Füchse Berlin holen MemHandball-Meister rückt mit zwei Superstars zur Weltauswahl auf

Die Füchse Berlin blasen zur Jagd auf die Trophäen: Mit der Verpflichtung von zwei neuen Superstars greift der deutsche Handball-Meister weiter ganz oben an. Der französische Nationalspieler Dika Mem hat zugesagt - und auch ein Torwart-Altmeister kommt nach Berlin.
Der deutsche Meister Füchse Berlin unterstreicht einmal mehr seine Vision einer titelreichen Zukunft und steht kurz davor, einen der besten Handballer der Welt in die Bundesliga zu holen. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat der französische Starspieler Dika Mem dem Hauptstadtklub zugesagt und soll nach seinem Vertragsende 2027 beim FC Barcelona an die Spree wechseln. Demnach müssen nur noch letzte Details geklärt werden.
"Er ist ein Weltklassespieler und als Weltklassespieler solltest du einmal in der NBA des Handballs spielen. Dika Mem ist ein kompletter Spieler, mit dem man die Champions League gewinnen kann", hatte Füchse-Boss Bob Hanning zuletzt gesagt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, soll der 28-jährige Mem in Berlin einen Vierjahresvertrag bis 2031 unterschreiben. Offiziell bekannt gegeben werden soll der Deal am Freitag. Hanning bestätigte das nicht - man sei "in Gesprächen".
Dazu hat auch der schwedische Keeper Andreas Palicka - sechsmaliger deutscher Meister und zweimaliger Champions-League-Sieger mit dem THW Kiel, Europameister (2022) und Vize-Weltmeister (2021) - den Füchsen für den Sommer 2026 zugesagt. Er soll einen Einjahresvertrag bekommen. Der 39-Jährige wird auf Dejan Milosavljev folgen, der zum polnischen Spitzenklub Kielce wechselt. Mit Eigengewächs Lasse Ludwig, der erst zum Jahreswechsel gemeinsam mit seinen Kumpels Nils Lichtlein, Matthes Langhoff und Tim Freihöfer seinen Vertrag bis 2030 verlängerte, soll Palicka das Duo fürs Tor bilden. Die vier stehen stellvertretend für die "Füchse-DNA". Selbst ausgebildete Spieler sollen dabei stets eine große Rolle im Klub spielen, sich aber mit Superstars in einem Team wiederfinden.
Angriff auf die Magdeburger Vormachtstellung
Ob die Füchse genau wie bei Simon Pytlick versuchen werden, den Mem-Transfer schon 2026 perfekt zu machen, bleibt abzuwarten. Fest steht in jedem Fall: Der künftige Berliner Rückraum mit Welthandballer Mathias Gidsel, Pytlick und Mem ist einzigartig. "Dann bist du im permanenten Wettkampf mit Magdeburg", schwärmte der ehemalige Füchse-Sportvorstand Stefan Kretzschmar zuletzt. Der SC Magdeburg ist derzeit mit großem Abstand Tabellenführer der Bundesliga und gewann im vergangenen Juni wieder einmal die Champions League - im Finale gegen die Füchse.
Dass mit Mem, der seit 2016 ausschließlich für Barcelona spielte, nun ein Linkshänder kommt, der auf der gleichen Position wie er zuhause ist, stört Gidsel nicht im geringsten. "Ich sehe einen möglichen rechten Rückraumspieler nicht als Konkurrenten. Für mich ist Handball sehr flexibel, und meine Trefferquote ist auf Rückraum links besser als auf Rückraum rechts, sodass ich problemlos etwas nach links rücken kann", erklärte er jüngst gegenüber TV2 Sport.
Mem hat im Handball nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Mit Frankreich darf er sich Olympiasieger, Weltmeister und Europameister nennen. Mit Barcelona gewann Mem dreimal die Champions League und neunmal die spanische Meisterschaft.
Deutschen Handball-Fans dürfte Mem außerdem aus dem Olympia-Viertelfinale 2024 bestens in Erinnerung sein - allerdings nicht mit gutem Ende für Mem. Sechs Sekunden vor Spielende führte Frankreich 29:28 - Mem hätte den Ball nur woanders hinwerfen müssen, warf ihn aber genau in die Hände von Julian Köster, der Renars Uscins' Tor und damit das Wunder von Lille einleitete. Deutschland gewann das Viertelfinale noch und holte sich am Ende Silber.
Pytlick ist enttäuscht von Flensburg
In Pytlicks Wechsel zu einem früheren Zeitpunkt ist erst am Mittwoch wieder Bewegung gekommen. Der Däne fühlte sich von seinem aktuellen Verein, der SG Flensburg-Handewitt, alleingelassen, nachdem bekannt gegeben wurde, dass er spätestens 2027 zu den Füchsen Berlin wechseln wird. Damit hatte er die Wut vieler Fans auf sich gezogen, denn erst ein gutes halbes Jahr zuvor hatte er seinen Vertrag verlängert - aber mit Klausel.
"Ich finde, es hätte der Führung gut angestanden, mich in dieser Situation etwas mehr zu unterstützen und etwas unterstützender in Bezug darauf zu sein, wie es mir erging. Aber so war es nicht. Das musste ich selbst bewältigen", sagte Pytlick im Interview mit bt.dk. Die Fans zeigten beim ersten Heimspiel nach der Bekanntgabe ein Banner mit der Aufschrift "Niemand ist größer als der Klub". Er sagt weiter: "Meine Teamkollegen waren unglaublich gut darin, mich zu fragen, wie es mir geht. Aber diese Dinge außerhalb des Feldes musste ich selbst regeln, weil es vonseiten des Vereins keinen Schutz für mich als Handballspieler gab - auch in Bezug auf die Fans."
Damit dürfte er deutlich gemacht haben, dass er sich nicht mehr sonderlich wohl fühlt und lieber früher als später wechseln möchte. Der Ärger der Fans und auch die Verwunderung des Klubs über den geplanten Wechsel mutet ein wenig merkwürdig an, weil die Flensburger den deutschen Nationalspieler Marko Grgic zu dieser Saison ebenfalls vor Vertragsablauf von Eisenach in den Norden geholt hatten.
Der finanzielle Spielraum der Berliner ist größer geworden. Laut Medienberichten hebt ein neuer hochdotierter Ausrüstervertrag - wohl mit Adidas - den Verein auf ein anderes Level. Zudem wurde der Vertrag mit dem Vermarkter verlängert. Und durch die Trennung von Kretzschmar und dem Abgang von Lasse Andersson werden zusätzlich Gelder frei. Die Position Kretzschmars als Sportvorstand hat Nicolej Krickau in Personalunion mit dem Traineramt übernommen - er erhält aber kein doppeltes Gehalt.