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Emotionen, Siege, WM-Euphorie Halbfinal-Drama ist für DHB keine Niederlage

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Das (vorläufig) traurige Ende der großen Handball-Euphorie: Deutschlands Handballer verlieren das Halbfinale bei der Heim-WM gegen Norwegen.

(Foto: imago/Bernd König)

Mit einer überraschend deutlichen Niederlage gegen Norwegen platzt der deutsche Goldtraum bei der Heim-Weltmeisterschaft. Zur Unzeit erwischt die Handball-Auswahl von Bundestrainer Christian Prokop das "Spiel in dem es nicht läuft".

Es hatte nicht daran gelegen, dass irgendjemand, der es mit Deutschland hielt, nicht alles gegeben hätte. Hinter den Toren hielt es die Zuschauer mit ihren Deutschland-Trikots, den Fahnen und den mit der Flagge bemalten Gesichtern die komplette Spielzeit über nicht auf ihren Sitzen, sie standen hinter der Mannschaft, die in den vorangegangenen zwei Wochen eine Handball-Euphorie im Land losgetreten hatten. Atmosphärisch war kein Unterschied zu den Hauptrundenspielen in Köln bemerkbar, obwohl in der Hamburger Arena knapp 9000 Menschen weniger anwesend waren. Die Stimmung war fantastisch, es war der Gegner aus Norwegen, der den Goldtraum der deutschen Mannschaft zerstörte. Das 25:31 war am Ende einen Tick zu deutlich und es gab keinen Zweifel daran, dass die Skandinavier dieses stimmungsvolle Halbfinale zurecht gewonnen hatten.

Einen deutschen Erfolg gab es aber doch noch, und die Tatsache, wie der zustande gekommen war, zeigte eine Seite des Handballs, die diese Sportart liebenswert macht. Viele Fans hatten die Arena bereits verlassen, und die meisten Spieler waren damit beschäftigt, die vorangegangene Partie gegenüber den Medienvertretern zu analysieren, als sich die Söhne von Oliver Roggisch und Harald Reinkind ein kleines Duell lieferten. Weil der Teammanager der Deutschen und der Rückraumspieler bis zum Sommer gemeinsam bei den Rhein-Neckar Löwen waren und sich gut kennen, standen sie auf dem Feld der Arena und unterhielten sich, während der Nachwuchs spielerisch um einen Ball kämpfte. Irgendwann schnappte sich Roggisch junior das Spielgerät, lief in Richtung Tor und warf es unter dem Jubel der verbliebenen Zuschauer ins Netz. Die Väter lachten und offenbarten die Selbstverständlichkeit, die im Handball herrscht. Während der 60 Minuten wird erbittert gegeneinander gekämpft, anschließend respektvoll abgeklatscht und danach ist Zeit für ein freundschaftliches Miteinander.

Wuchtige Emotionen, dramatische Duelle

Die TV-Kameras fingen diese Szene nicht mehr ein, was deshalb schade war, weil es den mehr als zehn Millionen Zuschauern in Deutschland noch einmal vor Augen geführt hätte, warum es sich lohnt, Feuer für den Handball zu fangen. Die Heim-WM der deutschen Mannschaft hat genau das bewirkt, was sich die Verantwortlichen im Vorfeld gewünscht hatten - der Werbeeffekt war riesig, die Nationalmannschaft lieferte Emotionen, sie lieferte Siege in dramatischen Duellen - und sie beendete den Weg im eigenen Land mit einer Niederlage. "Es gibt immer wieder Spiele, in denen es nicht so gut läuft", sagte Patrick Wiencek, "leider hatten wir so ein Spiel heute im Halbfinale". Der Kreisläufer vom THW Kiel absolvierte die Frage-Antwort-Runde im Bauch der Hamburger Arena wie alle seine Teamkollegen mit einem Blick voller Traurigkeit. Die Deutschen hatten vorher fest an den Sieg geglaubt und deshalb war die Enttäuschung umso größer. Die Deutschen hatten alles gegeben und deshalb hatte die Mannschaft von Christian Prokop dieses Halbfinale auch weniger verloren, als es die Norweger gewonnen hatten.

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Die Norweger mit ihrem wuchtigen Kreisläufer Bjarte Myrhol waren den Deutschen klar überlegen.

(Foto: imago/Eibner)

Die Mannschaft von Christian Berge war schlicht besser als die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) und hatte nachdrücklich unter Beweis gestellt, dass es in den vergangenen Jahren Zeit hatte, sich in Ruhe zu entwickeln. 2016 war das immer noch junge Team überraschend in das Halbfinale der Europameisterschaft in Norwegen gekommen, verlor dort eine dramatische Partie gegen die Deutschen (33:34 nach Verlängerung) und machte seither die nötigen Entwicklungsschritte durch, um in Hamburg eine nicht nur spielerisch überzeugende, sondern eine sehr abgeklärte Leistung zu zeigen. "Norwegen hat verdient gewonnen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Mit Pekeler geht die Hoffnung

Der starke Mann im deutschen Handball bewies wie die Spieler auch ein feines Gespür für die Kräfteverhältnisse auf dem Platz und ließ den Norwegern ihren Raum für den Erfolg. Niemand versuchte sich an der kleinlichen Spielleitung der Schiedsrichter aus Tschechien abzuarbeiten, die damit den Deutschen ihre größte Stärke genommen hatten - die Aggressivität in der Deckung. Als Abwehrchef Hendrik Pekeler eine Viertelstunde nach der dritten Zeitstrafe die Rote Karte gesehen hatte, hatte das symbolischen Charakter. Mit ihm verließ die Hoffnung auf das Finale das Spielfeld.

Am Sonntag werden Pekeler und die Hoffnung wieder da sein, wenn die Deutschen im Spiel um Platz drei gegen Frankreich versuchen, die WM mit einer Medaille um den Hals zu beenden. Der von den Dänen mit einem 38:30-Erfolg eindrucksvoll entthronte Weltmeister stellt sich der DHB-Auswahl zum zweiten Mal in den Weg, in der Vorrunde gab es ein bitteres 25:25-Remis in letzter Sekunde.

Quelle: n-tv.de

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