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Traum von Berlin-Medaille platzt Harting beißt sich für Heim-EM durch

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Einen letzten großen Wurf - den wünscht sich Robert Harting für die EM im eigenen Stadion.

(Foto: imago/Sebastian Wells)

Mit einer EM-Medaille will sich Diskuswerfer Robert Harting in Berlin in den Ruhestand verabschieden. Doch dieser Traum platzt: Eine Sehne im rechten Knie reißt. Der 33-Jährige beißt auf die Zähne - weil es für ihn zum Stil eines Leistungssportlers gehört.

Olympiastadion Berlin, 8. August 2018, gegen 21 Uhr: Diskuswerfer Robert Harting jubelt, zerreißt sein Trikot, tanzt mit Maskottchen Berlino über die blaue Bahn. So in etwa dürfte sich der 33-jährige Diskuswerfer seine letzte Teilnahme an einem Leichtathletik-Großevent - in diesem Fall der Europameisterschaft - erträumt haben. Eine ganz große Karriere würde mit einem perfekten Abschluss im "Wohnzimmer" des Berliners gekrönt werden. Dort, wo er im Jahr 2009 seinen ersten Weltmeistertitel mit völlig entfesselten Fans feiern konnte.

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Berlino ist - wie schon 2009 - das Maskottchen von Berlin.

(Foto: imago/Camera 4)

Doch die bittere Realität dürfte anders aussehen. Zum Olympiasieg, drei Weltmeistertiteln sowie zwei europäischen Goldmedaillen wird sich wohl keine weitere Auszeichnung gesellen. Schuld ist Hartings Quadrizepssehne im rechten Knie. Die ist gerissen. Just in der Vorbereitung auf sein letztes großes Event. Der Medaillentraum ist geplatzt, sogar die Teilnahme an der Heim-EM ist in Gefahr.

"Kann nur eine Standardweite werfen"

"Ich ziehe es nur durch, weil es Berlin ist. Überall woanders hätte ich gesagt: Danke, man muss erkennen, wann man das Deck verlassen muss", sagt der 33-Jährige. Und so beißt Harting auf die Zähne. Wo nicht mal Treppensteigen geht, will er weiter werfen. Irre, aber "ich werde trotzdem nicht aufgeben". Pläne bis zur EM will Harting allerdings nicht machen. Den bestehenden Plan hat seine Verletzung zu sehr durcheinandergewirbelt. Normales Training ist nicht möglich - gerade seine sehr individuelle Wurftechnik kann er durch die Verletzung nicht anwenden. Fazit: "Jetzt habe ich eben eine Standardtechnik, kann aber auch nur eine Standardweite werfen."

Die EM-Norm per se wäre für den 2,06-Meter-Hühnen kein Problem. Die liegt bei 64 Metern - "das stolpere ich schon hin". Aber das haben eben auch die anderen deutschen Diskuswerfer locker drin - und damit fängt das Hauptproblem an. "Die Qualifikation wird bei den Deutschen Meisterschaften ausgeworfen. Das sind die Nominierungsregeln. Es gibt keinen Freifahrtschein, das wäre auch unsportlich." Die anderen Jungs in der deutschen Spitze - allen voran sein Bruder Christoph, sowie Martin Wierig und Daniel Jasinski - sind gut drauf, das weiß Harting nur zu gut.

Nur drei dürfen am Ende bei der Europameisterschaft antreten, so knallhart ist die Leichtathletik. Da ist es egal, wie viele Titel Harting gesammelt hat, dass er schon über 70 Meter geworfen hat und dass er eben gern seine Karriere zuhause abschließen würde. Doch Harting bleibt dem Anspruch an sich selbst auch in der Leidenszeit treu: "Es gehört zum Stil eines Leistungssportler, das Oben, aber auch das Unten zu akzeptieren."

Dabei musste er das Unten in seiner Karriere ziemlich häufig akzeptieren: Im Herbst 2014 erleidet er einen Kreuzbandriss, der das WM-Aus für 2015 bedeutet, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio geht er mit einem Hexenschuss in die Qualifikation - und scheitert. Nun scheint es Harting nicht vergönnt, seine Karriere mit einem Erfolg abzuschließen. Sollte es anders kommen: Es ginge wohl als das "Wunder im Wohnzimmer" in die Leichtathletik-Geschichte ein.

 

Quelle: n-tv.de

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