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Attacke nach Olympia-Debakel Loch fühlt sich "nicht zu blöd zum Rodeln"

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Nach dem Debakel in Kurve neun bei den Olympischen Spielen will Felix Loch sich selbst beweisen

(Foto: REUTERS)

Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang erlebt Felix Loch die größte Enttäuschung seiner Karriere. In der berüchtigten Kurve neun vergibt der Erfolgsrodler das sichere Gold. Dass er seinen Schlitten aber immer noch beherrscht, will er diese Saison beweisen.

Das Vertrauen in die eigene Stärke fand Felix Loch nach seinem Olympia-Debakel ziemlich schnell wieder. Nur zwei Wochen nach dem enttäuschenden fünften Platz in Pyeongchang lag der Rennrodler noch einmal auf seinem Schlitten und schoss bei einem Materialtest den Eiskanal im französischen La Plagne hinunter - so, als habe es den verheerenden vierten Lauf in Südkorea nie gegeben. Seine Erkenntnis: "Ich kann noch Rodeln, ich bin nicht zu blöd dafür." Neun Monate ist das jetzt her.

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Einen langen Sommer und eine kräftezehrende Vorbereitung später will der Berchtesgadener ab Samstag beim Weltcup-Auftakt in Innsbruck-Igls wieder angreifen. "Olympia ist abgehakt, im Sport kann nicht immer alles funktionieren. Es geht weiter", sagte Loch. Ärger oder Frust sind dem 29-Jährigen nicht anzumerken. Vielmehr will Loch seine große Qualität beweisen, nachdem er bei Olympia wegen eines Fahrfehlers in der mittlerweile berüchtigten Kurve neun seine komfortable Führung und damit das historische dritte Einzel-Gold hergeschenkt hatte.

Sein Hauptziel in dieser Saison: Die Heim-Weltmeisterschaften in Winterberg. Dort kann sich Loch zum sechsten Mal zum Einzel-Champion krönen. "Eine Medaille ist das Ziel", sagte der Gesamtweltcup-Sieger der vergangenen Saison mit Blick auf die oft schwierigen Witterungsbedingungen zurückhaltend: "Ich kann noch nicht einschätzen, wo ich im internationalen Geschehen stehe. Das wird erst Innsbruck zeigen." Weil nur Medaillen-Gewinner für das deutsche Weltcupteam gesetzt sind, musste sich Loch erstmals seit 2007 wieder über Selektionsrennen für den Kader empfehlen - und schaffte das problemlos.

Eitberger greift Geisenberger an

Am Wochenende gehört Loch selbstredend zu den Favoriten. Als größte Konkurrenten gelten Sensations-Olympiasieger David Gleirscher, Weltmeister Wolfgang Kindl (beide Österreich), Dominik Fischnaller (Italien), Roman Repilow und Europameister Semen Pawlitschenko (beide Russland). Im eigenen Team drängt sich Johannes Ludwig, der in Pyeongchang von Lochs Fehler profitiert hatte und Dritter geworden war, am meisten auf. Shootingstar Gleirscher kann Loch nicht einschätzen: "Ich bin gespannt, wie er sich schlägt." Bei den Frauen gehen die Athletinnen des deutschen Bob- und Schlittenverbandes um Olympiasiegerin Natalie Geisenberger als große Favoriten in den Weltcup.

Weltmeisterin und Dauerrivalin Tatjana Hüfner, in Pyeongchang ohne Medaille, landete im vergangenen Jahr nur ein Mal vor Geisenberger. Dafür drängt sich Dajana Eitberger nach ihrer Silbermedaille in Südkorea immer mehr in den Vordergrund. "Es ist das erste Jahr, in dem ich mich im Sommer nicht mit Wehwehchen rumschlagen musste", sagte Eitberger. "Ich habe mich fahrtechnisch unheimlich weiterentwickelt. Es macht so viel Spaß. Diesen Flow nehme ich mit." Topfavoritin Geisenberger hingegen hat wegen einer Rückenverletzung eine komplizierte Vorbereitung hinter sich und "ist nicht dort, wo ich gern sein würde", sagte sie: "Aber das ist nur logisch."

Das deutsche Dauerduell bei den Doppelsitzern der Männer findet in Innsbruck doch statt: Toni Eggert, zusammen mit Sascha Benecken in Pyeongchang Dritter, sollte wegen eines Wadenbeinbruchs aus dem Oktober zum Auftakt zunächst noch geschont werden, doch unter der Woche gab der Arzt grünes Licht. Die Olympiasieger Tobias Wendl und Tobias Arlt haben daher schon zum Auftakt starke Konkurrenz aus dem eigenen Team.

Quelle: n-tv.de, Moritz Löhr, sid

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