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In Russland "leben Männer mit Frauen" Issinbajewa diskriminiert Homosexuelle

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Russlands Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa unterstützt die Gesetze in ihrem Land, auch wenn sie international Protest hervorrufen.

(Foto: dpa)

Nur wenige ausländische Athleten protestieren bei der WM in Moskau gegen Russlands Anti-Homosexuellen-Gesetze. Jelena Issinbajewa geht jede Kritik zu weit. Die Weltmeisterin beleidigt Schwule und Lesben - und das als Botschafterin der olympischen Jugendspiele.

Nach US-Athlet Nick Symmonds zeigen weitere Sportler bei der Leichtathletik-WM in Moskau Solidarität mit Schwulen und Lesben. Damit protestieren sie gegen die weltweit umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetze in Russland. In sozialen Netzwerken wie Twitter werden Symmonds und Co. für ihren Mut gefeiert. Die russische Stabhochsprung-Weltmeisterin Jelena Issinbajewa verurteilte die Protestaktionen gegen das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz hingegen öffentlich und bezeichnete Homosexualität dabei als nicht normal.

"Es ist nicht respektvoll gegenüber unserem Land und unseren Menschen", sagte die 31-Jährige, die als Unterstützerin des russischen Präsidenten Wladimir Putin gilt. Als Gäste hätten ausländische Athleten in Russland die Regeln zu akzeptieren: "Wir sind Russen, wir sind vielleicht anders als die Europäer, aber wir setzen unsere Regeln nicht über ihre." Zuvor waren die schwedische Hochspringerin Emma Green Tregaro und 200-Meter-Sprinterin Moa Hjelmer mit in den Farben des Regenbogens lackierten Fingernägeln in den Qualifikationen an den Start gegangen. Green Tregaro postete ein Bild bei Twitter.

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Die schwedische Hochspringerin Emma Green Tregaro lehnt das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz ab.

(Foto: imago sportfotodienst)

Der Regenbogen ist ein Symbol der Schwulen- und Lesben-Bewegung. "Sport hat auch etwas mit Respekt vor dem anderen zu tun. Deshalb denke ich, dass es eine nette Geste ist", begründete Green Tregaro gegenüber der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" die Aktion, die aus einer persönlichen Entscheidung resultierte. Wie Schwedens Teamsprecher Frederik Trahn mitteilte, hat sein Verband über das Thema nicht diskutiert. "Es ist allein Sache der Athleten", erklärte er.

"Bei uns leben Männer mit Frauen"

Das umstrittene russische Gesetz gegen "Homosexuellen-Propaganda" ist seit Juni in Kraft und hat weltweit Proteste ausgelöst. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) prüft gegenwärtig, ob das Gesetz Einschränkungen für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi bedeuten könnte und hat die russische Regierung um eine Erklärung zum genauen Inhalt gebeten. Aktivisten haben sogar zu einem Boykott der Spiele in Russland aufgerufen.

Issinbajewa verteidigte das Gesetz nun mit unverhohlen homophoben Äußerungen. "Wenn wir erlauben, all dieses Zeug auf den Straßen zu tun, müssen wir Angst um unsere Nation haben, weil wir selbst Normalbürger sind", sagte sie. Alles müsse seine Ordnung haben. "Wir hatten diese Probleme in der Geschichte nicht und wir wollen sie in der Zukunft nicht haben. Bei uns leben Männer mit Frauen, Frauen mit Männern."

IAAF schweigt

Der britische Weitsprung-Olympiasieger Greg Rutherford zeigte sich bei Twitter bestürzt über die Äußerungen: "Ich bin unglaublich enttäuscht von Issinbajewa und ihrer archaischen Haltung zu Schwulenrechten in Russland. Das zeigt, wie rückwärtsgerichtet einige Leute sind." In einem anderen Twitter-Post schrieb Rutherford, er sei überzeugt, dass weitere Athleten sich seiner Meinung anschließen würden. Issinbajewa sei "eine dumme Frau, die etwas Bildung brauche".

Zumal Issinbajewa nicht irgendeine Athletin ist. Die Stabhochspringerin ist nicht nur eine russische Sportheldin, sondern auch "Botschafterin" des IOC für die Olympischen Jugendspiele. Bei ihrer Ernennung im Jahr 2010 hatte IOC-Präsident Jacques Rogge sie als "wahres Vorbild für junge Leute" gelobt. Zudem soll sie Bürgermeisterin des Olympischen Dorfes in Sotschi werden und würde damit symbolisch auch schwulen und lesbischen Olympiateilnehmern vorstehen. Außerdem gehörte sie zum russischen Bewerberteam, das die Fußball-WM 2018 ins Land holte.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF teilte in einer Stellungnahme mit, dass man alle Meinungen respektieren müsse. "Die IAAF-Statuten unterstreichen unser Bekenntnis zu den Prinzipien der Nichtdiskriminierung in Fragen von Religion, Politik oder bei sexuellen Orientierungen", hieß es in der IAAF-Erklärung. Hinzu komme der Glaube an die freie Meinungsäußerung. "Deshalb muss man die Meinungen von Green Tregaro und Issinbajewa respektieren." Das IOC hat sich bislang noch nicht zu den Kommentaren von Issinbajewa geäußert, sich zuletzt aber besorgt über die Wahrung der Menschenrechte bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gezeigt.

Aus Protest gegen den Druck auf Homosexuelle in Russland hatte zuvor 800-Meter-Läufer Nick Symmonds seine WM-Silbermedaille seinen schwulen und lesbischen Freunden gewidmet. "Egal, ob du schwul, hetero, schwarz oder weiß bist: Wir alle verdienen dieselben Rechte", sagte der US-Amerikaner.

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa

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