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Olympia-Vergabe an Tokio Japans IOC-Mitglied unter Verdacht

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Der japanische NOK-Präsident Tsunekazu Takeda steht unter Korruptionsverdacht.

imago/AFLOSPORT

Dem Internationalen Olympischen Komitee steht offenbar ein neuer, großer Skandal ins Haus. Die französische Justiz ermittelt gegen Tsunekazu Takeda, den Präsidenten des Olympischen Komitees Japans. Es geht um Korruption bei der Vergabe der Spiele 2020 an Tokio.

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees in Japan, Tsunekazu Takeda, soll bei der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2020 an Tokio Bestechungsgeld gezahlt haben. Die französische Justiz hat im Dezember gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen aktiver Korruption eingeleitet. Das berichtete die Tageszeitung "Le Monde", die Behörden bestätigten das. Der 71 Jahre alte Takeda, seit 2012 gewähltes Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees IOC, steht unter dem Verdacht, mit knapp zwei Millionen Euro die Vergabe zugunsten Tokios beeinflusst zu haben. Er bestreitet das.

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Takeda und Thomas Bach.

(Foto: imago/Xinhua)

Die französischen Behörden ermitteln seit drei Jahren wegen möglicher Korruption bei der Olympiavergabe. Japans Hauptstadt hatte sich 2013 in Buenos Aires gegen Madrid und Istanbul durchgesetzt. Takeda gehörte dem Bewerbungskomitee in führender Position an. Das IOC sah bisher von Konsequenzen ab, weil für Takeda "die volle Unschuldsvermutung" gelte. Die Ethikkommission habe sich der Sache angenommen, hieß es.

Doch auch das IOC dürfte registriert haben, dass die Negativschlagzeilen nicht abreißen. Seit den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro sind nach Verfehlungen Mitglieder zurückgetreten oder wurden suspendiert. Zu den prominentesten Fällen gehörten Brasiliens IOC-Ehrenmitglied Carlos Nuzman, Irlands Ex-Exekutivmitglied Patrick Hickey und zuletzt Scheich Ahmad Al-Sabah aus Kuwait, der großen Anteil an der Wahl des Deutschen Thomas Bach zum Präsidenten des IOC hatte.

Welche Rolle spielt Papa Massata Diack?

Nun könnte es auch für Takeda eng werden, zumal wieder ein berüchtigter Name auftaucht. Takedas Zahlung soll das Geld an Black Tidings in Singapur gezahlt haben. Die Consulting-Firma steht in Verbindung mit dem Senegalesen Papa Massata Diack. Der Sohn von Lamine Diack, früherer Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF, gilt in gleich mehreren Korruptionsfällen der jüngsten Sportgeschichte als zentrale Figur.

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Auf der Fahndungsliste von Interpol: Papa Massata Diack.

(Foto: imago/Kyodo News)

Diack junior soll schon Einfluss auf die Stimmabgabe afrikanischer Länder bei der Wahl von Rio de Janeiro als Ausrichter der Olympischen Sommerspiele 2016 gehabt haben. Er steht seit 2015 auf der Fahndungsliste von Interpol, wird aber vom Senegal geschützt. Die Regierung des afrikanischen Landes weigerte sich bislang, ihn auszuliefern. Französische Richter hatten Takeda bereits Anfang 2017 zu der Zahlung befragt, konnten ihm aber kein Fehlverhalten nachweisen. Nun sind die Ermittler offenbar auf eine neue Spur gestoßen.

In Japan hatte das Olympische Komitee vor drei Jahren zur Aufklärung auch eine Kommission gegründet. Erwartungsgemäß sprach diese Takeda jedoch frei. Die Ermittler räumten zwar ein, dass das Geld an eine Agentur in Singapur geflossen sei, allerdings legal für Beraterdienste. Bezahlt wurde in zwei Raten, im Juli und Oktober 2013. Brisant: Die Entscheidung zugunsten Tokios fiel im September 2013.

Quelle: n-tv.de, sgi/sid/dpa

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