Sport

Über allem schwebt die Pleite Handballer starten Saison voller Endspiele

imago0048452176h.jpg

Es wird ein zäher Kampf in dieser Handball-Saison. Wirtschaftlich und sportlich. Paul Drux von den Füchsen Berlin und Sander Sagosen, der neue Superstar der Liga vom THW Kiel, wissen das.

(Foto: imago images/Camera 4)

Mit dem ersten Anwurf beginnt das Zittern: Die Handball-Bundesliga steht vor einer spannenden Saison. Ein zweiter Lockdown, so fürchten einige Verantwortliche, könnte das Ende der Liga bedeuten. Aber auch wenn der Spielbetrieb läuft, gibt es einen Haufen Sorgen.

Eine Sache ist so gut wie sicher: Auf dem Weg zur nächsten Handball-Meisterschaft führt wohl kein Weg am THW Kiel vorbei. Die Verantwortlichen der 20 Bundesligisten halten in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur fast alle den THW für den großen Titelfavoriten. Das ist aber auch alles, was klar scheint. Denn ob die am Donnerstag beginnende Spielzeit überhaupt zu Ende gebracht werden kann, weiß aktuell niemand. Wie viele der wirtschaftlich ohnehin kriselnden Klubs einen erneuten Saisonabbruch überhaupt überleben würden, ist ebenfalls unklar. Er hätte jedenfalls drastische Folgen.

"Ein weiterer Lockdown wäre kaum noch zu verkraften", sagt etwa Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin. Marc-Henrik Schmedt, der Manager des SC Magdeburg, rechnet damit, dass die Liga und damit auch die Vereine einen zweiten Abbruch "nicht überstehen" würden. Die HBL steht nicht nur aus diesem Grund vor der außergewöhnlichsten und schwierigsten Spielzeit ihrer Geschichte. Es gibt etliche Fragezeichen, die den Neustart am Donnerstag und die Monate danach begleiten.

Minusgeschäft trotz Fans

Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer, die den Klubs und ihren Verantwortlichen zumindest etwas Mut machen. Dass wieder vor ein paar Zuschauern gespielt werden kann, begrüßen die meisten Klubs. Die bis Ende Oktober geltende 20-Prozent-Regelung wird aber nur als erster Schritt angesehen. Für die Zukunft wünsche sich die gesamte Branche "natürlich mehr Zuschauer", sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Er hofft daher, "dass wir die Probephase bis Ende Oktober gut abschließen, dann die Zahl der Zuschauer an allen Bundesligastandorten erhöhen können".

Kiels Aufsichtsratschef Marc Weinstock wird noch deutlicher: "20 Prozent Zuschauer helfen uns nicht wirklich weiter." Der THW arbeitet bereits an Plänen, um mehr Fans in die Halle zu bekommen. Die Rhein-Neckar Löwen dagegen werden ohne Zuschauer starten, weil bei ihnen die Zeit nicht ausreichte, um das Hygienekonzept an die 20-Prozent-Regelung anzupassen. Nicht nur bei den Mannheimern wurde und wird gerechnet, wie sich mit den wenigen Zuschauern zumindest etwas Geld verdienen lässt. Manche Vereine dürften trotz einiger Hallenbesucher an den ersten Spieltagen sogar leichte Verluste einfahren, weil etwa die Hallenmiete oder andere Kosten die vergleichsweise geringen Zuschauereinnahmen übersteigen.

Sechs Teams spielen um den Titel - sagt der Bundestrainer

Darum hofft nicht nur Lemgos Manager Jörg Zereike, "dass so schnell wie möglich wieder vor unbegrenzten Kapazitäten gespielt werden kann." Es rechnet jedoch kaum einer der Klubbosse damit, dass das in dieser Saison noch gelingen wird. Man müsse sich nun langsam herantasten, meint Füchse-Manager Hanning. Angesichts der engen Spieltaktung wird es jedenfalls genügend Möglichkeiten geben, die entsprechenden Konzepte mit einem Teil an Zuschauern zu testen. Durch die Aufstockung der Liga von 18 auf 20 Teams wird es noch mehr Partien als sonst geben, hinzu kommen der ebenfalls eng getaktete Länderspielkalender sowie für die Spitzenklubs die Spiele im Europapokal.

Bundestrainer Alfred Gislason spricht deshalb von einer "ganz besonderen Saison durch die Wettkampfdichte". Obwohl sein Ex-Klub THW Kiel zu den Vereinen zählt, die in dieser ungewöhnlichen Spielzeit am meisten gefordert sein werden, gilt der Rekordchampion als großer Favorit auf den Titel. Nach der Verpflichtung des norwegischen Weltklasseprofis Sander Sagosen dürfte der Titelverteidiger sogar noch stärker sein als in der vergangenen Saison. Für Gislason haben in den Füchsen Berlin, den Rhein-Neckar Löwen, dem SC Magdeburg, der MT Melsungen, der SG Flensburg-Handewitt und eben Titelverteidiger THW Kiel aber gleich sechs Teams die Möglichkeit, um den Titel zu spielen.

Die SG Flensburg-Handewitt gibt sich kämpferisch: "Wir und auch andere Mannschaften möchten sicherlich ein gehöriges Wörtchen um die Meisterschaft mitreden", sagt Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Ob das gelingen wird, ist offen - wie so viele andere Dinge in dieser außergewöhnlichen Saison.

Quelle: ntv.de, Nils Bastek, dpa