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Die Folgen der Radsportsensation Girmay lässt ganz Afrika von der Tour träumen

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Man darf sich Biniam Girmay als einen sehr glücklichen Mensch vorstellen.

(Foto: picture alliance/dpa/BELGA)

Es ist eine der größten Sensationen der Radsportgeschichte. Der 21-jährige Eritreer Biniam Girmay gewinnt am Sonntag den Klassiker Gent-Wevelgem. Der Sieg des Youngsters könnte dem Radsport in Afrika auf die Beine helfen. Die Scouts der Spitzenteams sind alarmiert.

Am größten Tag seines noch jungen Sportlerlebens wollte Biniam Girmay weniger über sein schieres persönliches Glück als vielmehr über das große Ganze reden. "Das ist so wichtig für den afrikanischen Radsport. Für die Zukunft afrikanischer Fahrer wird dies so viel ändern", sagte der 21-Jährige aus Eritrea, nachdem er beim Klassiker Gent-Wevelgem als erster schwarzer Afrikaner ein WorldTour-Rennen gewonnen hatte.

Ein schlafender Riese erwacht, die Radsport-Welt wird zunehmend auf das gewaltige Potenzial Afrikas aufmerksam. Und Girmay und sein kleines ostafrikanisches Heimatland spielen dabei eine entscheidende Rolle. "Wir sind eine Rad-Nation, die Leute lieben den Sport. Radfahren ist die Nummer eins, wir haben das im Blut", sagte Girmay bei olympics.org, nachdem er im vergangenen Herbst sensationell U23-Vizeweltmeister geworden war: "Da haben Hunderte Menschen auf den Straßen gefeiert."

So weit wie das wirtschaftlich rückständige und von Kriegen gebeutelte Eritrea, wo die Liebe zum "ciclismo" der traurigen Zeit italienischer Kolonialherrschaft entstammt, ist Afrika in Sachen Radsport zwar in Gänze noch nicht. Unter den rund 550 Profis in den 18 WorldTour-Teams finden sich gerade einmal acht Afrikaner, vier davon weiße Südafrikaner, zudem drei Eritreer und ein Äthiopier. Dennoch ist der Trend unverkennbar.

Eritrea ist das neue Kolumbien

Kleinere und größere Rundfahrten wie die vom Tour-de-France-Organisator A.S.O. veranstaltete Tour of Rwanda etablieren sich, auch europäische Topteams nehmen teil. Und 2025 findet die Straßen-WM in Ruanda statt, das sich gegen eine marokkanische Bewerbung durchsetzte. "Es war ein großer Traum von uns, mit unserer größten Meisterschaft nach Afrika zu kommen", sagte Weltverbands-Präsident David Lappartient.

Afrika soll aber nicht nur bloße Kulisse sein, Profis wie Girmay wollen in den kommenden Jahren der mehrheitlich europäisch-südamerikanischen Konkurrenz auf Augenhöhe begegnen. Die ersten Etappensiege schwarzer Afrikaner bei der Tour de France werden "sehr bald" kommen, sagte Girmay: "Sie sind wirklich stark, smart und harte Arbeiter." Sein Landsmann Daniel Teklehaimanot trug bei der Tour 2015 bereits das Bergtrikot.

Die Bedingungen in Eritrea ähneln auffallend jenen in Kolumbien, dem größten "Exporteur" von Toptalenten: Girmay kann wie seine Landsleute in seiner Heimat bei mildem Wetter und in Höhenlagen zwischen 2300 und 3000 m trainieren. Gleiche Bedingungen finden sich auch in Äthiopien und Kenia, den beiden großen Läufernationen.

Doch gerade in letzterem liegt der im Vergleich zum Laufen ungleich ressourcenfordernde Radsport noch brach, derzeit gibt es keinen kenianischen Profi - den weißen Topstar Chris Froome, 1986 in Kenia geboren, einmal ausgeklammert. Anders als in Eritrea und Ruanda fehlt dort die staatliche Lobby und Unterstützung, anders als in Kolumbien haben die europäischen Talentspäher Ostafrika noch nicht als Casting-Schauplatz entdeckt. Dies könnte sich nach Girmays Triumph aber ändern. "Früher haben wir Afrikaner gesagt, okay, wir nehmen an den Rennen in Europa teil", sagte er, damit seien sie zufrieden gewesen. "Heute aber wollen wir die Rennen auch gewinnen - so wie jeder andere."

Quelle: ntv.de, sue/sid

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