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Abgesang auf Skisprungidol Schmitt Hannawald zittert um Rekord

Deutschlands Skispringer waren mit großen Erwartungen in die Vierschanzentournee gestartet. Doch auf den deutschen Stationen erfüllen sich diese nicht. Für Martin Schmitt ist Schluss, dafür schwebt Österreichs Überflieger Gregor Schlierenzauer nach zwei Siegen auf Wolke sieben.

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Wir werden mal sehen, wann wir wieder einen Platz für ihn freimachen können": Martin Schmitt.

(Foto: REUTERS)

Das einstige Idol Martin Schmitt ist abgereist, der neue Hoffnungsträger Richard Freitag grübelt über seine Formkrise - nur Severin Freund hält das deutsche Fähnlein zur Halbzeit der 60. Vierschanzentournee hoch. Während Österreichs Überflieger Gregor Schlierenzauer nach zwei Siegen auf den Grand-Slam-Spuren von Sven Hannawald wandelt, erfüllten sich die Träume der DSV-Adler bislang nicht. "Wir wollten im Tagesgeschäft eine tragende Rolle spielen, das haben wir nicht ganz erreicht. Die Mannschaft hat es ziemlich zerwürfelt, nur Severin ist absolut im Soll", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Derweil bringt Schlierenzauer Skisprung-Legende Hannawald mit seiner Siegesserie um den Schlaf. Seit dem zweiten Erfolg des Jahrhunderttalents ist es mit der Ruhe beim Tournee-Triumphator von 2001/02 vorbei. Damals hatte der Deutsche als bislang einziger Springer alle vier Wettbewerbe der Tournee gewonnen. "Schlierenzauer lässt wirklich gar nichts anbrennen. Er ist eine Maschine und somit ein heißes Eisen für vier Siege in Serie und den damit verbundenen Jackpot von einer Million Schweizer Franken", ließ Hannawald verlauten. "Ich würde schon mal zittern, wenn ich der Hanni wäre. Die Chance ist sehr groß, dass der Gregor die vier Triumphe schafft", sagte Schuster. Die für den Gesamterfolg ausgelobten 20.000 Schweizer Franken seien Schlierenzauer ohnehin nicht mehr zu nehmen: "Der Gregor müsste sich schon den Fuß brechen. Sonst gibt er das Ding nicht mehr aus der Hand."

Freitag: "Mir fehlt die Lockerheit"

Für seine Schützlinge hieß es am einzigen Ruhetag der neuntägigen Flugshow, die bislang ganz im Zeichen von Schlierenzauer steht: Köpfe frei bekommen. "Für mich ist es schon ein bisschen blöd gelaufen. Mir fehlt die Lockerheit. Ich bin auf der Suche nach dem richtigen Gefühl, das man für gute Sprünge braucht", sagte Richard Freitag. Der 20 Jahre alte Sachse, der nach seinem ersten Weltcupsieg vor drei Wochen in Harrachov sogar als Geheimfavorit gehandelt worden war, zeigte sich von der neuen Situation bislang überfordert. "Da hatten sich alle mehr versprochen. Ich habe gedacht, er packt es. Aber es ist ziemlich viel eingeprasselt auf den Burschen", räumte Schuster ein.

Die Hoffnung auf einen Podestplatz hat der Coach aber nicht aufgegeben. "Richie muss jetzt aus diesem Tal herauskommen. Hoffentlich können wir am Ruhetag neu starten, damit er wieder frei von der Leber weg springt. Ich sehe weiter die Möglichkeit, mit Freund und Freitag um das Podest mitzukämpfen." Zumal Freund bisher überzeugte. Schuster traut seiner Nummer eins noch viel zu. "Ich sehe eine Perspektive, dass er in absehbarer Zeit wieder mal so ein Ergebnis wie voriges Jahr in Willingen machen kann. Sprich, dass er gewinnen kann", erklärte er vor den Wettbewerben in Innsbruck und Bischofshofen.

Freund liegt nach zwei Springen als Gesamtfünfter nur 6,1 Punkte hinter dem drittplatzierten Japaner Daiki Ito. "Severin hat noch die Chance auf Rang drei. Im Kampf um den Gesamtsieg fehlt uns aber noch die Routine, wenn es haarig wird", konstatierte Schuster.

"Martin hat wirklich tapfer gekämpft"

Eine schmerzhafte Erkenntnis musste auch Schmitt verkraften: Für den Ende des Monats 34 Jahre alt werdenden Routinier ist kein Platz mehr im Team. Schusters Eloge auf den "fairen Sportsmann", der zur Halbzeit aussortiert wurde, klang fast schon wie ein Abgesang. "Martin hat wirklich tapfer gekämpft, aber er ist nicht an seine Leistungen herangekommen. Er hat sich immer dem Konkurrenzkampf gestellt, dieses Mal hat er ihn nicht bestanden. Er will nichts geschenkt, ist noch nie durchgezogen worden. Ich hoffe, er krempelt noch einmal die Ärmel hoch."

So recht scheint der Coach aber nicht daran zu glauben, dass es Schmitt noch einmal packt. "An sich ist er schon noch ein Weltcup-Springer. Wir werden mal sehen, wann wir wieder einen Platz für ihn freimachen können. Da muss er aber definitiv besser springen. Ich kann nicht irgendeinen einfach raus tun." Auch ein Einsatz im Continentalcup sei unwahrscheinlich. "Wir brauchen unsere dortige Quote als Ausbildungsplätze, denn wir müssen eine Mannschaft für die Zukunft aufbauen." In diesen Plänen spielt Schmitt keine Rolle mehr. So klangen Schusters Worte nach Abschied: "Das Leben wird auch ohne Martin weitergehen."

Quelle: ntv.de, Eric Dobias, dpa

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