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Doping in Dosen frei Haus Jan Ullrichs Mentor packt aus

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Stets gemeinsam: Rudy Pevenage und Jan Ullrich im Januar 1999.

(Foto: imago images/Nordiek)

Mit einem Buch über Dopingpraktiken im Profi-Radsport sorgt Rudy Pevenage für Wirbel. Mit ausgeklügelten Methoden ging der frühere Chef des deutschen Teams Telekom und Mentor von Jan Ullrich zu Werke. Der Belgier nennt viele Details der düsteren Machenschaften, die immer noch erschrecken.

Doppelwandige Cola-Dosen, Blutbeutel in Milchpaketen oder Codenamen für Doping-Kuriere: Was das Zeug für einen Spionage-Streifen hätte, beschreibt das ausgeklügelte Doping im Radsport. Rudy Pevenage, langjähriger Mentor von Jan Ullrich, hat ausgepackt. In seiner just erschienenen Biografie "Der Rudy" räumt der Belgier langjährige Dopingpraktiken ein und berichtet über die düsteren Machenschaften zu jener Zeit.

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Strahlender Sieger: Jan Ullrich bei der Tour de France 1997.

"Ich möchte niemanden verletzen, erzähle aber die Wahrheit darüber, was ich mitgemacht und gesehen habe", schrieb Pevenage, der Ullrich in seiner gesamten Profikarriere als Teamchef, Trainer und Betreuer begleitet hatte. 1997 gewannen sie die Tour de France, drei Jahre später krönte sich Ullrich zum Olympiasieger, dazu gewann er zweimal den Weltmeistertitel im Einzelzeitfahren, ehe 2006 im Zuge des Skandals um Dopingarzt Eufemiano Fuentes der tiefe Fall und das Karriereende folgten. Der Deutsche wurde 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof Cas wegen seiner Verwicklung in den Skandal zu einer zweijährigen Sperre verurteilt. Ein Jahr später gab Ullrich zu, Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen zu haben. Zu einer Stellungnahme zu Pevenages Buch war Ullrich nicht zu erreichen.

"Die Dose war doppelwandig"

Pevenage berichtet, wie er vor dem Tour-Start 2004 in Lüttich ein Hotelzimmer im nahen Kelmis mit einem Extra-Kühlschrank angemietet hat. Die Blutbeutel wurden in leeren Milchkartons verpackt. Ein früherer Mountainbiker mit dem Codenamen Ali Baba diente als Kurier und brachte den Fahrern die Pakete. "Am folgenden Abend kamen auch (die Ärzte) José Luis Merino und Eufemiano Fuentes zu uns. Es wurde eine Liste mit Fahrern erstellt, die Ali Baba als Träger besuchen musste. (...) Die Blutbeutel wurden sorgfältig in leere Milchkartons verpackt und mit einem Code versiegelt. Der Plan war, sie dem richtigen Fahrer gleich nach dem Abendessen in den jeweiligen Hotels zu übergeben."

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Als Radprofi hat Pevenage auch schon gedopt.

(Foto: imago images / Belga)

Mitunter wurde es auch brenzlig, wie bei einer Razzia 2001 in Italien, als Pevenage schnell eine Insulinspritze zerbrach und die Toilette hinunterspülte. Vergessen hatte er nur die raffiniert präparierte Cola-Dose - offenbar ohne Folgen. "Die Dose war doppelwandig, und man konnte sie oben aufschrauben, um Medikamente einzufüllen und aufzubewahren. Sehr praktisch. Durch die Doppelwand blieb der Inhalt kühl und war von außen nicht von einer echten Dose Cola zu unterscheiden", erklärt Pevenage. So perfekt ging es nicht immer zu.

Die Verbindungen zwischen Fuentes und Ullrich wurden auch durch eine Handy-Panne von Pevenage während des Giro d'Italia 2006 aufgedeckt. Als Ullrich das Einzelzeitfahren gewann, wollte Pevenage dies vor lauter Freude Fuentes mitteilen. Die Telefonkarte seiner Freundin sei aber leer gewesen, daher habe er sein eigenes Handy benutzt. "Das war nicht so schlau, sie haben ihn abgehört. So hatten die Ermittler und die spanische Polizei plötzlich meine Nummer", schrieb Pevenage, der auch Dopingpraktiken während seiner Karriere einräumte. Der Skandal um Fuentes war 2006 im Zuge der Operacion Puerto aufgeflogen. Zahlreichen Radprofis wurden die beim Arzt gelagerten Blutbeutel per DNA-Abgleich zugewiesen, auch Ullrich. Pevenage wurde vom T-Mobile-Team entlassen. Eine Rückkehr in den Radsport gab es für ihn nicht mehr.

Quelle: ntv.de, Stefan Tabeling und Roland Siegloff, dpa