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Bestmarke um 17 Sekunden getoppt Klosterhalfen kultiviert Rekord-Wahnsinn

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Schon 2019 war Klosterhalfen in den USA wie hier über die Meile äußerst erfolgreich, nun knackte sie den Europarekord über 5000m in der Halle.

(Foto: AP)

Das deutsche "Jahrhunderttalent" über die Mittelstrecke schlägt wieder zu: Konstanze Klosterhalfen pulverisiert in den USA die nächste Bestzeit. Über 5000 Meter in der Halle läuft sie ihren ersten Europarekord. Weltweit stehen nur noch Äthiopiens Läuferinnen vor Klosterhalfen.

17 Sekunden für die Ewigkeit: Die deutsche Mittelstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen knackte in Boston den Hallen-Europarekord über 5000 Meter. Dabei pulverisierte sie die alte kontinentale Bestzeit der Rumänin Gabriela Szabo aus dem Jahr 1999 (14:47,35 Minuten). Es war Klosterhalfens erster Europarekord überhaupt. Die WM-Dritte über 5000 Meter setzte sich bei der Leichtathletik-Veranstaltung am Donnerstag (Ortszeit) in 14:30,79 Minuten durch.

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Beim Last-Chance Invitational-Meeting in Boston übernahm Klosterhalfen früh die Führung im 5000-Meter-Rennen und setzte sich klar vor den beiden US-Läuferinnen Vanessa Fraser (14:48,51 Minuten), die die zweitschnellste US-Zeit in der Hallengeschichte lief, und Emily Infield (14:51,91 Minuten) durch. Die Strecke wird selten in der Halle gelaufen, weltweit waren bislang nur drei Athletinnen jemals schneller. Genzebe Dibaba aus Äthiopien hält den Weltrekord mit einer Zeit über 14:18,86 Minuten aus dem Jahr 2015 und hat über die Distanzen von 1000 bis 5000m alle jemals gelaufenen schnellsten Hallen-Zeiten erzielt. Ihre Landsfrauen Meseret Defar und Tirunesh Dibaba sind die einzigen, die auf 5000m in der Halle ebenfalls schneller als Klosterhalfen unterwegs waren.

Um schier unglaubliche 45 (!) Sekunden steigerte das deutsche "Jahrhunderttalent" mit dem Lauf in Boston ihren eigenen Indoors-Rekord. 2019 war Klosterhalfen 15:15,80 Minuten über 5000 Meter in der Halle gelaufen. Den nun geknackten deutschen Rekord lief Irina Mikitenko 2001 in 14:55,99 Minuten. In der Halle sind Läuferinnen und Läufer etwas langsamer als bei Freiluft-Wettkämpfen. Draußen lief sich "Koko" bei den Finals in Berlin im vergangenen Jahr zur 13.-schnellsten Frau aller Zeiten in 14:26,76 Minuten. Der Weltrekord liegt seit 2008 bei der unschlagbar scheinenden Zeit von 14:11,15 Minuten, erstellt durch die Äthiopierin Tirunesh Dibaba.

Deutscher Rekord über die Meile

Klosterhalfen entwickelte ihre Leistung seit dem Schüler- und Jugendalter prozessartig weiter. Im Herbst 2018 ging sie in die USA, um beim Nike Oregon Project (NOP) den nächsten Schritt zu machen. Der Cheftrainer und Gründungsvater der Laufgruppe, Alberto Salazar, wurde am 1. Oktober 2019 wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt, das NOP wurde kurz darauf geschlossen. Die deutsche Läuferin hatte stets betont, dass Pete Julian, damals der Assistenztrainer von Salazar, ihr Coach in Oregon sei.

Nun trainiert sie weiterhin unter Julian und erreicht immer größere Leistungssprünge. Mit ihren erst 23 Jahren ist "Koko" endgültig in der Weltspitze angekommen. Erst Anfang Februar hatte die Läuferin bei den prestigeträchtigen Millrose-Games in New York die deutsche Hallen-Bestmarke über eine Meile (1609 Meter) auf 4:17,26 Minuten verbessert. Ein Jahr zuvor hatte sie an gleicher Stelle in 4:19,98 Minuten den deutschen Hallenrekord über diese Strecke gebrochen. Klosterhalfen hält auch die deutschen Rekorde über die Meile, 3000m und 5000m an der freien Luft. 

Das "Jahrhunderttalent" sieht sich in ihrem Training in den USA bestätigt, das dieses Jahr auf ein einziges Ziel hinsteuert: die Olympischen Sommerspiele in Tokio. In der derzeitigen Form zählt "Koko" zu einer der ernstzunehmenden Medaillen-Kandidatinnen.

Quelle: ntv.de, mit dpa