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Football schlägt Fußball Messi-Gehälter? Nicht in der NFL

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Er bekommt sehr viel Geld: Fußballspieler Lionel Messi.

(Foto: REUTERS)

Deutschland ist ein Fußball-Land. Klar. Doch auch der Football boomt. Aber sind NFL und Bundesliga wirklich so verschieden? Wo kann der Fußball etwas beim Football abgucken? Wie unterscheidet sich das Leben als Fan? Was bieten jeweils Fernsehen und Internet? Und wo wird mehr gemeckert? Ein Vergleich: NFL vs. Bundesliga.

Wieso stehen immer elf Spieler auf dem Feld?

Eine offensichtliche Sache haben Football und Fußball gemeinsam: Beides wird auf einem rechteckigen Feld gespielt - meistens in Grün. Bei beiden Sportarten stehen auch pro Team elf Spieler auf dem Platz. Aber da fangen schon die Unterschiede an. Beim Fußball dürfen drei Spieler ausgewechselt werden, klammern wir die Verlängerungen mal aus. Beim Football wird fliegend gewechselt. In der NFL gibt es normalerweise elf Offensiv-Spieler, elf Defensiv-Spieler, dazu sehr viele Ersatzleute und Special-Teams. Also Spieler, die nur für bestimmte Spielzüge zuständig sind. Aber warum stehen immer elf Mann auf dem Platz?

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"Mr. Irrelevant": Trey Quinn von den Washington Redskins.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Das stammt wohl aus der Gründerzeit des Fußballs. In den britischen Unis wohnten demnach immer zehn Studenten in einem Schlafsaal - dazu kam ein Aufseher. Der Legende nach wurde das 1870 durch den englischen Fußballverband das Vorbild für die elf Mann beim Fußball. Über die Jahre landete das dann auch beim Football. Ein NFL-Team besteht aus 53 Spielern, die auch alle an der Seitenlinie stehen dürfen. Deswegen ist es da auch immer so voll, deswegen stehen die Teams auch auf unterschiedlichen Seiten des Feldes und nicht nebeneinander auf einer Seite. Die Zusammenstellung eines NFL-Teams funktioniert auch ganz anders als beim Fußball. Hohe Ablösesummen gibt es in diesem Sinne nicht. Es kann also kein Real Madrid oder Paris Saint-Germain kommen und alles wegkaufen. Die NFL hat schon früh erkannt, dass eine ausgeglichene Liga mehr Anreiz hat. Deswegen gibt es die Draft und den Salary Cap.

Über das Draft-System wird jeden Sommer gewährleistet, dass das schlechteste Team der Vorsaison den besten Nachwuchsspieler vom College auswählen darf. Vereinfacht gesagt kommt dann das zweitschlechteste Team dran und wählt den zweitbesten Spieler - und so weiter. Dabei können Teams aber Draft-Plätze handeln oder tauschen. Insgesamt werden so 256 Spieler gedraftet. 2018 war der Number 1-Pick Quarterback Baker Mayfield, der zu den Cleveland Browns ging. Nummer 256 wird "Mr. Irrelevant" genannt - Mr. Unwichtig ist in aktuell Trey Quinn aus Washington.

Der zweite Punkt, der die 32 NFL-Teams ausgeglichener macht, ist der Salary-Cap - also die Gehaltsobergrenze. Die wird für alle Teams festgelegt. Aktuell liegt sie bei jeweils 177 Millionen Dollar, also etwa 153 Millionen Euro. So viel dürfen die Teams für Gehälter ausgeben. Dazu kommen noch diverse Bonusmöglichkeiten, so dass trotzdem Summen über dreistellige Millionen-Beträge für einen Spieler zusammenkommen können. Das System dahinter ist extrem kompliziert - aber auch extrem fair. Es besagt übrigens auch, dass jeder Spieler mindestens etwa eine halbe Millionen Dollar pro Jahr verdienen muss, das sind 433.000 Euro. Lionel-Messi-Gehälter wie im Fußball? Fehlanzeige. Der Topspieler des FC Barcelona soll 106,3 Millionen Euro pro Jahr verdienen. Das sind fast 300.000 Euro an einem Tag.

Keine Aufsteiger - aber Umzüge ganzer Teams

Die Fußball-Bundesliga besteht aus 18 Mannschaften. Jedes Jahr steigen zwei oder drei Klubs ab - manchmal auch der Hamburger SV. Es steigen dann neue Teams auf und so mischt sich die Liga immer neu. Das gibt es in der NFL nicht. Da sind es 32 Teams und es bleiben 32. Es gibt auch keine zweite Liga. Es kann aber passieren, dass ein Team die Stadt wechselt.

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Von Kalifornien in die Wüste: Die Oakland Raiders zieht es nach Las Vegas. Das würde für die Fans eine anderhalbstündige Flugreise bedeuten.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Die vergangenen Jahre sind erst die Chargers von San Diego zurück nach Los Angeles gezogen. Genau wie die Rams, die von St.Louis nach L. A. gingen. Die Oakland Raiders spielen ab 2020 in Las Vegas. In der Vergangenheit wurde die NFL aber auch immer wieder erweitert - zuletzt 2002, als die Houston Texans als komplett neues Team dazu kamen. Es wird immer wieder spekuliert, ob nicht ein Team nach London gehen sollte. Auch ein Team in Mexiko City soll Thema sein. So schnell wird das sicher nicht gehen.

Beim Fußball heißt es ja immer: "Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten". Beim Football ist der Ball bekanntlich nicht rund und das Spiel dauert 60 Minuten - netto. Bei bestimmten Spielzügen wird die Uhr angehalten, was ein großer Teil der Taktik ist. So kann auch Sekunden vor Schluss noch eine Partie gedreht werden. Das "Minnesota-Miracle" hat das vorige Saison eindrucksvoll bewiesen.

Keine Bratwurst und Ticketpreise über 100 Euro

Kommen wir zum Fan-Erlebnis. Da liegt durchaus die Bundesliga in einigen Punkten vorn. Es gibt pro Saison für jede Mannschaft 17 Heimspiele und 17 Auswärtsspiele. Als Fan habe ich also mehr Chancen dabei zu sein. In der NFL sind es insgesamt nur 16 Saisonspiele bis zu den Playoffs. Wenig Angebot + hohe Nachfrage = extreme Ticketpreise. Unter 100 Dollar ist in Playoff-Partien kaum etwas zu machen. Auch Essen und Getränke kosten einiges mehr als in der Bundesliga. Eine klassische Bratwurst wird man bei Patriots oder Dolphins kaum finden. Dafür aber Hotdogs, Nachos, Popcorn und Colabecher in der Größe einer Regentonne.

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Unser Autor Matthias Gindorf beim Super Bowl LII. in Minneapolis.

Wer sich das NFL-Erlebnis nicht leisten kann, geht am besten zum Tailgating. Direkt vor den Stadien versammeln sich Fans mit Fernseher, Grill, Getränken und teilweise ganzen Couch-Garnituren, um das Spiel gemeinsam zu gucken. So gut wie jeder trägt ein Trikot seiner Mannschaft. Die sind zwar auch extrem teuer, bleiben aber immer gleich. Die Farben sind Tradition. Da kommt niemand mit neuen Mint-Farbtönen, wie der FC Bayern kürzlich. Ärger mit merkwürdigen Sponsoren gibt es in der NFL auch nicht. Trikotwerbung wie beim Fußball ist nicht erlaubt.

Gindorf und die NFL

Matthias Gindorf ist Football-Fan, seit die Buffalo Bills viermal in Folge den Super Bowl verloren. Er berichtet über die NFL - auch aus den Stadien. In seinem Blog beimfootball.de geht es um den Blick auf die Liga und die Spiele, mit Interviews und Expertentalks.

Wo die Fußball-Bundesliga wirklich noch etwas von der NFL lernen kann, ist bei der Vermarktung. Das Geld vom Fernsehen hat schwindelerregende Höhen erreicht. Es geht da in den Bereich von mehreren Milliarden (!) Dollar pro Saison. Clevere Leute haben mal ausgerechnet, dass jedes einzelne Spiel etwa 40 Millionen Dollar wert ist, also knapp 35 Millionen Euro. Davon ist die Bundesliga weit entfernt.

Mit nur einem Abo sind sie dabei

Was war das Geschrei im Fußball groß, als die Fernsehrechte neu vergeben wurden. Plötzlich zeigt der Bezahlsender Sky nicht mehr alle Bundesligaspiele. Dafür brauche ich jetzt den Europsport Player. Bei der NFL läuft das anders: Viele Spiele laufen im Free-TV in den großen Networks - also CBS, Fox und NBC. Manche gibt es auch im eigenen NFL-TV. Auch Amazon Prime streamt. Die beste Lösung ist der NFL-Gamepass, ein weltweites Streaming Angebot. Da gibt es alle Spiele, mit Originalkommentar, original Werbepausen, auf Smartphone, Tablet, TV oder PC gestreamt. Kosten: 150 Euro. Einfacher geht's nicht. Bei den Diskussionen über Anstoß- und Kickoff-Zeiten nehmen sich Fußball und Football dagegen nichts. In der Bundesliga sind es bis zu sieben verschiedene Uhrzeiten. In der NFL ist der Hauptspieltag der Sonntag - mit drei Anstoßzeiten nacheinander. Als ein "Thursday Night Game" dazukam, war das Gejammer groß. Dagegen ist es eine Ehre, den Spieltag mit dem Monday Night Game abzuschließen. In der Bundesliga will niemand so wirklich am Montag spielen.

Ein Videobeweis, der funktioniert

Zum Schluss der größte Zankapfel der Fußball-Fans: der Videobeweis. Es wird besser, Diskussionen gibt es aber immer noch. In der NFL funktioniert das System bestens - seit über 20 Jahren. Der Schiedsrichter verkündet über ein Mikrofon fürs Stadion und für die Fernsehzuschauer alle Entscheidungen, Trainer können Entscheidungen überprüfen lassen und keine Talkrunde hält sich damit auf.

Fazit: Die NFL ist in Sachen Technik, Vermarktung und Spektakel zu Recht die erfolgreichste Liga der Welt. Die Bundesliga ist dagegen für jeden Fan noch erschwinglich und man hat länger was davon. Eine NFL-Saison dauert nur fünf Monate. Die Bundesliga macht im Sommer kaum drei Monate Pause.

Quelle: n-tv.de

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