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Utah-Jazz-Profi positiv getestet NBA unterbricht Saison wegen Coronavirus

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Die NBA pausiert - alle Spiele werden kurzfristig verschoben.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Weil ein Profi von Utah Jazz positiv auf das Coronavirus getestet wird, unterbricht die US-Basketballliga NBA ihre Saison. Dies entscheidet sich unmittelbar vor dem Anpfiff einer Partie. Pikant: Der Infizierte hatte sich kurz zuvor noch über strikte Maßnahmen hinweggesetzt.

Die Coronavirus-Pandemie hat die stärkste Basketball-Liga der Welt in die Knie gezwungen und zu einer kompletten Unterbrechung der NBA-Saison geführt. Nach der Nachricht eines positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Profis der Utah Jazz war zunächst die Partie gegen die Oklahoma City Thunder um Nationalspieler Dennis Schröder abgesagt und schließlich die ganze Spielzeit unterbrochen worden. Nach der italienischen Fußball-Liga Serie A ist die NBA die zweite ganz große Sportliga der Welt, die wegen des neuartigen Coronavirus ihren Spielbetrieb unterbricht.

Im Gegensatz zur Serie A, die wie alle Sportveranstaltungen in Italien bis zum 3. April pausiert, gilt die Entscheidung der NBA auf unbestimmte Zeit. "Die NBA wird diese Pause nutzen, um die nächsten Schritte mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie zu bestimmen", hieß am Mittwochabend.

Mannschaften waren schon in der Halle

Mittlerweile ist bestätigt, was US-Medien bereits übereinstimmend berichteten: Bei dem positiv auf das neuartige Coronavirus getesteten Profi handelt es sich um Jazz-Center Rudy Gobert. Wie die Utah Jazz mitteilten, sei er am Vormittag auf Influenza untersucht worden. Die Symptome seien im Laufe des Tages schwächer geworden. Aus Vorsicht sei er auch noch auf Sars-CoV-2 getestet worden - die Nachricht dieses positiven Tests erreichte die Mediziner erst unmittelbar vor Beginn der Partie in der Chesapeake Energy Arena in Oklahoma City.

Wie auf TV-Bildern zu sehen war, standen die Spieler auf dem Platz, als die Schiedsrichter sich versammelten und die Mannschaften wenig später vom Feld schickten. Nach einer Zeit mit diversen Aktionen zur Unterhaltung wurden Zuschauer etwa eine halbe Stunde nach dem geplanten Spielbeginn über die Absage wegen "unvorhersehbarer Umstände" per Durchsage informiert und dazu aufgefordert, die Halle zu verlassen.

"Wie in einem Film"

Die Begegnung der Dallas Mavericks gegen die Denver Nuggets ist nun auf unbestimmte Zeit die letzte gespielte NBA-Partie. Das Spiel war bereits im dritten Viertel, als die Entscheidung der NBA publik wurde. Dallas gewann 113:97. "Das ist beängstigend. Wenn du ein Spiel verlierst, dann regst du dich auf", sagte Nuggets-Cheftrainer Michael Malone. "Aber wenn du einen Schritt zurücktrittst, wird dir klar, dass das Millionen Menschen auf der Welt betrifft." Auch er sagte: "Das ist wie in einem Film."

Laut NBA-Mitteilung hätte die Saison erst nach der Partie der New Orleans Pelicans gegen die Sacramento Kings unterbrochen werden sollen. Weil aber ein Mitglied des Schiedsrichterteams zuletzt bei einem Spiel der Utah Jazz im Einsatz war und Spieler sich Sorgen machten, wurde auch dieses Spiel vor dem Sprungball abgesagt.

Als erster NBA-Klubbesitzer äußerte sich der Boss der Dallas Mavericks, Mark Cuban. "Das ist verrückt, das kann nicht wahr sein. Das scheint aus einem Film zu sein, nicht aus der Realität", sagte er ESPN. Cuban betonte, es gehe nun nicht mehr um Basketball. "Wenn das hier einfach explodiert, dann denkst du an deine Familie und möchtest sichergehen, dass du das Richtige tust", sagte der Chef von Nationalspieler Maxi Kleber. Er betonte, dass er auf die wirtschaftlichen Folgen der Spielpause reagieren wolle. Viele Menschen rund um seine Mannschaft seien auf Stundenlohnbasis angestellt und auf das Geld angewiesen. "Vielleicht bitten wir darum, dass sie etwas Freiwilligenarbeit machen im Austausch, aber wir werden uns darum kümmern. Das ist wichtig für mich", sagte der Milliardär.

Gobert fand Regeln offenbar unsinnig

In den vergangenen Tagen hatte die Liga ihren Teams in Reaktion auf die Ausbreitung des Virus strikte Maßnahmen verordnet und etwa das Betreten der Umkleideräume auf Spieler und Betreuer begrenzt. In den USA haben Journalisten üblicherweise vor und nach Spielen Zugang für Interviews. Gespräche zwischen Medienvertretern und Profis sollten nur noch mit Abstand geführt, Autogramme nur mit eigenen Stiften geschrieben und keine Trikots oder Bälle von Fans angenommen werden.

ESPN zeigte ein Video, auf dem ausgerechnet Gobert nach einer Pressekonferenz am Montag vor dem Verlassen des Raums alle Mikrofone und Diktiergeräte in Reichweite anfasste. Offenbar wollte er auf die aus seiner Sicht übertriebene Vorsicht im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Virus hinweisen.

Quelle: ntv.de, ara/dpa