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"Der perfekte Weg" Murray brilliert auf dem Tennis-Thron

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Noch Fragen? Andy Murray, die Nummer eins.

(Foto: imago/PanoramiC)

Es ist das überragende Jahr des Andy Murray. In der zweiten Saisonhälfte präsentiert sich der Schotte auf dem Tennisplatz nahezu unschlagbar. Nun deklassiert er auch noch Dauergegner Novak Djokovic - und könnte für lange Zeit ganz oben stehen.

Nach dem erfolgreichsten Jahr seiner Karriere wollte der Weltranglistenerste Andy Murray einfach nur in die Heimat. Statt bei Feuerwerk und Konfettiregen die nächsten großen Ziele auszurufen oder seine glänzenden Zukunftsaussichten zu bejubeln, dachte der Schotte erst einmal an die freie Zeit nach einer kräftezehrenden und langen Saison. "Ich freue mich, jetzt endlich wieder nach Hause zu kommen. Wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen und meine Familie zu sehen."

Wimbledon-Gewinner, Olympiasieger, ATP-Weltmeister, Nummer eins der Welt und das alles in weniger als einem halben Jahr: Ungläubig hatte der 29-Jährige am Sonntagabend ins Publikum gestarrt, bevor er den 6:3, 6:4-Sieg gegen Dauergegner Novak Djokovic im Finale der ATP-WM begriffen hatte. "Ich habe das niemals erwartet. Die letzten Monate waren die besten meiner Karriere. Diese Partie war der perfekte Weg, die Spielzeit zu beenden." 24 Partien und fünf Turniere in Serie gewann er, seit über zwei Monaten hat Murray kein Spiel mehr verloren.

Weiter mit Boris Becker?

Nach dem Siegeszug ist nun Zeit für den Urlaub: Zwei Wochen, die Hochzeit seines Vaters in Schottland inbegriffen, erwarten ihn, bevor es noch vor Weihnachten schon wieder zum Trainieren nach Miami geht. Mit einem neuen persönlichen Bestwert von 12.685 Punkten überwintert der Olympiasieger von Rio nun auf dem Tennis-Thron. Damit steht er fast 1000 Zähler vor Becker-Schützling Djokovic, der die Rückkehr auf Platz eins mit dem verlorenen Finale bei der ATP-WM verpasste. "Eigentlich dachte ich, dass ich erst Anfang nächsten Jahres eine Chance auf Platz eins im Ranking haben würde", sagte der erstaunte Murray, der sich nach der Zeremonie mit seinen zwei großen silbernen Pokalen vom euphorischen britischen Publikum verabschiedete.

Dass er seinen serbischen Widersacher schon jetzt überholt hat, gibt ihm glänzende Perspektiven für das Jahr 2017: Während Murray in der ersten Hälfte nicht viele Punkte zu verlieren hat, muss Djokovic bei den Australian Open, den French Open, in Indian Wells und Miami jeweils den Titel verteidigen, um keine weiteren Zähler einzubüßen. Bis Wimbledon im Juli dürfte der Schotte also kaum zu verdrängen sein. "Epischer Start in das Jahr von Novak, episches Finish in diesem Jahr von Andy", twitterte der sechsmalige ATP-WM-Sieger Roger Federer. "Er ist definitiv die Nummer eins der Welt. Er ist der beste Spieler und er verdient es, diesen Titel zu gewinnen", lobte auch Djokovic.

Im sechsten Anlauf hatte er erstmals das Endspiel beim Jahresabschluss verloren. "Wir sollten Andy diesen Moment ein bisschen genießen lassen und nicht jetzt schon Fragen zur neuen Saison stellen." Die wichtigste Frage zu seiner eigenen Zukunft blieb zunächst unbeantwortet: Ob er weiterhin mit Trainer Boris Becker zusammenarbeitet oder nicht. Immerhin hatte Djokovic nach einer mental schwierigen Phase im zweiten Halbjahr bei den World Tour Finals wieder zu seiner Form zurückgefunden und souverän das Finale erreicht. Dort musste er sich einem stärkeren Gegner geschlagen geben: "Es gab keine seriöse Chance für mich, dieses Spiel zu gewinnen." Genau das möchte der einstige Dauersieger Djokovic im kommenden Jahr wieder ändern.

Quelle: n-tv.de, Patrick Reichardt, dpa

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