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Viele Trainingsstätten dicht Klappt Training für Olympia in Quarantäne?

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Schwimm-Weltmeister Florian Wellbrock kann in seiner Heimat trainieren - doch viele Sportlerinnen und Sportler wissen gerade nicht, wo sie sich auf Olympia vorbereiten sollen.

(Foto: imago images/Bernd König)

Nicht nur das öffentliche Leben fährt herunter, auch der Sport. Viele Trainingsstätten sind zu, doch Athletinnen und Athleten brauchen einen Ort, um sich auf die Olympischen Spiele vorzubereiten. Eine Option: die Abgeschiedenheit von Kienbaum bei Berlin. Es gibt aber auch Kritik an dem Plan.

Ein "Team-D"-Trainingszentrum in Zeiten der Corona-Pandemie? Der Gedanke hat angesichts der bundesweit stark eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten durchaus Charme, ist wegen der großen Herausforderungen und Risiken aber schwer umsetzbar. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) prüft zumindest die Möglichkeit, dass sich Top-Athleten in Kienbaum bei Berlin unter professionellen Bedingungen weiter auf Olympia vorbereiten können. Das bestätigte DOSB-Sprecherin Ulrike Spitz, auch Kienbaum-Geschäftsführer Klaus-Peter Nowack berichtete von "Sondierungsgesprächen". Eine finale Entscheidung sei angesichts offener Fragen noch nicht gefallen. "Wir sehen uns immer als Dienstleister von 'Team-D', aber die größte Priorität hat jetzt die Gesundheit der Sportler und auch der Mitarbeiter", sagte Nowack.

Aufgrund der möglichen Ansteckungsgefahr und auch aufgrund des Aufwandes würden einige Athleten die Einladung ohnehin ablehnen. "Im Vorfeld müssten alle Sportler und auch Trainer getestet werden. Da ist es besser, am jeweiligen Stützpunkt zu bleiben", sagte der dreimalige Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel aus Potsdam. Schwimmtrainer Frank Embacher aus Leipzig ist sogar "strikt gegen die Konzentration der Sportler in Kienbaum".

"Lieber in kleinen Gruppen vorbereiten"

Sollte dort ein Corona-Fall auftreten, "wäre das komplette deutsche Olympiateam lahmgelegt", sagte der frühere Erfolgscoach von Weltrekordler Paul Biedermann der "Leipziger Volkszeitung": "Wir sollten uns lieber in kleinen Gruppen vorbereiten." Hockey-Olympiasieger Martin Häner, der als Assistenzarzt in der Berliner Martin-Luther-Klinik arbeitet, hält "gemeinsamen Sport auf engstem Raum" in diesen Tagen für "sehr kritisch". Er gab aber auch zu bedenken: "Kienbaum ist riesig. Wenn man sich dort beim Training und auch danach aus dem Weg geht, wäre es vielleicht vertretbar".

Präsident Thomas Konietzko vom Deutschen Kanu-Verband (DKV) hält die DOSB-Idee "für brauchbar, wenn sich Sportler testen und dort isoliert untergebracht werden". Allerdings setzt er bei Athleten, die von den örtlichen Behörden eine Sondergenehmigung erhalten haben, weiterhin auf das Training an den jeweiligen Heimat-Stützpunkten. So hat etwa Schwimm-Weltmeister Florian Wellbrock eine Ausnahme-Genehmigung erhalten, trotz der Schließung eine Schwimmhalle nutzen zu dürfen. Sprinterin Gina Lückenkemper sucht derweil noch eine Lösung, sich auf die Leichtathletik-Wettbewerbe in Tokio vorzubereiten.

Genügend Unterkünfte und Trainingsmöglichkeiten sind in Kienbaum für den DOSB-Plan vorhanden, dort ist die Belegung seit Sonntag "auf Null runtergefahren", wie Geschäftsführer Nowack verriet. Eigentlich hätten sich dort diese Woche die deutschen Gewichtheber einquartieren sollen, doch sie haben von sich aus darauf verzichtet.

Quelle: ntv.de, tsi/sid