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Nach Tunesien ist vor Algerien Michael Kraus ist zurück

Vor dem ersehnten Comeback hatte er einen gehörigen Respekt, danach einen mächtigen Muskelkater: Mit speziellen Einlagen, fest umwickelten Waden und großer Spiellust ist Regisseur Michael Kraus bei der Handball-WM in Kroatien in die Nationalmannschaft zurückgekehrt.

Nur eine Woche nachdem er sich seine Wadenverletzung zugezogen hatte, feierte der 25-jährige Lemgoer beim 26:24-Sieg gegen Tunesien am Sonntag in Varazdin mit drei Toren ein starkes Comeback. "Ich habe mich auf das Spiel gefreut. Wie gegen Russland auf der Tribüne zu sitzen, ist gar nichts für mich. Die Wade hält. Aber das fühlt sich jetzt an wie ein sehr starker Muskelkater", berichtete Kraus.

Noch nicht wieder der Alte

Er ist noch lange nicht wieder der Alte. Doch bei seinen Teileinsätzen hat Kraus seine Klasse aufblitzen lassen und mit seinen Treffern sowie seiner Dynamik und Spielleitung den Titelverteidiger zum ersten Erfolg bei der WM geführt. "Ich bin zufrieden, dass er wieder dabei ist. Er hat noch Steigerungspotenzial, aber das ist ja normal", urteilte Brand über seinen Mittelmann.

Auch wenn Kraus insgesamt nur gut 20 Minuten gegen Tunesien gespielt hat, fühle er sich, "als hätte ich 60 Minuten gespielt". Immerhin musste er nicht nur die jüngste Wadenverletzung auskurieren, sondern hatte zuvor seit November wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel sechs Wochen lang nicht spielen können. So wusste er nicht, was er kann und wie sein Körper auf die erste volle Belastung reagiert. "Vor dem Spiel hatte ich zwar keine Angst, aber schon Respekt. Als ich dann gemerkt habe, dass alles geht, habe ich mir auch immer mehr zugetraut. Jetzt ist die Verletzung zu 99 Prozent auch aus dem Kopf heraus. Aber mir fehlen noch 20 bis 30 Prozent zu meiner Spritzigkeit", erzählte der Schwabe.

Über sieben Millionen Menschen vor dem Fernseher

Für sein Comeback, das bis zu 7,24 Millionen Zuschauer bei RTL nach Angaben des Privatsenders vom Montag verfolgten, hatte Kraus in der vergangenen Woche die ganze Kunst der medizinischen Abteilung um Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier über sich ergehen lassen. Mit Akupunktur, Schröpfen, Lymphdrainagen, entzündungshemmenden Medikamenten und Physiotherapie aller Art wurde "die Wade der Nation" behandelt. Im Spiel gegen Tunesien war nicht nur die lädierte linke Wade fest mit einem Tapeverband umklebt, sondern auch die rechte mit einer Bandage stabilisiert. "Das ist Prophylaxe", sagte Kraus. Dazu trug er im Schuh eine spezielle Einlage, die an der Außenseite höher ist und so den versehrten Muskel entlastete.

Um wieder in Form zu kommen, legte Kraus noch eine extra Trainingseinheit ein. Zudem will er gegen Algerien wieder nur zeitweise mitwirken und einen Tag vor dem ersten WM-Ruhetag seinem jungen Clubkollegen Martin Strobel, mit dem er sich das Zimmer teilt, erneut den Vortritt lassen. Kraus: "So ist das ausgemacht. Wenn ich jetzt noch zwei Tage Pause habe, ist das gut für die Wade. Dann kann ich danach wieder richtig Gas geben." Am Mittwoch und Donnerstag stehen mit den Partien gegen Mazedonien und den WM-Zweiten Polen die entscheidenden Spiele für den Einzug in die Hauptrunde auf dem Programm.

Quelle: n-tv.de, Von Martin Kloth, dpa

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