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Auftaktsieg an Kolumbianer Gaviria crasht die deutsche Tour-Party

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Nach seinem Auftakttriumph darf Fernando Gaviria die zweite Etappe in Gelb bestreiten.

(Foto: imago/Belga)

"Ein bisschen gepokert, am Ende zu spät": Marcel Kittel verpasst beim Start der Tour de France den erhofften Sieg und das Gelbe Trikot. Das holt der Kolumbianer Fernando Gaviria. Der umstrittene Titelverteidiger Christopher Froome stürzt - und erntet dafür Häme.

Lange Gesichter statt Gelbes Trikot: Die Topsprinter Marcel Kittel und Andre Greipel sind zum Auftakt der 105. Tour de France am Etappensieg und damit auch am Maillot jaune vorbeigerast. Beim Sieg des Kolumbianers Fernando Gaviria im Massenspurt nach 201 Kilometer in Fontenay-le-Comte in der Vendee kam Kittel hinter dem 23-Jährigen als bester Deutscher auf Platz drei. Topfavorit Christopher Froome verlor nach einem Sturz bereits Zeit. "Es war ein harter Sprint. Der dritte Platz ist okay. Ich habe ein bisschen gepokert, aber war am Ende zu spät", sagte Kittel (Katusha-Alpecin), der sich in einem packenden "Sprint royal" auf einer höchst anspruchsvollen Zielgeraden dem souveränen Gaviria (Quick-Step) und dem slowakischen Weltmeister Peter Sagan vom deutschen Team Bora-hansgrohe geschlagen geben musste: "Wir wollten natürlich gewinnen. Ich bin sicher, dass wir das können. Die Power ist da."

Der deutsche Vizemeister John Degenkolb (Trek-Segafredo) kam auf Rang acht, Greipel (Lotto-Soudal) war als 26. ohne jede Chance auf das erste Gelbe Trikot seiner Karriere. Der umstrittene Titelverteidiger Froome (Großbritannien/Sky), der kurz vor der Tour nach langen Diskussionen in seiner Asthmamittel-Affäre freigesprochen worden war, stürzte fünf Kilometer vor dem Ziel spektakulär und flog über einen Zaun. Der Topfavorit setzte das Rennen mit lädierter Schulter fort, konnte aber das rasende Feld nicht mehr erreichen und büßte ebenso 51 Sekunden ein wie Mitfavorit Richie Porte (Australien/BMC).

Jubel bei Froome-Sturz

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Der vom Dopingverdacht umwehte Titelverteidiger Christopher Froome stürzte zwischenzeitlich.

(Foto: REUTERS)

Nachdem der 33-jährige Froome am Donnerstag bei der Teampräsentation von den Zuschauern noch vehement angefeindet worden war, kam es auf der ersten Etappe nur zu vereinzelten Unmutsbekundungen - beim Sturz aber auch zu Jubel. Mitfavorit Nairo Quintana (Kolumbien/Movistar) erlitt knapp außerhalb der Drei-Kilometer-Marke, nach der Pannen und Stürze von der Zeitmessung her folgenlos bleiben, einen Reifendefekt und verlor gar 1:15 Minuten. Die tückische Anfahrt zum Finale mit schmalen Straßen, mehreren Kreisverkehren und schließlich einer 90-Grad-Kurve forderte damit wie unter anderem von Kittel befürchtet ihren Tribut.

Kittel hatte 2013 und 2014 die Auftaktetappe der Tour gewonnen und jeweils das Gelbe Trikot geholt. In der laufenden Saison war er nur schwer in die Gänge gekommen, seine einzigen beiden Etappensiege feierte er im März bei Tirreno-Adriatico. Und auch am Samstag war er eher mit gedämpften Erwartungen gestartet. "Es wird auf jeden Fall ein sehr forderndes Finale werden", sagte er: "Ich sehe mich nicht als Topfavoriten."

Gaviria könnte Gelb verteidigen

Für Gaviria ist es am Sonntag durchaus möglich, Gelb erfolgreich zu verteidigen. Die zweite Etappe könnte ebenfalls mit einer Sprintankunft enden, das Finale nach 182,5 Kilometer zwischen Mouilleron-Saint-Germain und La Roche-sur-Yon in der Vendee ist aber anspruchsvoller als zum Auftakt, die Zielgerade deutlich ansteigend. Wie üblich ging am Samstag bei traumhaftem Sommerwetter am der französischen Atlantikküste praktisch mit dem scharfen Start eine Gruppe Außenseiter auf und davon. Die drei Franzosen Jerome Cousin (Direct Energy), Yoann Offredo (Wanty-Groupe Gobert) und Kevin Ledanois (Fortuneo-Samsic) fuhren unter dem Jubel ihrer Landsleute am Streckenrand rund vier Minuten Vorsprung heraus, ehe das große Feld aktiv wurde.

Die einzige kleine Bergwertung 28 Kilometer vor dem Ziel überrollte das Trio noch an der Spitze, perfekt nach Plan war das Feld bei der 10.000-m-Marke aber beisammen.

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Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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