Ernüchterndes Tournee-FazitHannawald: Deutschen Skispringern hat entscheidende Fähigkeit gefehlt
Als Sechster ist Felix Hoffmann bei der gerade beendeten Vierschanzentournee bester Deutscher, der Sieg ist für die DSV-Adler wieder einmal außer Reichweite. Sven Hannawald zieht deshalb ein wenig erfreuliches Fazit, auch weil er entscheidende Fähigkeiten vermisst.
Noch immer ist Sven Hannawald der letzte deutsche Sieger der Vierschanzentournee. Seit seinem großen Triumph 2001/02, als er als erster Skispringer alle vier Wettbewerbe gewinnen konnte, wartet Deutschland vergeblich auf einen Nachfolger. Auch in diesem Jahr hatten die DSV-Adler nichts mit dem Ausgang der Tournee zu tun. Hannawalds Tournee-Fazit fällt deshalb im Gespräch mit RTL/ntv und sport.de "wieder ein bisschen ernüchternd" aus: "Mir ist wieder aufgefallen, dass uns Deutschen dieses 'noch mal mehr Gas geben' nicht möglich war. "
Auch nicht bei Felix Hoffmann, als Gesamtsechster bester Deutscher und die einzig positive Überraschung - schließlich springt der 28-Jährige in diesem Winter erstmals ganz vorn mit. "Im Nachhinein haben wir auch gehört, dass Felix Hoffmann mit einer leichten Knieverletzung ins Rennen gegangen ist, was wir so natürlich im Vorfeld nicht wussten", sagt Hannawald über den Aufsteiger, der zumindest zum erweiterten Kreis der Siegkandidaten gezählt worden war: "Deswegen hätten wir vielleicht auch unsere Erwartungen von vornherein geschmälert."
Der zweifache Skiflug-Weltmeister kritisiert aber nicht nur die mangelnde Fähigkeit, im entscheidenden Moment über sich hinauszuwachsen, wie es bei der Vierschanzentournee immer wieder passiert. Dieses Mal etwa beim jungen Österreicher Stephan Embacher, der vor der Tournee nur ein einziges Weltcup-Podium vorzuweisen hatte - nun aber in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck jeweils auf Platz drei sprang und damit auch starker Gesamtdritter wurde.
Hannawald sieht außerdem ein Problem darin, wie die Deutschen mit Misserfolgen umgehen: "Ich sehe jetzt wenige Springer, die mal sauer sind oder einfach mal Luft rauslassen, weil es einfach nervt, dass sie es irgendwie nicht hinbekommen", und das stört ihn: "Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass da irgendwo einer brennt, vorwärtszukommen. Und das ist, glaube ich, so ein bisschen der Unterschied zu Österreich." Als positive Ausnahme erwähnt Hannawald Philipp Raimund, als Gesamtweltcup-Vierter aktuell stabilster Deutscher: "Der ist da voll Attacke, dem merkst du den Ehrgeiz an."
Auch deshalb ist der 19-fache Weltcupsieger (18-mal im Einzel, einmal im Team) mit Blick auf die Olympischen Winterspiele im Februar zumindest hoffnungsvoll gestimmt: "Es ist ein neues Spiel, es sind wieder andere Voraussetzungen. Die Schanzen sind anders, die gehen eher in Richtung von Engelberg, wo ja auch Felix Hoffmann super zurechtkam." Hoffmann war in Engelberg in den beiden Springen vor der Tournee Zweiter und Dritter geworden und deshalb zum Hoffnungsträger aufgestiegen.
