gefährlichsten Tiere gemeint, die man in Südafrika jagen konnte.)

Sie werden spielen, dass es eine Augenweide ist, schnell, mit genialen und verblüffenden Einlagen, sie werden herausragend sein und sie werden sich den ersten Weltmeistertitel holen. Und ich bin dann mit meiner Oranje-Fußball-Fahrradklingel ganz weit vorn.

Quelle: ntv.de